Stil und EtiketteManchmal lohnt es sich, wenn man zu anderen Menschen nett ist und ihnen beim Umzug hilft. So geschehen vor knapp zwei Wochen. Nachdem wir die komplette Wohnung leer geräumt hatten, kam der Keller an die Reihe. Und wie das so mit Kellern ist: meistens steht dort eine Menge Unrat herum. Bei Stefan (meinem Arbeitskollegen, dem ich geholfen habe) waren es zwei Ordner mit der Aufschrift "Stil & Etikette", die entsorgt werden sollten.

Hallo? Geht es noch? In einer Welt, in der kein Mensch mehr vor dem anderen Respekt hat, kann man so etwas doch nicht in den Müll werfen! Kurzerhand habe ich die Dinger also bekommen.

Zugegeben: Kaum ein Mensch ließt sich zweitausend Seiten durch und beherrscht diese auch noch. Dennoch finde ich es gut, wenn man von gewissen Regeln mal etwas gehört hat. Durch solche Aussagen gehört man (ich) ganz schnell zum erzkonservativen Eisen. "Ha! Knigge! Altmodisch! Spießer!"

Tatsächlich?

Die meisten meiner Mitmenschen wissen leider nicht mehr zu sagen, wenn sie das Wort "Stil", "Etikette" oder gar "Knigge" hören. Altmodisch kann das ganze nicht wirklich sein. Bedenkt man, dass Adolph Freiherr von Knigge mitten im 18. Jahrhundert gelebt hat, dann müssten seine weltberühmten "Benimmregeln" nämlich uralt und völlig aus der Mode gekommen sein.

"Sind sie auch" mögen die Menschen ohne Stil und Etikette sagen, ohne sich bewusst zu sein, dass das Erbe des Freiherrn durchaus weiter lebt und in regelmäßigen Abständen aktualisiert, sprich: dem aktuellen Stand der Gesellschaft angepasst wird.

Doch davon einmal ganz abgesehen: Das Originalwerk des Freiherrn trug den Namen "Über den Umgang mit Menschen". Entgegen der weitläufigen Meinung handelte es sich dabei keineswegs um ein Benimm-Buch, sondern um ein Werk, dass den höflichen Umgang miteinander erklärt. Und wenn ich mir so einige Menschen auf der Straße oder auf Arbeit ansehe, dann denke ich, dass eine Renaissance des ursprünglichen Knigge-Werkes durchaus seine Berechtigung in dieser Welt hat.

Autor seit 6 Jahren
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