Wie man Tonbandstimmen aufnimmt

In den folgenden Jahrzehnten boomte das Phänomen der Tonbandstimmen in einem selbst für esoterische Verhältnisse ungewöhnlichem Ausmaß. Der Grund für die nach wie vor schwelende Begeisterung liegt in der simplen Methodik zur Erzeugung solcher Tonbandstimmen. Hierfür genügt beispielsweise ein einfacher Kassettenrekorder, an den man ein Mikrophon anschließt und die Aufnahme startet.

Dann stellt man Fragen und lässt großzügig bemessene Sprechpausen für die etwaigen Antworten. Idealerweise befindet man sich während der Aufnahme in einem möglichst von externen Geräuschen abgeschotteten Raum. Nach dem Aufnahmestopp spult man das Band zurück und hört es sich mehrmals an, bis man auf Stellen trifft, die Ähnlichkeiten zu gesprochenen Wörtern aufweisen. Natürlich ist diese Methodik weder die Einzige, noch ist sie zwangsläufig an ein Tonband oder einen Kassettenrekorder gebunden. Allerdings handelt es sich um die nach wie vor am weitesten verbreitete Methode zum Aufspüren von Tonbandstimmen.

Einige Hörbeispiele für Tonbandstimmen (EVP)

Sind Tonbandstimmen Beweise für Jenseitskontakte?

Ob und welche Ergebnisse zu erwarten sind, lässt sich unmöglich vorhersagen. Denn gerade bei diesem Phänomen hängen etwaige Resultate von der Interpretation des jeweiligen Zuhörers ab. Was für einen Zuhörer lediglich nach Rauschen klingen mag, kann für den anderen eine sinnvolle, akustische Botschaft bedeuten. Grund hierfür ist die ständige Suche des menschlichen Geistes nach Mustern oder Zusammenhängen, die so genannte Pareidolie. Deshalb werden etwa in Wolkenformationen Tiere oder Gegenstände erkannt.

Als Beweise für Jenseitskontakte taugen Tonbandstimmen somit wenig, denn klar verständliche Stimmen konnten unter streng wissenschaftlich kontrollierten Laborbedingungen bislang nicht produziert werden. Dies führt klarerweise zu Skeptizismus gegenüber Tonbandstimmen seitens der Wissenschaft. Tatsächlich lassen sich plausible Erklärungen für entsprechende Aufnahmen finden, wie beispielsweise Artefakte.

Verbindung zwischen Tonbandstimmen und Rückwärtsbotschaften

Deutliche Parallelen weisen Tonbandstimmen zu den so genannten "Rückwärtsbotschaften" auf. Dabei werden Lieder rückwärts abgespielt und auf geheime Botschaften untersucht. Im Fall der Heavy-Metal-Band "Judas Priest" führte dies sogar zu einem Prozess: Der Band wurde vorgeworfen, durch Rückwärtsbotschaften in einem ihrer Lieder zum Selbstmord aufgerufen und somit den Suizid eines ihrer Fans verschuldet zu haben. Die Klage wurde jedoch abgewiesen.

Verblüffend ist dabei, welche unterschiedlichen Wörter oder Sätze die jeweiligen Zuhörer aufzuschnappen glauben. Ganz ähnlich verhält es sich bei den Tonbandstimmen, die oftmals erst dann Sinn zu ergeben scheinen, wenn dem "ungeschulten" Ohr mitgeteilt wird, welches Wort es zu erwarten haben.

Tonbandstimmen in „Paranormal Activity“ oder „White Noise“

Wie so viele andere esoterische Themen auch, gerieten Tonbandstimmen ins Visier der Filmindustrie, die sich nur allzu gerne von dem Phänomen inspirieren ließ. Dabei reicht die Palette der entsprechenden Filme von eher ruhigen, weniger auf Effekte abzielende Mystery-Filme wie "White Noise – Schreie aus dem Jenseits" bis hin zu Special-Effects-Krachern wie "Poltergeist". Auch im ungemein erfolgreichen Horrorthriller "Paranormal Activity" erweist sich eine Tonbandstimme als Schlüssel für den weiteren Handlungsverlauf.

Welches Fazit lässt sich nun zu dem zweifellos vorhandenen Phänomen ziehen? Gleich Quija-Brettern sollte man auch Tonbandstimmen mit gebührender Skepsis begegnen. Denn der Schritt von unterhaltsamer Freizeitgestaltung hin zu psychischer Abhängigkeit verbunden mit Angstzuständen ist nicht weit. Bei aller gesunder Neugierde: Seien Sie stets auch vorsichtig!

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