Vor einigen Wochen ging ich durch die Stadt, um mich von einem schweren Schlag zu erholen, den ich an diesem Tag erfahren mußte.

Meine Mutter war in den frühen Morgenstunden mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Man steht morgens wie gewöhnlich auf, und denkt, alles sei soweit in Ordnung, aber bereits wenige Sekunden genügen, um dein Leben auf den Kopf zu stellen. Und genau dies war einer solcher Tage.

Bei der besagten Runde durch die Stadt versuchte ich mich erstmal etwas zu sammeln. Ich sah mich unter den Menschen um, die mir entgegen kamen. Sie schienen teilweise recht ausgeglichen zu sein, mit ihren Einkaufstüten in der Hand. Anderen sah man an, dass sie wohl gerade in ihrem Alltagsstress steckten.

Die Ablenkung tat ganz gut, um die Angst um meine Mutter, und das, was nun mit ihr passieren würde, etwas unter Kontrolle zu bekommen.

Ich war fest entschlossen, den Dingen positiv entgegen zu treten, und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Alles wieder gut werden würde.

Unter all den Menschen sah ich dann in der Fußgängerzone eine Obdachlose mit ihrem kleinen Hund sitzen. Ich näherte mich ihr und kniete mich zu ihr hinunter, wobei mich der kleine Hund sofort freudig zu begrüßen begann. Er schleckte meine Hand ab, und forderte mich auf, ihn zu streicheln.

Sein Frauchen saß da währenddessen ganz verloren auf dem kalten Boden. Ich fing mit ihr ein Gespräch an. Kurz darauf stellte sich heraus, dass sie meine Sprache gar nicht verstand.

Also versuchte ich mich, mehr oder weniger, mit Zeichensprache zu verständigen, während ich schon merkte, dass ich von allen Seiten schräg gemustert wurde. Aber das war mir egal. Ja, egal, ob ich nun gerade ein Tabu gebrochen hatte.

Ich gab der Frau zu verstehen, was für einen niedlichen kleinen Hund sie habe, und zückte mein Handy, um ihr ein Foto von meinem Sonnenschein Aramis zu zeigen. Dabei deutete ich auf mein Herz, und begann zu strahlen. Plötzlich wurde der leere Blick dieser Frau mit einem Glanz in ihren Augen ausgefüllt, und sie begann zu lächeln.

Ich streichelte ihr über den Arm, während sie immer wieder fürchterlich zu husten begann. Auch wenn diese Frau meine Sprache nicht verstehen konnte, als ich ihr und ihrem kleinen Hund alles Gute wünschte, so war ich mir sicher, dass sie die Sprache des Herzens sehr wohl verstand.

Als ich ging, legte ich ihr zwei Euro in ihre kleine Holzkiste, egal, was sie damit anstellen würde. Eines wußte ich, ihr kleiner Hund würde auf jeden Fall etwas abbekommen.

Beim Abschied von der Frau, nahm ich die strafenden Blicke, oder auch Verwunderung der anderen Menschen wahr,

Was für ein Tabu, sich herab zu lassen, um mit einer Obdachlosen zu sprechen, und sie auch noch zu berühren.

Mir hingegen wurde noch bewußter, wie ignorant sich unsere Gesellschaft den Schwachen gegenüber verhält.

Ich denke, vielen Menschen ist es gar nicht wirklich bewußt, wie gut es ihnen eigentlich geht. Im Gegenteil, sie klagen auf ziemlich hohem Niveau.

Vielleicht sollte unsere Gesellschaft endlich einmal damit beginnen, ihre Tabus zu brechen, und etwas mehr Nächstenliebe anderen Menschen gegenüber zu zeigen.

Ich jedenfalls, werde mich auch weiterhin über die Tabus unserer Gesellschaft hinweg setzen. 

Autor seit 6 Jahren
129 Seiten
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