Schon bei einem meiner ersten Tauchgänge (TG) als Sicherheit-Taucher wurde ich gefordert.

Unser Tauchlehrer war ein erfahrener Mann. Früher war er Kampfschwimmer gewesen. Er war sehr auf die Sicherheit bedacht. Das Gerät wurde ständig gewartet, und war auf dem neuesten Stand. Wir tauchten mit normaler Pressluft. Die Flaschen wurden an einem Kompressor mit 220 bar befüllt. Jede Flasche wurde vor dem Tauchgang nochmals mit einem Manometer überprüft. Extrem wichtig sind die Atemgeräte mit Druckminderer. Die passen den eingeatmeten Luftdruck dem Außendruck an. Auf Meeresspiegelhöhe ist das 1 bar oder 1 Kg. Pro 10 Metern Tiefe steigt der Druck um 1 bar. Das bedeutet aber auch, je tiefer man taucht, desto schneller verbraucht sich der Luftvorrat. Nach dem Boyle-Mariotte-Gesetz nimmt das Volumen von Gasen (auch Luft) unter Druck ab. Wir atmen aber die gleiche Liter-Menge ein, halt nur komprimiert. Würden wir nun ohne auszuatmen nach oben steigen, dehnt die Luft sich in der Lunge aus. Aus normalerweise 6 Ltr. würden 12, 18 oder 24 bei einer Tiefe von 30 Metern. Das führt zu Lungenüberdehnung. Luft wird dann in den Blutkreislauf gepresst, was zu Lähmungen führt. Außerdem gelangt unter Druck gelöster Stickstoff in die Gefäße. Nur durch ein langsames (wie die kleinen Luftblasen) Aufsteigen, und sogenannte Dekompressionsstopps in vorgegebener Tiefe, kann man die gefürchtete Caisson-Krankheit ( Gasembolien und Mangeldurchblutungen) vermeiden. Deshalb werden Tauchgänge geplant, und mit Hilfe von Tauchtafeln werden aus der tiefsten Tauchtiefe und der verbrachten Zeit die sogenannten Sicherheitsstopps berechnet. Heute gibt es dafür Tauchcomputer.

Die Tauchgruppe war noch relativ neu, und machte ihre ersten Übungen unter Wasser.

Am Anfang lernt man das kleine Einmaleins des Tauchsports. Zur Theorie und den diversen physikalischen Gesetzen kommen Übungen, wie Atmung trennen. Mit dem Mund einatmen, durch die Nase aus. Wir haben die immer ohne Maske nur mit Schnorchel schwimmen lassen. So lernt man auch, die Taucherbrille unter Wasser anzuziehen. Kopf nach oben, leicht anheben und durch die Nase ausatmen. Die Maske ist trocken. Wichtig ist, das Wechseln des Mundstückes. Durch Druck auf den Knopf kommt Luft raus. Damit kann ich meine Mundhöhle ohne Salzwasser zu schlucken trocken bekommen und das Mundstück einführen. Die ersten TG`s sind in geringen Tiefen. In ruhigem Wasser und auf  sandigen, geraden Böden. Der angehende Taucher lernt, die Flasche abzulegen. Einmal im Kreis zu den anderen zu schwimmen, und bei jedem einen Luftzug von dessen Flasche zu nehmen. Die Ausbilder haben meist eine Doppelflasche mit zwei Atemgeräten. Wir musste auch noch den Bleigürtel ablegen, aus 5–6  Metern an die Oberfläche tauchen, wieder abtauchen. Dann zuerst den Bleigürtel überwerfen, und atmen. Flasche unter Wasser wieder anziehen. Wichtig ist, die Atmung zu kontrollieren. Sie soll ruhig und gleichmäßig sein. Viel Luft in der Lunge gibt Auftrieb. Neopren-Anzüge sind Nass-Anzüge. Wasser dringt ein, wird vom Körper erwärmt. Bis auf Hände und Füße ist man meist ganz gut gegen Kälte geschützt. Außerdem geben die Auftrieb. Ohne Bleigürtel kämen viele nie runter. So war auch unsere kleine Spezialübung gar nicht so einfach. Nur unter Druck wird auch Neopren komprimiert und verliert an Schwimmkraft. Deshalb gibt es Rettungs- oder Tarier-Westen. Diese kann man zum Aufsteigen mit Luft befüllen. Da wir ja aber langsam aufsteigen sollen, müssen die gleichzeitig auch wieder entlüftet werden. Das braucht also zwei Hände und viel Verstand und Gefühl. Im Notfall kann man ebenfalls den Bleigürtel abwerfen, was aber wieder die bereits geschilderten Gefahren hervorruft.

 

Sicherheit geht vor, die Gefahr kommt von Selbstüberschätzung und mangelnder Gesundheit.

