Nichts geht über Handarbeit

Um ein Ergebnis vorwegzunehmen: Für bestimmte Zubereitungen und wenn es nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf Ästhetik ankommt, ist traditionelle Handarbeit kaum zu ersetzen. Wer würde etwa den Apfel für ein Bircher-Müsli im Mixer zerkleinern, statt ihn wie von alters her manuell zu raffeln? Ähnlich ist es bei einer leckeren Rohkost aus Möhren oder Roter Beete. Weil das manuelle Zerkleinern auf einer Bircherraffel oder anderen Handreibe zeitaufwendig und auch etwas anstrengend ist, habe ich auch andere Varianten ausprobiert, etwa einen elektrischen oder handbetriebenen Multizerkleinerer. Ergebnis: Es geht, aber nur zur Not.

Der Grund liegt darin, dass beim manuellen Reiben mehr Saft freigesetzt wird, außerdem werden die Schnitzel – je nach gewählter Reibe – feiner und gleichmäßiger. Das Ergebnis sieht vielleicht nicht ganz so schön aus wie das Gehäcksel aus der Küchenmaschine, schmeckt dafür aber viel besser. Ebenso macht sich auch beim selbst hergestellten Pesto der erhöhte Arbeitseinsatz bezahlt: Beim manuellen Schneiden, Zerhacken und Mörsern können sich die Zutaten besser vermischen und mehr Aroma abgeben.

Ein Koch braucht ein Kochmesser

Andererseits bekommt man schöne gleichmäßige Gurken-, Tomaten- oder Möhrenscheiben für einen Salat oder auch die Zucchini- und Kartoffelscheiben für ein liebevoll eingeschichtetes Gratin am besten ganz altmodisch mit einem scharfen Küchenmesser hin. Es ist kein Zufall, dass unter Profi- wie Hobbyköchen mehr über das beste Kochmesser diskutiert (und nicht selten ein wahrer Kult darum betrieben) wird als über den optimalen Gemüsehobel. Eine eventuelle Zeitersparnis wird durch den erhöhten Aufwand beim Zusammen- und Auseinanderbauen sowie beim Spülen der Einzelteile des Küchengerätes meist mehr als wettgemacht. Ein Messer ist dagegen ruckzuck unter fließendem Wasser abgespült und in drei Sekunden abgetrocknet.

Wenigstens ein Mixgerät ist trotzdem unverzichtbar

Wenn es allerdings ums Pürieren und Mixen geht, spielen die elektrischen Haushaltshelfer ihre Stärken aus. Vor einigen Jahren habe ich über meine Erfahrungen mit verschiedenen Standmixern berichtet. Inzwischen folgen neue Modelle, Innovationen und Sonderangebote in immer kürzeren Abständen aufeinander, sodass ein Test einzelner Geräte über Jahre hinweg kaum noch sinnvoll und praktikabel ist. Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass Mixer und Zerkleinerer ihren Zweck erfüllen, wenn man sie sorgfältig behandelt und bestimmungsgemäß einsetzt. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail. Ich besitze mehrere Geräte und stelle immer wieder fest, dass jedes seine Stärken und Schwächen auf einem anderen Gebiet hat. Das eine eignet sich besser zum Hacken von Nüssen, das andere zum Herstellen von Pesto oder Obstpüree.

Je teurer, je besser? Oder reicht ein "normaler" Mixer?

Auch einen Hochleistungsmixer habe ich schon ausprobiert und war gar nicht so begeistert davon, wie ich erwartet hätte. Mit einem automatischen Smoothie-Programm wurde das Getränk viel zu warm und – für meinen Geschmack – zu dünn. Die viel gepriesene "Cremigkeit" bei Smoothies ist wohl nicht so mein Ding. Die Masse für selbst gemachte Müsliriegel war im Hochleistungsmixer genauso schwer herzustellen wie im preiswerten Multizerkleinerer. Dauernd musste man das Gerät ausschalten, den Sicherheitsverschluss öffnen, Deckel abnehmen, die Pampe von den Wänden kratzen, Deckel und Sicherheitshaken wieder schließen, zwei Sekunden mixen und das Ganze von vorn … Der mitgelieferte Stößel half leider nicht viel. Es ist ein gutes Gerät mit viel Power, aber trotzdem soll man es auf höchster Stufe nicht länger als eine Minute laufen lassen. Also gar nicht so viel Unterschied zu einem guten Standmixer der Mittelklasse.

