Was ist eigentlich so ein Tiny House?

Für den Begriff Tiny House gibt es eigentlich keine feste Definition, also keine festgelegte Quadratmeterzahl. In der Regel sind sie zwischen 15 Quadratmeter und 45 Quadratmeter groß. Nicht mobile Häuser werden als Mikro-, Mini- oder Singlehäuser bezeichnet.

In den Anfängen wurden die kleinen Häuser noch mit konventionellem Satteldach gebaut, heute gibt es sie in allen Formen und Farben.

Bei vielen, die mit dem Gedanken spielen, sich so ein Tiny House anzuschaffen, spielt wohl auch der Wunsch nach "downsizing" eine Rolle. Denn wenn ich weniger Quadratmeter zur Verfügung habe, muss ich auch genauestens überlegen, wie diese ausgestattet werden, und was ich alles mitnehme. Dadurch verkleinere ich auch meinen ökologischen Fußabdruck, denn in der Regel kaufe und benutze ich ja wirklich nur das, was ich wirklich brauche.

Ein weiterer Vorteil: In so einem kleinen Haus sind beispielsweise die Hausarbeit wie Putzen und Aufräumen viel schneller erledigt. Denn ich habe ja nur das Nötigste um mich rum, und das auf weniger Quadratmetern, die ich ordentlich halten muss. Daraus ergibt sich dann automatisch mehr Zeit für mich, die ich für andere Dinge nutzen kann.

Viele Tiny Houses werden aber beispielsweise auch als Hobbyraum, externes Büro genutzt oder beherbergen eine Sauna.

Die meisten Tiny Houses aus den USA sind übrigens mobil, was wohl auch den großen Trailer Parks geschuldet ist. Diese sind mit deutschen Campingplätzen übrigens nicht zu vergleichen.

Tiny House in Deutschland bauen – mobil und feststehend

Leider ist es - wie so oft in Deutschland – auch mit den Tiny Houses nicht ganz so einfach. Wenn ich beispielsweise ein feststehendes Häuschen möchte, dann ist auch ein Baugrundstück zwingend notwendig. Außerdem muss mein kleines Häuschen auch noch von der zuständigen Behörde genehmigt werden.

Übrigens darf die Behörde die Baugenehmigung nicht verweigern, weil das Haus sehr klein ist. Trotzdem bin ich als zukünftiger Besitzer eines Tiny Houses an den Bebauungsplan gebunden. Gibt es keinen solchen Plan, muss ich mich an den Häusern orientieren, die neben meinem Grundstück stehen. Es gibt beispielsweise tatsächlich Gebiete, in denen keine Flachdächer erlaubt sind, oder das Dach mit ganz bestimmten Ziegeln gedeckt werden muss. Wie und vom wem der Bauantrag gestellt werden muss ist übrigens von Bundesland zu Bundesland verschieden. Baurecht ist nämlich Länderrecht. Wenn ihr also mit dem Gedanken spielt, ein Tiny oder ein not so Tiny House zu bauen, erkundigt euch vorher bei der Gemeinde.

Bei einem mobilen Tiny House wird es noch etwas komplizierter, denn einfach mal so das Häuschen am Meer oder am Waldrand abstellen ist leider nicht. Für ein solches Häuschen gelten dann die gleichen Bestimmungen wie bei einem Campingwagen. Ein mobiles Kleinsthaus darf beispielsweise nicht höher als 4 Meter und maximal 2,55 Meter breit sein, und ein Gewicht von 3500 kg nicht überschreiten. Die Fenster müssen aus Sicherheitsglas sein und jede einzelne Scheibe muss einen Stempel der Bauartgenehmigungsnummer tragen. Außerdem darf es keine scharfen Kanten haben. Wenn Sie Ihr Tiny House als Wohnwagen zulassen möchten, kann das außerdem versicherungsrechtliche Konsequenzen haben.

Allerdings kann ich das ganze Zulassungsgedöns auch umgehen, wenn ich mein Tiny House beispielsweise als ordentlich gesicherte Ladung zertifizieren lasse. Was vielleicht die passende Alternative ist, wenn ich nicht gerade ständig mit meinem Häuschen in Urlaub fahren möchte.

Übrigens sollte man, wenn man ein mobiles Tiny House sein eigen nennen möchte, einen Führerschein der Klasse BE haben.

Tiny House – wohnen auf kleinstem Raum

Auf Wohnkomfort muss ich übrigens auch in einem Tiny House nicht verzichten. Der Innenraum lässt sich individuell gestalten und dem persönlichen Geschmack anpassen. Allerdings sollte man hierbei auch die geplanten Quadratmeter berücksichtigen. Logischerweise passt in ein größeres Tiny House mehr als in ein kleines.

Bleibt natürlich die Frage nach den Kosten. Tiny Houses gibt es schon ab circa 20.000 €uro. Nach oben hin sind natürlich keine Grenzen gesetzt – je nachdem was für eine Ausstattung ich haben möchte. Außerdem muss ich auch noch andere Kosten berücksichtigen, wie beispielsweise für das Grundstück und die ganzen Genehmigungen, wenn ich ein feststehendes kleines Haus haben möchte.

Viele Tiny Houses sind übrigens vollkommen autark mit Solarpanels auf dem Dach und einer Regenwasseraufbereitunsanlage. Ein Detail sollte allerdings bei der Planung nicht vergessen werden: Die Heizung. Weniger Platz bedeutet natürlich auch weniger Dämmung. Deswegen verlieren die kleinen Häuser relativ viel Energie über die Außenfassade. Eine Heizlösung für die Tiny-Houses ist beispielsweise eine Infrarot Heizung die ganz einfach an der Steckdose angeschlossen werden kann.

Tiny House – mein Fazit

Tiny-Houses sind definitiv ein Wohntrend für die Zukunft. Das hat mittlerweile auch die Baubranche erkannt . 2018 gab es erstmals ein Tiny House Festival auf der Messe Karlsruhe.

Ich selbst würde auch gerne irgendwann mal in so einem kleinen Haus wohnen. Für mich würde ich dann allerdings die mobile Lösung bevorzugen. Übrigens haben auch die Konstrukteure der Tiny Houses mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt: Die kleinen Häuser gibt es auch barrierefrei.

 

Autor seit 3 Jahren
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