Tanzen als Ausgleichssport - Ein Überblick über die verschiedenen Arten des Tanzens

Amateur-TurnierpaarIn einer Zeit, in der körperliche Arbeit immer mehr durch Maschinen und geistige Arbeit durch Computer erledigt wird, ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen, um bis ins hohe Alter fit zu bleiben – sowohl physisch, als auch psychisch.

Nicht zuletzt ist das einer der Gründe, warum mehr und mehr Fitnessstudios wie Pilze aus dem Boden sprießen. Doch die Euphorie eines neu angemeldeten Mitglieds hält oftmals nicht lange an. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, angefangen bei der Eintönigkeit während des Trainings bis hin zu der Frage, welchen Sinn es macht, fünfundvierzig Minuten Gewichte in die Höhe zu stemmen.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel einen Ausgleichssport vorstellen, der in den letzten Jahre mehr und mehr Anklang in allen Altersgruppen gefunden hat: Das Tanzen.

Die positiven Aspekte

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, fördert das Tanzen gleich dreifach, nämlich sowohl Körper, Geist als auch soziale Kontakte.

Am deutlichsten sind sicherlich die körperlichen Auswirkungen zu erkennen. Hier wird neben der reinen Ausdauer auch die Körperkoordination, die Balance und bis zu einem gewissen Grad auch der Muskelaufbau gefördert.

Doch das Tanzen ist keine rein körperliche Aktivität, sondern erfordert darüber hinaus auch geistige Leistung. Führen, bzw. Führung erkennen, das Auffassen der Musik, das Halten des Taktes, aber auch die eingestreuten Überlegungen, welche Figur als nächstes getanzt werden soll, beansprucht die mentale Ebene in nicht minderem Maße als die körperliche.

Körper und Geist arbeiten hier zusammen, nicht separat voneinander. Der Geist ist darauf angewiesen, dass der Körper ihm Informationen über die Lage im Raum, die Balance und den Takt zukommen lässt, der Körper wiederum ist davon abhängig, dass der Geist die teilweise komplexen Bewegungsabläufe steuert.

Ein weiterer positiver Aspekt des Tanzens sind die sozialen Kontakte, die sich zwangsläufig ergeben. Dabei ist es gleich, ob man rein gesellschaftlichen Breitensport oder leistungsorientierten Turniersport betreibt. Verbindungen zu anderen Menschen mit dem gleichen Hobby entstehen bei allen Ausprägungen des Tanzsportes.

Tanzstile und -Arten

Auch wenn die oben beschriebenen Eigenschaften gleichermaßen auf alle Tanzstile und -Arten zutreffen, unterscheiden sich letztere doch erheblich voneinander. Grundsätzlich kann man drei verschieden Arten des Tanzens unterscheiden:

  • Einzeltanz

  • Modetänze

  • Gesellschaftstänze

Der Einzeltanz, wie er in Diskotheken praktiziert wird, setzt zwar keinen Tanzpartner voraus, doch auch hier wird sowohl Körper, als auch Geist angesprochen. Oftmals wird der Einzeltanz nicht nur aus Spaß an der Bewegung ausgeübt, sondern gerade um soziale Kontakte zu knüpfen. Damit dient er auch dem dritten wichtigen Aspekt des Tanzsports.

Unter Modetänzen versteht man solche Tänze, die durch Vermischen bereits existierender Tanzstile entstehen, oder ältere Tänze, die in regelmäßigen Abständen eine Renaissance erleben. Salsa und Mambo gehören dazu genauso wie Tango Argentino oder auch Linedance. Charakteristisch für Modetänze ist, dass es meistens Clubs gibt, die sich nur auf diesen einen Tanz spezialisieren und sowohl Einführungs- als auch Aufbaukurse und freies Tanzen in Form von Partys anbieten.

Einen anderen Stellenwert nimmt der Gesellschaftstanz ein. Zu diesem zählen die beiden Richtungen Standard (mit den Tänzen Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Quickstep, Slowfox und Tango) und Latein (mit den Tänzen Rumba, ChaCha, Jive, Paso Doble und Samba). Weiterhin wird auch der Discofox weitläufig als Gesellschaftstanz bezeichnet.