Ein Standmixer ist kein Rührgerät

Doch bei dem Versuch mit den Müsliriegeln ist mir wieder einmal aufgefallen, dass die idealen Anwendungsgebiete der verschiedenen Küchengeräte häufig nicht beachtet werden. So mancher Kochbuchautor betrachtet einen Standmixer als Universalgerät für alles, wundert sich, wenn ihm schon diverse Mixer "abgeraucht" sind und empfiehlt deshalb gleich die teure Oberklasse. Aber wäre es nicht viel einfacher gewesen, wenn ich die Nüsse für die Riegel im Zerkleinerer, je nach Menge vielleicht sogar mit einem Messer gehackt oder in einer Handmühle gemahlen und dann mit einem Handrührgerät oder einem Kochlöffel mit den anderen Zutaten vermischt hätte? Haferflocken für Riegel brauchen wohl kaum gemixt zu werden und die Trockenfrüchte sollte man sowieso vorher klein schneiden.

Generell ist ein Standmixer oder auch ein Pürierstab für Teige aller Art nicht besonders gut geeignet. Dafür gibt es Handrührgeräte mit Schneebesen und Knethaken. Es ist auch viel einfacher, eine Rührschüssel zu leeren und zu spülen als einen Mixbecher, wo man die klebrige Masse erst unter den Messern hervorkratzen und dann aufpassen muss, dass man sich beim Reinigen nicht verletzt. Überhaupt das Reinigen: Die Becher von Mixern und Zerkleinerern sollten möglichst sofort nach Gebrauch gespült werden, damit die Reste nicht antrocknen. Die Spülmaschine ist also keine wirkliche Alternative, selbst wenn einige Teile spülmaschinentauglich sind. Fast noch schlimmer aber ist das Abtrocknen. Da gibt es Rillen und Vertiefungen für Gummidichtungen, verborgene Löcher und Ecken und Kanten … Das alles soll absolut trocken sein, bevor man die "Arbeitshilfe" – welch doppeldeutiges Wort! – wieder zusammensetzt.

Das Universalgerät für alle Zwecke bleibt ein unerfüllbarer Wunsch

Mein persönliches Fazit im Single-Haushalt lautet: Was sich per Hand mit Messer und Schneidebrett oder Reibe machen lässt, erledige ich auch so. Denn das spart Zeit beim Spülen und Aufräumen und bringt oft auch bessere Ergebnisse. Für einige Anwendungen wie Smoothies oder Pürees ist ein leistungsfähiges Mixgerät allerdings unverzichtbar. Leider gibt es aber nicht die eierlegende Wollmilchsau, sondern jedes Spezialgerät – Standmixer, Stabmixer, Multizerkleinerer – spielt seine Stärke auf seinem speziellen Anwendungsgebiet aus. Will man im Mixer Nüsse mahlen oder mit dem Pürierstab Smoothies herstellen, wird man mit Einschränkungen leben müssen. Selbst eine Küchenmaschine hat ihre Grenzen, denn die einzelnen Aufsätze wie etwa Mixer sind meist keine High-End-Geräte und reichen für manche Anwendungen dann doch nicht aus. Wer also der ständigen Versuchung erlegen ist und eine Vielzahl von verschiedenen Küchenhelfern zu Hause hat, sollte sie auch nutzen. Probieren Sie einfach mal verschiedene Geräte für denselben Zweck aus, dann merken Sie schnell, welches am besten wofür geeignet ist und womit Sie am liebsten arbeiten!

Federspiel, vor 27 Tagen
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Autor seit 6 Jahren
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