Angebliche Entführungen durch Außerirdische sind die wohl spektakulärsten Auswüchse in Zusammenhang mit dem UFO-Phänomen. Dabei erringen aber nicht alle derartigen Fälle dieselbe Aufmerksamkeit. Während Travis Walton, Betty und Barney Hill oder der Brasilianer Antonio Villas Boa mit ihren Berichten für internationale Schlagzeilen sorgten, blieben manche unheimliche Begegnungen der Öffentlichkeit fast völlig verborgen. Darunter einer der gleichermaßen skurrilsten, wie auch mysteriösesten Fälle: Jener des Kaliforniers Donald Shrum 1964.

Aliens und Roboter auf Menschenjagd

Es sollte nur ein entspannender Jagdausflug werden, als der damals 28-jährige Donald Shrum und seine Freunde zum Wald von Cisco Grove (Kalifornien) aufbrachen. Aber diese Nacht vom 4. auf den 5. September 1964 sollte Shrum unvergesslich bleiben. Die Männer trennten sich Abends bei der Jagd mit Pfeil und Bogen, was ihm zum Verhängnis werden sollte. Denn alsbald hatte er sich in dem weiträumigen Gebiet verlaufen und wusste, dass er es in der Dunkelheit nicht zurück ins Camp schaffen würde. Aus Angst vor Bärenangriffen kletterte er auf einen Baum, wo er die Nacht verbringen wollte. Der erfahrene Jäger gurtete sich an einen der kräftigen Äste, um gefahrlos schlafen zu können.

 

Hubschrauber entpuppt sich als UFO

Kein UFO, sondern ein HubschrauberDoch ehe er einschlafen konnte, durchbrach grelles Licht die Dunkelheit des Waldes. Zunächst hielt Shrum das Licht für die Scheinwerfer eines Hubschraubers, den seine Freunde zur Suche nach ihm geschickt hatten und er feuerte einige Signalraketen ab, um die vermeintliche Suchmannschaft auf sich aufmerksam zu machen. Bald jedoch entdeckte er seinen Irrtum: Was er für einen Hubschrauber gehalten hatte, war tatsächlich ein ihm völlig fremdes Flugobjekt, das in der Nähe des Baumes landete. Wenig später sollte der eigentliche Schrecken beginnen, als er drei in seine Richtung marschierende Gestalten ausmachte.

 Zwei davon sahen wie Menschen aus und trugen silbern glänzende Uniformen. Die dritte offensichtlich dem UFO entstiegene Gestalt entpuppte sich hingegen als Roboter. Ein an alte Science-Fiction-Filme erinnernder Roboter aus Metall und mit Augen, die wie grelle Glühbirnen wirkten. Das außerirdische Trio versuchte anfangs, ihn wie eine reife Frucht vom Baum zu schütteln. Als dies nicht gelang, begannen die Humanoiden auf den Baum zu klettern. Ihre Absicht war unmissverständlich: Sie wollten Shrum entführen! Verzweifelt wehrte der junge Mann die ersten Angriffe ab. Deshalb änderten die Aliens ihre Taktik und probierten es mit Hilfsmitteln.

 

Eine Nacht des Schreckens

Wie sich Shrum später erinnerte, öffnete der Roboter seinen metallischen Mund, woraufhin weißer Rauch aufstieg, der ihn außer Gefecht setzte. Allerdings nicht lange genug für die Außerirdischen, um ihn in ihre Gewalt zu bringen. Denn als er aus der Ohnmacht erwachte, konnte er die die Angriffe der Humanoiden erneut abwehren. Es gelang ihm schließlich, seinen Bogen zu spannen und mehrere Pfeile abzuschießen. Diese erwiesen sich aber als nutzlos, da sie von den Körpern der Aliens abprallten. Im Falle des Roboters erzeugten die Pfeilspitzen Funken.

Eine Nacht des SchreckensDas Katz-und-Maus-Spiel setzte sich die ganze Nacht fort, bis Shrum, wohl in Folge der Erschöpfung, einschlief. Nach dem Erwachen stellte er fest, dass er sich immer noch auf dem Baum befand und die unheimlichen Besucher aus dem Weltall verschwunden waren. Wenig später fanden ihn seine Freunde und brachten ihn zurück ins Camp, wo er ihnen über sein Erlebnis berichtete. Beweisen konnte er dieses freilich nicht. Angeblich sollen aber kurz darauf Regierungsbeamte am Ort des Geschehens eingetroffen sein und diesen aus welchen Gründen auch immer durchsucht haben.

Die MUFON-Mitglieder Ruben Uriarte und Noe Torres untersuchten den Fall Jahrzehnte später und veröffentlichten 2011 ihre Ergebnisse in dem Buch "Aliens in the Forest: The Cisco Grove UFO Encounter".

Außerirdische oder doch ein Alptraum?

Was geschah nun wirklich in jener Nacht vom 4. auf den 5. September 1964 in Cisco Grove? Landeten Außerirdische mitten im Wald und versuchten, einen harmlosen jungen Mann zu spacenappen? Wie bei so vielen anderen Berichten angeblicher - hierbei: versuchter - Entführungen durch Außerirdische fallen mehrere Punkte auf, die schlussendlich ein klares Bild formen:

 

  • Der Bericht basiert auf einer einzigen Zeugenaussage (Die Entführungen von Travis Walton sowie Betty und Barney Hill können als Ausnahmen angesehen werden)

  • Die Ereignisse spielten sich an einem abgelegenen Ort ab

  • Es gibt keinerlei physikalische Beweise (Etwa von den Außerirdischen zurückgelassene Gegenstände oder Videoaufnahmen)

  • Als naheliegendste Erklärung bietet sich ein Alptraum an. Hierfür sprechen sowohl die Tageszeit, wie auch der Umstand, dass sich Shrum, der sich im Wald verirrt hatte, zweifellos unter Stress befunden haben muss

 

Keine "Grey Aliens" in den 60er-Jahren

Nun ist zwar der Ort des angeblichen Geschehens kein häusliches Schlafzimmer, sondern ein Baum inmitten eines abgelegenen Waldstücks. Doch abgesehen vom Schauplatz selbst, unterscheidet sich der Bericht in den wesentlichen Zügen kaum von den üblichen "Alien Abductions". Eine bizarre Note verleiht einzig das Auftauchen eines Roboters, der wie das klischeehafte Abbild der Darstellungen künstlicher Menschen in den Filmen jener Zeit wirkt. Dies spricht umso mehr für die Alptraum-These, als sich Träume rund um das Bekannte entfalten.

Alpträume in Cisco Grove?In den 1960er-Jahren dominierten eben jene metallischen Roboter mit Glühbirnen-Augen die Science-Fiction-Welt und Außerirdische waren oftmals von Erdenmenschen kaum zu unterscheiden. Die mittlerweile berühmten "Grey Aliens" stellen hingegen ein Phänomen der späten 1980er-Jahre dar und waren noch vor wenigen Jahrzehnten fast völlig unbekannt. Mit anderen Worten: Donald Shrum hätte viele Jahre später vermutlich von kleinen, grauhäutigen Kreaturen mit riesigen Köpfen und Augen berichtet.

Natürlich kann man die fehlgeschlagene Entführung durch Außerirdische in Cisco Grove auch als Wahnvorstellung oder schlichtweg Lügengespinst ansehen. Die meiner Ansicht nach einleuchtendste Erklärung lautet aber, dass Donald Shrum auf dem Baum einschlief und in Folge des Stresses einen überaus lebhaften Traum mit den von Hollywood geformten Bildern hatte, der für ihn nicht mehr von der Realität unterscheidbar war.

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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