Erfindungen, die keiner wollte

In England präsentierten die Gebrüder Stollwerck 1903 Schallplatten aus Schokolade. Jene waren in Silberpapier verpackt, aus dessen eingeprägten Rillen der Tonarm die Musik abspielte. Allerdings stellte sich heraus, dass die süßen Tonträger oft ohne vorherigen Musikgenuss verzehrt wurden.

Ein Amerikaner namens Albert Bacon Pratt erhielt 1917 das Patent auf den Soldatenhelm mit integrierter Pistole. Der Schütze sollte dabei in einen zum Helm führenden Schlauch blasen und so den Abzug betätigen. Für die nötige Genauigkeit sorgte eine vor dem Gesicht hängende Zielvorrichtung. Glücklicherweise wurde die unpraktikable Erfindung kein kommerzieller Erfolg. Die Schützen wären sonst durch den Pistolenrückstoß vermutlich reihenweise an Genickbruch verstorben.

Nützlicher, aber ebenso erfolglos, gestaltete sich dagegen eine andere Erfindung aus den USA: Unter der US-Patentnummer 2602996 wurde die "Spaghettigabel mit drehbarem Antrieb" vermerkt.

Einfach und wirkungsvoll erwies sich die Idee von Sai Kheong Kwan aus Singapur. 1976 erfand er eine Vorrichtung gegen Flugzeugentführungen. Den Passagieren wurden abschließbare Metallkugeln an den Händen befestigt. Diese waren so beschaffen, dass Daumen und Finger frei beweglich blieben. Das umschließende Halten einer Waffe hingegen erwies sich damit als unmöglich. Obwohl die Erfindung patentiert wurde, fand sie schließlich keine Verwendung. Sai Kheong Kwan teilte damit das Schicksal vieler deutscher Bastler:

Kuriose Patentanmeldungen aus Deutschland

Deutschland, historischer Spitzenreiter unter den Erfindernationen, verlangt für Patentanmeldungen vergleichsweise strenge Voraussetzungen: Sie müssen neue und tatsächlich erfinderische Eigenarten aufweisen und zudem gewerblich nutzbar sein. Ob sie wirklich verwertet werden, interessiert das Patentamt dagegen nicht in jedem Fall. Daher wurden seit der 1877 begonnenen Registrierung deutscher Patente auch recht kuriose, jedoch durchaus ernst gemeinte Erfindungen eingetragen:

  • Zum Schutz gegen Raubüberfälle dienten die mit einem Revolver verbundene Geldtasche sowie eine Taschenuhr mit Pistole.
  • Gegen Regen gab es unter anderem 1881 einen Hut mit Schuppen aus Tannenzapfen, ähnlich einer Dachschiefer-Konstruktion. Ein späterer Erfinder setze dagegen auf ein kombiniertes Hut-Modell mit Sonnen- und Regenschirm.
  • Für privaten Komfort wiederum sollten eine mit der Zunge bedienbare Zahnbürste sowie ein Kopfkissen mit Ohren-Aussparungen sorgen.
  • Gegen die asymmetrische Abnutzung von Hosen an Knieteilen und Sitzfläche ist eine Hose aus vier gleichen Teilen mit zwei Schlitzen vermerkt. Vorder- und Rückseite sind somit identisch.
  • Wenig Interesse fand leider auch die Fliegenklatsche mit variabler Schlagkraft und Glockensignal.

Ein Problem – viele Lösungsansätze

Das Universum der erheiternden Patentanmeldungen scheint unendlich groß zu sein. Doch auch für Probleme mit echtem Lösungsbedarf gibt es in Deutschland schon längst patentierte Erfindungen, welche aber offenbar nicht wirklich zufriedenstellend sind. Dazu gehören natürlich unzählige Vorschläge gegen lästiges Schnarchen. Ein weiteres Beispiel sind die vielfältigen Weckvorrichtungen, denen ebenfalls keine Massensympathie beschieden war: Ein Bett, dessen Kopfteil zur Weckzeit ruckartig nach oben schnellt, ein Apparat zum Wegziehen der Bettdecke, das elektrische Weckverfahren sowie ein Gerät, welches den Schläfer mit Gummikugeln bewirft. Sanfter kann man sich dagegen durch ein von der Uhrfeder angetriebenes Haarbüschel wecken lassen.

Arthur Paul Pedrick: Genial und ein bisschen verrückt

Ausgerechnet ein Angestellter des britischen Patentamts sorgte mit skurrilen Erfindungen für Heiterkeit in der Wissenschaftsgemeinde: Arthur Paul Pedrick. Seine wohl bizarrste Idee war die Bewässerung der Sahara durch Schneebälle, welche mittels einer Rohrleitung vom Nordpol kommen sollten. Genialität bewies der angebliche Spinner hingegen, als er für seine Katze "Ginger" ein intelligentes Türchen entwarf. Dieses öffnete sich nur, sobald ein Detektor "Ginger" an der Fellfarbe erkannte. Andere vierbeinige Nachtschwärmer mussten somit draußen bleiben.

Der 1976 verstorbene Tüftler kommentierte die Verspottung seiner Nonsens-Erfindungen jedoch recht treffend: "Man weiß doch, dass sich Pionierarbeit nicht lohnt, weil die oberschlauen Techniker immer abwarten, bis irgendein Dummkopf von Erfinder alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Dann packen sie zu und machen den großen Profit." (Zitat aus: Vom Faustkeil zum Leserstrahl, Verlag Das Beste GmbH, Stuttgart 1991)

Autor seit 10 Jahren
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