Wir führten bei 10 Metern einige unserer Übungen durch, waren noch nicht lange im Wasser. Alle knieten auf dem Grund, nur einer lag dort mit dem Gesicht nach unten. Der war ohnmächtig geworden und neun Tauchermasken blickten in meine Richtung. Klar, der muss nach oben! Trotzdem soll es ein kontrollierter Notaufstieg werden. Also schnapp ich den Genossen, linke Hand unter seinem Arm durch auf sein Mundstück. Versorge ihn mit Luft. Sein Kopf muss aber nach hinten gedehnt werden. Mit dem rechten Arm press ich seine Brust zusammen. Die Luft muss auf jeden Fall raus! Der Aufstieg erfolgte über Beinarbeit mit den Flossen. Der Fahrstuhl (Rettungsweste oder Abwurf Bleigürtel) würde zu einem unkontrolliertem Schuss nach oben führen. Dabei beobachte ich die Wasseroberfläche, indem ich mich kreisförmig drehe. Kein Bock, von einer Bootsschraube zermatscht zu werden. Kann nur hoffen, dass ich schnell genug bei ihm war. Schlucken die Wasser, kann es zum gefürchteten Stimmritzenkrampf (Kehldeckelverschluss) kommen. Für Taucher fast ein Todesurteil. Mit komprimierter Luft in der Lunge auftauchen, führt zu einem ganz schlimmen Barotrauma. War schnell genug, der Knabe hat überlebt.

Ein anderes Mal tauchte einer trotz leichter Erkältung mit Sinusitis. Die Polypen waren geschwollen. Der hatte komprimierte Luft in den Nebenhöhlen, die nicht entweichen konnte. Wir hatten Angst, dass dem beim Auftauchen der Schädel platzt. Die Taucherbrille war schon voller Blut. Da der aber auch nicht mehr durch die Nase ausatmen konnte, war guter Rat teuer. Erst mal Zeit schinden. Eine Reserveflasche wurde vom Boot abgelassen. Wir sind dann zusammen x-mal runter und langsam wieder höher getaucht, bis die Luft endlich entwisch. Zum Glück hatte der keine Panik bekommen, und genug Vertrauen in mich gehabt. Die Schmerzen waren aber nicht schlecht, der hat beim Tauchen geheult.

Also! Tauchen nur bei 100% Gesundheit! Ich hab dafür bezahlt, dass nehm ich nun auch mit, kann ihr Tod sein. Diese Einstellung ist gefährlich.

55-Jähriger Taucher bei Tauchunfall im Wolfgangsee schwer verletzt.

Ich geh mal davon aus, dass der Typ ein erfahrener Taucher ist. Der ist bei so einer Tiefe mit Trockenanzug und Helium-Gemisch getaucht. Bei Pressluft kommt es bereits ab 40 Metern zum Tiefenrausch durch Aufnahme von zu viel Stickstoff.

Wäre der nicht sofort mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus mit Dekompressionskammer geflogen worden, wäre der tot. Seine ganze Erfahrung hat ihm nichts gebracht. Eine verschleppte Grippe reicht aus, dass die Pumpe schlapp macht. Ich weiß auch nicht, was der da unten wollte!

Mein Rat an Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die / der sie tauchen möchten:

 

1)  Lassen sie sich von einem Sportmediziner durchchecken.

2)  Keine blähende Nahrung, kein Sprudel. Stilles Mineralwasser ist gut.

3)  Zwischen den Tauchgängen lange Pausen zum Stickstoffabbau

4)  Keine supertiefen TG's, unten ist es eh dunkel. Da sieht man nichts. Viele bekommen dann 

Beklemmung und Angst. .

5)  Sicherheits-Tauchstopps einlegen. TG vorher planen.

6)  Nie alleine tauchen.

7)  Bojen setzen, die Bootsfahrer warnen. Bootsschrauben sind härter als Taucherschädel.

8)  Kein Alkohol, keine Medikamente und schon gar keine Drogen.

9)  Fit halten und bitte keine Selbstüberschätzung

10) Nach langer Abstinenz, Kenntnisse auffrischen.

11) Vorsicht vor unbekannten Gewässern, Strömungen, Kälteunterschiede

12) Fangen Sie mit geringen Tiefen an. Und machen sie die kleinen Übungen zum Einstieg.

13) Und lassen sie ihre Geräte regelmäßig warten. Es springt ja auch niemand mit einem

mottenzerfressenen Fallschirm aus dem Flugzeug. 

14) 24 Stunden vor einem Flug sollten Sie nicht tauchen.

 

Dieser Link führt zu Taucher.Net / einer Seite für Taucher 

Wenn Sie das alles beachten, kann ich nur noch viel Vergnügen wünschen.

Autor seit 5 Jahren
288 Seiten
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