Casting - die Wahl der Schauspieler

Bei einer derart heißen Story ist es erstaunlich, dass die Crew der Schauspieler so mittelmäßig und unbekannt ist. Fehlte den Produzenten (es werden für 'The Bank Job' diverse Produzenten aufgeführt) das Geld für Top-Schauspieler? Vielleicht waren einfach zu viele Produzenten am Werk. Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei oder wie man auf Englisch sagt: 'A camel is a horse designed by a commitee'.

Jason Statham spielt die Hauptrolle. Doch derart grau, unauffällig und langweilig ist er mir in keinem anderen Film begegnet. 

Hier das Cast/die Besetzung:

Jason Statham, Suffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David, Michael Jibson, Richard Lintern und andere.

Die einzelnen Schauspieler spielen ihre Rollen gut, selbst Suffron Burrows. Vielleicht liegt es daran, dass Jason Statham so langweilig war? Ich hatte den Eindruck, dass er diese Rolle nicht wirklich gern gespielt hat. Warum auch immer er keine Lust hatte oder nicht bei der Sache war, ist irrelevant. Es zeigt sich hier vielmehr, wie sehr es darauf ankommt, mit ganzem Herzen bei der Arbeit zu sein. Ganz besonders in den kreativen Berufen. Sobald die Leidenschaft für ein Projekt fehlt, wird der Zuschauer, Leser, Zuhörer dies merken und auch keine positiven Gefühle empfinden können. Schade, denn die Geschichte, auf die der Film basiert, ist hervorragend und wirklich unglaublich. 

Seltsam auch, dass die Tatsache, dass Mick Jagger höchstpersönlich in diesem Film eine kleine Nebenrolle ohne Text hatte, völlig verschwiegen wurde. Er erscheint nicht in den Besetzungslisten und er soll wohl auch keine Gage bekommen haben. Vielleicht hatte er ein persönliches Interesse an der wahren Geschichte. War er vielleicht in der realen Geschichte einer jener Liebhaber? Wer weiß. Der Film ist jedenfalls irgendwie lahm, obwohl die Story völlig faszinierend ist.

Vielleicht war das Drehbuch nicht gut genug? 

Mick Jagger als kleiner Bankangestellter - ohne Text, ohne Bezahlung und top secret

The Bank Job (dt. Titel: Bank Job)

Die Handlung ist schnell erzählt. Brisant sind die Hintergrundinformationen.

Martine (gespielt von Saffron Burrows) ist eine zwielichte Frau, die Terry Leather (Jason Statham) von früher kennt und ihn wegen eines 'Jobs' anspricht. Sie habe, so sagt sie, von einem Bekannten die Information, dass in der Baker Street in London eine Bank ein neues Sicherheitssystem bekommen soll. Dafür wird für ein paar Tage das vorhandene Alarmsystem ausgeschaltet werden müssen. Im Keller der Bank befinden sich diverse Schließfächer, die deshalb in diesen Tagen problemlos ausgeraubt werden könnten. Der perfekte Bank Job.

Terry ist irritiert, da die beiden sich lange Zeit nicht gesehen haben. Trotzdem ist er interessiert. Er fragt Martine nach ihrer Motivation zu diesem Job. Sie behauptet, dass dies jede Menge Bargeld auf dem Präsentierteller sei und sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen will. Terry organisiert daher ein Team.

Martine checkt die Nachbarschaft und mietet ein Haus mit einem leeren Laden an. Das Team 'zieht ein', verklebt die Fenster, geht in den Keller und bohrt sich mit Presslufthammer und Stemmeisen durch die Wände in Richtung der Bank. Klar, dass das die Nachbarn mitbekommen. Die Polizei wird gerufen, kontrolliert, kann aber ohne Betreten des Ladens abgewimmelt werden.

Man arbeitet sogar in der Nacht. Um weiteren Polizeibesuchen vorzubeugen positioniert man einen Helfer mit Walkie-Talkie (Funkgerät) auf dem Dach. Er soll über das Gerät Kontakt mit den Männern im Keller halten und funkt dusseligerweise auch als er Hunger hat. Diesen Funkkontakt fängt ein Hobby-CB-Funker ab und informiert die Polizei. Da niemand weiß, um welche Bank es geht, bleiben die Räuber vorerst ungestört.

Doch auch die Polizei ist nicht dumm. Nachdem die erste Aktion zu keinem Ergebnis führt, fahren die Beamten nun jeweils immer nur mit einem Wagen vor eine der Banken, bis sie über den Funk hören, wie der Helfer sein Team im Keller informiert. Clever gelöst, doch die Räuber sind nirgends zu sehen. Zudem ist die Bank nicht aufgebrochen worden. Der Bankdirektor führt die Polizisten bis vor die Tür zu den Schließfächern. Doch der Saferaum ist mit einem Sicherheitssystem verriegelt und diese Sicherheitsverriegelung lässt sich nicht manuell öffnen, sie öffnet sich erst am Montagmorgen automatisch.