All diesen Tänzen ist gemeinsam, dass sie in organisierten Tanzschulen und Vereinen unterrichtet werden. Einige Schritte und Figuren ändern sich zwar mit der Zeit, davon abgesehen handelt es sich aber um ein internationales Tanzprogramm, dem sogenannten Welttanzprogramm. Der Vorteil ist, das jemand, der in Deutschland gelernt hat, Langsamen Walzer zu tanzen, dies auch mit einer fremden Partnerin auf Kuba tun kann, da alle Tänze einer gewissen Norm unterliegen, die von diversen Dachverbänden zusammen festgelegt wird.

Die Ernsthaftigkeit des Tanzens

Während die Allein- und Modetänze kaum verschiedene Intensitätsstufen aufweisen, abgesehen davon, dass einige Menschen sie gut, andere besser und noch andere sie überhaupt nicht tanzen können, findet man gerade im Gesellschaftstanz sehr verschiedene Ausprägungen, die mitunter auf die Ernsthaftigkeit schließen lassen, mit welcher dieser Sport betrieben wird.

Die Tanzschule ist nahezu jedem bekannt. Sie stellt häufig den Beginn einer "Tanzsportkarriere" da, denn dort werden die Grundschritte und elementare Figuren der einzelnen Tänze gelehrt.

Nicht alle Teilnehmer einer Tanzschule denken sofort an Sport, wenn sie einen Kurs besuchen und dort die Grundlagen von Standard- und Lateintänzen erlernen. Für viele stellt es einfach ein gesellschaftliches Muss dar, die gängigen Tanzschritte zu beherrschen.

Diejenigen, die Gefallen am Tanzen finden, bleiben ihrer Tanzschule nach dem Abschluss diverser Kurse häufig treu und tanzen dort in sogenannten Tanzkreisen. Die Paare treffen sich dort ein bis zwei Mal in der Woche mit einem Tanzlehrer und lernen neue Figuren. Dieses "Hobbytanzen" geht zwar mehr in Richtung Sport als ein reiner Tanzkurs, allerdings spricht man erst von Tanzsport, wenn ein Paar sich in die Riege der Breitensportler begibt. Dort herrscht eine gewisse Ernsthaftigkeit, was die Haltung und saubere Ausführung von Figuren angeht. Natürlich steht auch hier der Spaß im Vordergrund, aber es ist eine deutliche Tendenz zur Leistungsverbesserung zu erkennen. Im Breitensport tauchen auch erstmals Wettbewerbe auf, die in dieser Form beim Hobbytanzen keine Rolle spielen.

Denjenigen, die noch leistungsorientierter trainieren möchten, steht es offen, zum Turniersport zu wechseln – was durchaus auch noch im höheren Alter möglich ist. Damit verbunden ist meist ein Training, das drei mal in der Woche stattfindet und zwar sowohl in der Gruppe, als auch alleine mit dem Trainer (Einzeltraining) oder allein als Paar (freies Training).

Der Turniersport wird hauptsächlich in Tanzsportvereinen - weniger in Tanzschulen - ausgeübt. Das Paar meldet sich über den Verein beim Deutschen Tanzsportverband (DTV) als Turnierpaar an und bekommt ein sogenanntes Startbuch, welches berechtigt an nationalen - unter bestimmten Voraussetzungen auch an internationalen - Turnieren teilzunehmen.

Gerade der Turniersport erfordert eine Menge Ehrgeiz und Disziplin von seinen Tänzern und Tänzerinnen. Trotz des hohen Leistungseinsatzes handelt es sich dabei immer noch um den Amateursport. Der Wechsel in das professionelle Lager, also den Bereich, in dem man als Tänzer seinen Lebensunterhalt verdient, ist zwar möglich, allerdings extrem selten und auch dann nur bei überdurchschnittlich guter Leistung im Amateursportbereich.

Autor seit 7 Jahren
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