So praktisch!

Chitenge in Malawi (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

Die bunten Wachstücher haben in Afrika so viele Funktionen, dass es schwer ist, diese alle aufzuzählen. Traditionell werden sie eher von Frauen getragen, in manchen Ländern ist es auch Männern erlaubt sie umzuwickeln, wenn es heiß ist. Verschiedene Muster haben manchmal unterschiedliche Bedeutungen und werden zu bestimmten Anlässen und Meetings getragen, oft sind sie sogar mit religiösen oder politischen Slogans oder Bildern von Politikern bedruckt. Das Wachstuch wird verschieden eingesetzt: als Kleidungsstück, als Kopftuch, als Schal, als Polster, als Tragetuch für Babies oder auch Lasten wie Feuerholz, als Babywindel, als Damenbinde in den Dörfern, als Schürze, als Tischtuch, als Wohnungsaccessoire generell etc. Die Tücher sind extrem günstig, überall erhältlich und jeder kann sie sich leisten und jede afrikanische Frau hat mindestens eines. 

Die Wachstücher sind auch beliebte Geschenke, zum Beispiel von Eltern an die heranwachsende Tochter, wenn sie nun zeigen soll, dass sie eine richtige Frau ist und ihre Beine eher bedeckt halten soll. Und: Das Tuch passt in jede Handtasche oder wird kunstvoll um den Körper drapiert einfach so immer mitgetragen, ohne Waxtuch geht eine afrikanische Frau kaum außer Haus.

Original nicht aus Afrika

Waxstoffe gibt es seit dem 19. Jahrhundert, als man in Holland anfing, Tücher mit indonesischen Batikmustern industriell zu produzieren. Ursprünglich wurden diese zuvor mit Hilfe von Holzstempeln bedruckt, die in Wachs getaucht wurden. Die Holländer hofften mit ihren industriell gefertigten Billigprodukten großes Geschäft in den Kolonien in Indonesien zu machen, doch der Erfolg blieb aus. Doch Anhänger fanden die Stoffe bei afrikanischen Soldaten, die in Indonesien stationiert waren, und die Stoffe schließlich nach Westafrika brachten, wo sie der absolute Hit waren. In kürzester Zeit verbreiteten sich die bunten Stoffe in ganz Westafrika und weiter. Die absolute Monopolstellung hatte dabei die holländische Firma Vlisco, die extra Leute nach Afrika schickte, um die Vorlieben der afrikanischen Frauen zu studieren. So kamen die Tücher nach Afrika und Afrikaner schafften gleichzeitig ihre eigene Modekultur, indem sie anfingen, kunstvolle Gewänder aus den Stoffen zu nähen.

Chitenge (Bild: Hugh_Grant / Pixabay)

Verschiedene Arten

Grundsätzlich erkennt man die typischen Waxtücher daran, dass Vorder- und Rückseite sich nicht unterscheiden sollten, sondern gleich farbintensiv sind. Original sollten sie aus 100 % Baumwolle bestehen. Inzwischen gibt es natürlich viele verschiedene Arten, die sich in Preis und Qualität unterscheiden und selbst in der internationalen Modeszene wie zum Beispiel in Paris kommen solche Stoffe zum Einsatz. Nur mehr wenige Leute produzieren sie allerdings in Handarbeitn mit Stempeln. Produziert werden die sogenannten Waxtücher nach wie vor in Holland, aber auch in Afrika direkt und in England.

Chitenge 2-teiler (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

Tücher in Afrika kaufen

Als Tourist wird man in Afrika gerne betrogen, wenn es um Marktpreise geht. In der Regel kostet ein Chitenge in der überall angebotenen Standardgröße je nach Qualität etwa ein bis zwei Euro. Möchte man das Angebot annehmen, sich von den vielen SchneiderInnen auf den Märkten etwas nähen zu lassen, so ist das eine tolle Sache, denn sie haben viele Designs im Angebot und man bekommt so günstige Kleidung, die auch garantiert passt. Pro Teil, Ober- oder Unterteil, braucht man einen Chitenge. Möchte man daher ein Kleid haben, so braucht man zwei Stück. Hier in Sambia wird auch so der Preis für die NäherInnen berechnet. Pro Teil kostet das Nähen etwa zwei Euro. Also, ein ganzes, perfekt sitzendes Kleid kostet in Sambia mit Materialkosten etwa fünf Euro, wenn man gut handelt.

Auf Touristenmärkten findet man oft bereits fertige Kleidungsstücke und Taschen aus Chitengematerial, doch die sind meist schwer überteuert.

Kaufen Sie Waxtücher in Afrika, so sollten Sie sich nicht davon abschrecken lassen, dass diese extrem hart sind. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie frisch gewachst sind und sie werden nach zwei Mal waschen schön weich.

In Europa bekommt man die hübschen Stoffe kaum und wenn, dann sehr teuer. Schon oft habe ich Stoffe nach Europa geschickt. Wenn Sie also gerne Chitenge haben möchten, so können Sie mich gerne kontaktieren. Gegen eine Spende für meine Blindenschule Malaikha in Sambia mache ich das immer gerne. 

Autor seit 4 Jahren
406 Seiten
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