Ein Typ wie Du und Ich

Klar, dass man sich irgendwann fragt, wer denn dieser Typ ist, der in einem Rollstuhl sitzt und wegen seiner Behinderung sogar sprachlich auf eine Maschine angewiesen ist - und dennoch reihenweise Menschen derart beeindruckt, dass Veranstaltungen mit ihm stets ein Geheimtipp oder ausgebucht sind. Und wer diese klare Formulierung im Bezug auf seine Krankheit als unpassend empfindet, dem sei die Biographie von Stephen Hawking ganz besonders empfohlen.

Bevor die Krankheit ausbrach war er ein Typ wie Du und Ich, der wie alle jungen Menschen durchaus die Vorteile des lockeren Studentenlebens zu schätzen wusste und gleichermaßen fachlich die Richtung verfolgte, die er immer einschlagen wollte – das war und ist Stephen Hawking, der nicht nur sein Leben als Wissenschaftler, sondern auch als junger Mann nach der Diagnose der degenerativen Erkrankung seines motorischen Nervensystems (ALS) viel bewusster lebte. So handeln gewiss viele Menschen in einer derartigen Situation, allerdings wusste Hawking um seinen stetigen körperlichen Verfall, der ihm bevorstand. Eigentlich hatten die Mediziner ihm damals auch seinen baldigen Tod prognostiziert… Er scheute dennoch keine Reise in die Welt der Wissenschaften - weder bei der Fortsetzung seiner Arbeit noch räumlich in etliche Länder zu Treffen mit Fachkollegen.

 

Privates - wenig Dramen, viel Humor und Weisheit

Was ihn dabei noch sympathischer macht: Er leistet sich eine gewisse, aber nicht aufdringliche Koketterie, mit der er sich selbst nicht zu ernst nimmt, er lässt keine Namen derjenigen aus, die mit ihm an seinen Projekten arbeiteten oder gegen die er eine der für den Normalbürger verrückten Wissenschaftler-Wetten verlor. Auch seine zwei Ehen kommen zur Sprache und die Tatsache, dass beide Frauen ihm jeweils sein Leben gerettet haben. Nichts Spektakuläres und schon gar nichts Negatives hört man von ihm. Er ist mit sich im Reinen – mit Sicherheit mehr als diejenigen, die ihn wegen seiner körperlichen Einschränkungen bemitleiden.

Leise Töne und viel Humor in den Fußstapfen von Isaac Newton

In manchen Rezensionen beklagten sich einige Leser über den Mangel an Privatleben in diesem Buch, das stattdessen eine interessante Wissenschaftsära beschreibt, mit ausführlichen Erläuterungen von Hawkings Theorien. Genau das wiederum spricht die Mehrzahl Leser an in unserer Zeit der ständigen Event- und Skandalinszenierungen.

Ein selbstbewusster Mann mit leisen Tönen und viel Humor - so empfindet der interessierte Leser es. So manches Mal vergisst man bei der Lektüre tatsächlich einen der beeindruckendsten Fakten aus seiner Vita, den der Rowohlt-Verlag so formuliert: " Dreißig Jahre lang, von 1979 bis 2009, war er "Lucasischer Professor für Mathematik" im Fachbereich für angewandte Mathematik und theoretische Physik, ein Lehrstuhl, den in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Isaac Newton innehatte."

Fazit: Äußerst lesenswert – sowohl für Leute vom Fach als auch Nicht-Wissenschaftler, Geschichtsinteressierte und Menschen, die anspruchsvolle Unterhaltung lieben.

 

Rowohlt
erschienen am 10.09.2013
160 Seiten
ISBN 978-3-498-03025-4

Preis: Hardcover: € 19,95, E-Book: € 16,99

Kati, am 21.03.2014
2 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
Die Plattform BoniRob, Manuel Wopfner (Schonend Unkraut entfernen mit dem Feldroboter BoniRob)
Doreena Randler 1987 (Bon Anniversaire, Eiffelturm)

Autor seit 3 Jahren
8 Seiten
Laden ...
Fehler!