Der Rückzug aus dem Leben

Dass Übergewicht auf lange Sicht körperliche Beschwerden, wie beispielsweise Gelenkbeschwerden oder erhöhten Blutdruck verursachen kann, Gefäßerkrankungen begünstigt und das Diabetesrisiko erhöht ist mittlerweile einem Großteil der Bevölkerung bekannt, nicht zuletzt durch Aufklärung im TV und Internet. Die gesundheitlichen Folgen kosteten das Gesundheitssystem im Jahr 2010 etwa 17 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Psychosozial gesehen leiden vor allem Kinder unter dem täglichen Spießrutenlauf. Attribute wie faul, willensschwach und "unsauber" oder gar dumm, werden mit adipösen Menschen gleichgesetzt. Es ist kein Geheimnis, dass sie nicht die gleichen beruflichen Chancen bekommen wie dynamisch wirkende Normalgewichtige. Ein Zurückziehen wird folglich noch verstärkt, der Bewegungsmangel dadurch erhöht und das praktizierte "Trösten" durch fette oder süße Lebensmittel ist vorprogrammiert.

Den Tellerrand erweitern

Ursächlich für die - laut WHO - "globale Adipositasepidemie" ist für ein Großteil der Bevölkerung vor allem die Fehlernährung. Zu viel, zu fett und zu süß. Tatsächlich sind eine zu hohe Kalorienaufnahme, ein Überschuss und die falsche Zusammensetzung an Nahrungsmitteln gepaart mit Bewegungsmangel die dominierenden Faktoren. Inzwischen sind begünstigende genetische Faktoren sowie stoffwechselbedingte, trotz normalem Essverhalten zu Übergewicht führende Ursachen und Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten nachzuweisen. Selbst der Zusammenhang von Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Auslöser von Übergewicht ist wissenschaftlich bestätigt. Die Ursachensuche muss jedoch erweitert werden. Kinder werden in ihrem Essverhalten durch ihr Umfeld geprägt. So sind die mit Emotionen verknüpfte Trostschokolade und das Essen aus Langeweile oder Einsamkeit keine Seltenheit und damit ernst zu nehmende, psychosoziale Gründe für die Entstehung von Übergewicht. Das Überangebot an Nahrungsmitteln und die Werbung hierfür bieten weitere soziokulturelle Faktoren.

Das Gleichgewicht wiederfinden

Die wichtigsten und wirkungsvollsten Ratschläge zum Thema Gewichtsreduktion sollten sich demnach nicht auf Ernährungstipps, das Darlegen der Adipositasfolgen und den Ansporn zur täglichen Bewegung beschränken. "Gemeinschaft" heißt das Zauberwort. Gemeinsam als Familie etwas verändern, einem Sport- oder Fitnessclub oder -verein beitreten (wird auch von vielen Krankenkassen unterstützt) und durch Muskelaufbau zunächst den Stoffwechsel wieder in Gang bringen, bevor durch Ausdauertraining Pfunde purzeln. Schlank zu werden ist nicht das Ziel. Das Ziel ist es, gesund zu bleiben im Körper und in der Seele.

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