Die Räuber haben also nochmal Glück gehabt - wie oft noch?

Sie gelangen in den Tresorraum und beginnen damit, die Schließfächer nach und nach wahllos aufzubohren. Terry fällt auf, dass es Martine auf ein bestimmtes Schließfach abgesehen hat. Er stellt sie zur Rede und checkt den Inhalt. Dabei entdeckt er brisante Fotos, Tagebücher, Notizbücher und andere Dinge. In allen anderen Fächern befinden sich offensichtlich hauptsächlich Wertgegenstände, Aktien, Schmuck und jede Menge Geld. Die Räuber teilen und einige treffen die kluge Entscheidung, ihren Anteil sofort einzupacken und umgehend die Bank und auch das Land zu verlassen.

Nicht so Terry und Martine, die im Tresorraum diskutieren und dann unerwartet Sex haben. Angeblich erinnern sich beide ausgerechnet in diesem Moment daran.

Der Rest der Story ist hier schnell erzählt. Die Polizei erwischt zwei der Räuber, die unter Folter gestehen sollen. Dabei wird der eine erschossen, der andere von Terry mittels Erpressung befreit.

Es geht um die Schwester der Queen, um pikante Fotos beim Liebesakt mit verheirateten Männern und mehr. Doch das ist längst nicht alles. Auch das Notizbuch eines korrupten Scotland Yard Inspectors ist in der Beute. Er hat jede seiner Bestechungen mit Datum, Summe und Namen in diesem Notizbuch festgehalten. Außerdem sind die Fotos einige Männer bei außergewöhnlichen Sexpraktiken mit Prostituierten in Terrys Hand.

Es gibt dann im Film einen Ermittler, der nicht in jenem Notizbuch auftaucht. Terry hält ihn deshalb für nicht korrupt und vertrauenswürdig. Es gelingt ihm, seine eigene Familie und alle anderen Räuber straffrei mit der Beute außer Landes zu bringen. 

Oh, ich habe vergessen zu erwähnen, dass Martine ihn noch fragt, ob er mit ihr mitkommen wird, doch er entscheidet sich für seine Familie. 

Die wahre Geschichte - DAS ist wirklich passiert

Die Lloyd's Bank in Baker Street in London wurde eines Tages ausgeraubt. Der Diebstahl war für das Jahr 1971 unglaublich hoch, denn es wurden über 500.000 Britische Pfund gestohlen. Die Räuber waren in den eigentlich mehrfach verriegelten Raum, in dem sich die Schließfächer befanden, eingebrochen. Dabei wurden beinahe alle Schließfächer geknackt und die Diebe konnten über den von ihnen gegrabenen Tunnel entkommen. Pikant ist aber nicht nur die Tatsache, dass sie offensichtlich einen Informanten hatten, der wusste, das wegen Bau- und Reparaturarbeiten der Sicherheitsalarm für diesen Tag ausgeschaltet war. Pikant ist zudem, dass die Polizei wohl einen Tipp bekam, weil der Funk der Räuber von einem zivilen Hobbyfunker zufällig mitgehört wurde.

Er meldete den Vorfall an Scotland Yard - doch die Herren hatten keinen Erfolg.

Mehr als besonders pikant waren schließlich die Inhalte der Schließfächer: Dort lagerten tatsächlich die Notizbücher eines korrupten Polizeibeamten, der über seine Bestechungen akribisch Buch führte. Außerdem hatte ein Fotograf einige höchst brisante Fotos in seinem Schließfach, deren Veröffentlichung einen nationalen Skandal im royalen England ausgelöst hätte. Prinzessin Margaret, die Schwester von Queen Elizabeth II., war wirklich von Papparazzi in brisanten Posen mit ihrem Liebhaber oder sogar verschiedenen Liebhabern fotografiert worden. In einem anderen Schließfach lagerten Fotos, die bekannte Politiker und andere Persönlichkeiten Londons bei der Ausübung außergewöhnlicher Sexpraktiken bei Prostituierten zeigten. Es gab sicherlich noch weitere 'heiße' Inhalte in diesen Schließfächern, doch werden diese im Film nicht genannt. Die Diebe fanden außerdem wirklich viel Geld (über 500.000 Britische Pfund), Schmuck und andere Wertgegenstände. Es heißt, dass dieser Bankraub größer war als der weltbekannte Postraub. Trotzdem gab es wohl nur vier minder schwere Verurteilungen. Alle anderen kamen straffrei davon. Zudem sollen die Akten bis zum Jahr 2054 unter Verschluss sein. Das ist eine Geheimnishaltung von 83 Jahren! 

