Das Einfangen von entlaufenen/wildlebenden Tieren

Wilde, aber auch entlaufene Tiere, stehen unter starkem Stress wenn sie eingefangen werden. Sie wurden entweder bereits gehetzt, haben eine tiefsitzende Angst vor Menschen, oder aber haben den Menschen einfach bisher nie kennengelernt. Er macht ihnen also Angst. Auch das Gefühl, das ein Freiheitsentzug mit sich bringt, verstärkt die Abwehrreaktionen dieser Tiere und steigert ihren Stress hör- und sichtbar. Leider ist es oft aber unabdingbar die Tiere einer Untersuchung/Behandlung zu unterziehen.

Wenige Hilfsmittel und ein paar Handlungsgrundsätze reichen schon aus, um ihnen diese Schocksituation ein wenig angenehmer zu gestalten:

 

  • Ohne Hektik, aber schnell zugreifen - mit dem geeigneten Werkzeug.
    Langes Zögern und womöglich das Hetzen von einer Ecke in die nächste, stresst die Tiere zusätzlich und fordert die Gegenwehr gerade zu ein. Tierfreunde greifen schnell und bedingungslos zu. Folgende Hilfsmittel sind dabei nützlich: Der Hundefangstock ist ein geeignetes Mittel, z. B. um Straßenhunde einzufangen. Er ist meist mit gebissschonenden Materialien ausgestattet und erlaubt - ist er einmal angelegt und wird er korrekt eingesetzt - dem Hund keine Chance zur Flucht. Dieses bedingungslose Einfangen - "kurz und schmerzlos" - sollte Ziel einer solchen Aktion sein, um den Tieren die Zeit des Stresses möglichst kurz zu halten und eine ernstgemeinte Gegenwehr sowie mit ihr verbundene Verletzungsgefahren gar nicht erst aufkeimen zu lassen.

 

  • Katzen nicht jagen - sondern locken. Optimal für das Einfangen von Katzen, Füchsen oder anderen Kleintieren dieser Art ist die Katzenfalle. Sie wird mit Futter präpariert an den beliebten Aufenthaltsorten des zu fangenden Tieres aufgestellt. Das Tier läuft hinein, um zu fressen, und die Türen schließen sich.

 

  • Abdunkeln! Tiere, die in einer Box sitzen, wie Katzen, welche in einer Katzenfalle eingefangen wurden, oder Tiere in Transportkäfigen, sollten entweder schnellstmöglich in einen abgedunkelten Raum gebracht, oder der Korb mit einer Decke abgedeckt werden. Grelles Licht, laute Stimmen, hektisches Fuchteln mit Gegenständen, aber auch das oft unterschätzte Anstarren und Ansprechen sollten absolut vermieden werden! Ignoranz hilft den Tieren in Angst am meisten, ganz gleich, wie bedauernswert sie aussehen mögen.

 

Die empfohlenen Hilfsmittel

Katzenfalle - gewaltfreies Einsperren von Katzen (Bild: Praxisdienst-VET)

Das Fixieren von wehrhaften Tieren in der Tierarztpraxis

Was für Tierbesitzer oft nach roher Gewalt aussieht, ist eine Art des Tierschutzes.

 

Auch für die Fixierung in der Tierarztpraxis gilt: Erst überlegen und abwägen - dann schnell und sicher zugreifen. Tiere, die sicher fixiert werden, wehren sich seltener, verletzen sich und andere nicht so häufig und haben eine deutlich kürzere Untersuchungs-/Behandlungsdauer.

Für die sichere Fixierung von Tieren in der Tierarztpraxis werden spezielle Handschuhe angeboten. Sie ermöglichen den Helfern das gezielte Zugreifen, das nicht nur die Gesundheit des Tieres, sondern auch die der Helfer schützt. Die Schutzhandschuhe werden meist aus Leder hergestellt und schützen - zumindest zeitweilig - vor den Krallen und Zähnen von Katzen, Frettchen oder anderen Kleintieren. Zusätzlich werden auch mit den Handschuhen kombinierbare Manschetten angeboten, welche insbesondere auch im Zoo hohen Anklang finden.

Weiterhin gibt es sog. "Katzensäcke". In sie werden die Tiere so hineingesetzt, dass nur ihr Kopf herausschaut. Die Katzen fühlen sich dort etwas geschützter und zeitgleich wird der Tierarzt vor den scharfen Krallen geschützt. Diverse Öffnungen ermöglichen dem Tierarzt dennoch Injektionen, Infusionen und Untersuchungen am Tier durchzuführen.

Geeignete Utensilien für die Fixierung in der Tierarztpraxis
Schutzhandschuhe aus Leder

Schutzhandschuhe aus Leder (Bild: Praxisdienst-VET)

Schutzmanschetten, zur Kombination ...

Schutzmanschetten, zur Kombination mit Handschuhen (Bild: Praxisdienst-VET)

Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.

Dieser Leitspruch gilt auch bei der Bändigung von Tieren.

 

Und nun noch mein ganz persönliches Fazit:

Nein - es sieht nicht schön aus, wenn Tiere gefesselt und geknebelt werden, aber es ist, um Tierschutz zu betreiben, nun einmal leider oft nicht anders möglich. Sogenannte Tierschützer, die sich dagegen wehren, machen Tiermedizinern die Arbeit schwer, die ja ursprünglich als Ziel die Gesundung und den Schutz des Individuums hat.

 

Ich persönlich empfehle jedem, einmal kurz in sich zu gehen, und sich ein paar Gedanken zum Thema zu machen. Dabei sollte er sich auch kurz in sein Gegenüber, den Tierarzt/die tiermedizinischen Fachangestellten versetzen. Denn die arbeiten im Zweifelsfall täglich mit wehrhaften Tieren und sind sicher auch einmal "Opfer" geworden. Blutvergiftungen und schwerwiegende Verletzungen von Sehnen usw. sind bei Tierbissen keinesfalls eine Seltenheit.

 

Wer dennoch Zweifel hat, dass dieses Thema wirklich "ein Thema" ist, dem empfehle ich, ein paar Monate ein Praktikum zu machen. Erst in einer Tierarztpraxis und danach in einem Tierschutzverein. Er wird die Zweiseitigkeit des Themas verstehen lernen ;-)

Autor seit 5 Jahren
30 Seiten
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