Die Brisanz dieser Geschichte sowie der gesellschaftliche Zündstoff, den nicht nur die Inhalte der Schließfächer, sondern auch die Geheimhaltung des Vorfalls selbst, liefern, kommen im Film irgendwie nicht ausreichend zur Geltung. Da hätte man wirklich mehr draus machen können. Schließlich hatte Margaret mehrere Liebhaber und wie kann es sein, dass mehrere öffentliche Personen Londons bei S/M Sex fotografiert wurden? Welche Verbindungen gibt es? Dann: Warum schreibt der Mann alle gezahlten Bestechungsgelder auf? Hat er bereits Erpressungen im Sinn? Wer war das genau, welche Position hatte er? Es gibt so viele Fragen, die man im Film hätte beantworten oder auch hinzu erfinden können (schließlich ist es ein Spielfilm, keine Dokumentation). Liegt das am Regisseur oder am Drehbuch? Vermutlich an beidem. 

Filmkritik

Die Dialoge sind lahm, kurze Szenen, schnelle Entscheidungen, aneinandergereiht als müsste man eine Liste abarbeiten.

Jason Statham überzeugt zwar als Bankräuber, aber nicht in der Rolle als Verantwortlicher und schon gar nicht in der Rolle als leidenschaftlicher Liebhaber, der Martine auch nach Jahrzehnten (er ist immerhin inzwischen verheiratet und hat bereits 2-3 Kinder) nicht widerstehen kann. Selbst in der Rolle des intelligenten Verbrechers, der geschickt mit der Polizei, den Vertretern der königlichen Familie und anderen Verantwortlichen einen Deal aushandelt, kann Statham nicht überzeugen. Tut mir leid, das ist lahm.

Die Sexszene ist überflüssig. Kein Mensch braucht unbedingt eine Sexszene in einem derartigen Krimi, der allein durch die Realität überzeugen kann. Die Darstellung der Familie des Terry ist lächerlich und überflüssig. Schade um die Filmzeit. Auch die Ermordung eines Räubers scheint unglaubwürdig. Sollte dies wirklich so stattgefunden haben, dann ist es schlecht erzählt. 

Die Beute der Räuber war/ist derart brisant, dass eine derartige Hinrichtung eines der Täter viel zu riskant gewesen wäre.

Auch die Szene, dass sich beispielsweise bei dem permanenten Lärm des Presslufthammers die Nachbarn nur einmal beschweren und die Polizei sich abwimmeln lässt ist unglaubwürdig und lächerlich. Die Handlung fand in 1971 statt. Auch da wäre jeder Nachbar auf die Barrikaden gegangen, wenn ein derartiger andauernder Lärm zu Tages- und Nachtzeiten stattgefunden hätte.

Korrekt ist wohl, dass ein Tunnel gegraben wurde. Im Film stoßen die Räuber dann auf einen Kanalschacht, sodass sie nicht weiterfahren müssen. Dies hat wohl tatsächlich so stattgefunden.

Richtig - und brisant - ist weiterhin, dass die Presse zunächst von diesem Raub berichtete, einen oder zwei Tage später aber eine 'Defence Notice' von der britischen Regierung ausgegeben wurde. Das heißt, aufgrund der Gefährdung der nationalen Sicherheit durfte nicht mehr über den Vorfall berichtet werden. Auch das hätte im Film noch viel stärker ausgearbeitet werden können, werden müssen - schließlich kommt so etwas nicht alle Tage vor.

Die Rolle des Michael X irritiert. Er passt nicht in die Story, soll aber derjenige gewesen sein, der die Fotos von Prinzessin Margaret in seinem Bankschließfach hatte. Er soll sie sogar fotografiert haben oder den Fotografen kennen und die Fotos aus Angst vor Polizeiverfolgung in jenem Schließfach verwahrt haben. Das ist unlogisch. Allerdings ist auch seine Akte bis 2054 geschlossen. Vielleicht ist etwas dran, doch insgesamt wirken viele Szenen an den Haaren herbeigezogen, so als müsse jemand unbedingt sein Drehbuch auf 120 Seiten bringen oder noch eine Szene zum Ablenken haben, damit der Spannungsbogen gehalten wird. Das ist schlecht gemacht, einfach langweilig und lahm. Sollten die im Film erzählten Szenen allerdings wahr sein, ist es umso trauriger und enttäuschender, dass sie so schlecht erzählt werden.

Es ist schwierig, hier zu sagen, ob es am Drehbuch liegt oder ob der Regisseur schlecht war. Vermutlich liegt es an beidem. Schließlich hat der Regisseur die Verantwortung für die Umsetzung eines Films und kann das Drehbuch jederzeit nach seinen Ideen umschreiben.

Insgesamt also eine spannende, wahre Geschichte, die neugierig auf die Wahrheit macht, die in diesem Film aber einfach schlecht erzählt wurde. Vielleicht traut sich jemand anderes eines Tages noch einmal an die Verfilmung dieser wahren Geschichte.

Lili, am 22.12.2014
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Bildquelle:
© wegedesleben.info (Chanukka oder Hanukkah - das jüdische Lichterfest)
via fanpop.com (Working Girl - ein amerikanischer Kultfilm)
© Elisabeth R. Meier (photographer) (Ein Drehbuch und der erste Satz)
© Stefan Bayer/pixelio (Personenbeschreibung für Menschen, die es gar nicht gibt)

Autor seit 3 Jahren
30 Seiten
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