Vulkane als Ursache der Kleinen Eiszeit

Zwischen 1300 und 1900 sanken die Temperaturen um einen halben bis drei Grad Celsius und lösten die Kleine Eiszeit aus, die verheerende globale Auswirkungen hatte. Als Ursache für diesen Klimawandel wurden Veränderungen der Sonnenaktivität vermutet, doch diese Erklärung alleine reichte nicht aus. In Eisbohrkernen aus der Antarktis fand Drew Budner (South Dakota State University, Brookings, USA) Beweise für fünf große Vulkanausbrüche im 13. Jahrhundert. Sie gelten zurzeit als Auslöser der Kleinen Eiszeit.

In den nächsten Jahrhunderten kam es immer wieder zu starken vulkanischen Eruptionen. Die Ausbrüche des Huaynaputina (Peru) im Jahr 1600 und des Tambora (Indonesien) 1815 führten nachweislich zu extrem kalten Sommern im darauf folgenden Jahr (1816 wird als Das Jahr ohne Sommer bezeichnet). Der Ausbruch des Krakatau 1883 ließ die Erdtemperatur um ein halbes Grad sinken. Der Sommer 1884 war auf der Nordhalbkugel extrem nass und kühl und führte zu Missernten.

Einfluss der Kleinen Eiszeit auf die Menschheit

In der mittelalterlichen Warmzeit von 800 bis 1300 erblühte die menschliche Gesellschaft in den nördlichen Regionen. Es war so warm, dass in England Wein angebaut werden konnte. Hohe Ernteerträge führten zu einer Vervierfachung der Bevölkerung Europas. Diese Blütezeit fand mit dem Eintreten der Kleinen Eiszeit ein abruptes Ende. Durch die Absenkung der Temperatur kam es in Europa und dem Nordosten Amerikas zu monatelangen Frostperioden. Die Sommer der nördlichen Regionen waren kalt und der ständige Regen ließ die Ernten verfaulen. Diese Klimaveränderung kam für die Menschen völlig überraschend. Sie konnten sich nicht vorab darauf einstellen und waren der Natur hilflos ausgeliefert.

Um zu überleben aßen die Menschen zunächst ihr Nutzvieh, dann ihre Haustiere und – nach der Meinung einiger Wissenschaftler – zum Schluss auch sich selbst. Millionen Menschen verhungerten und als ob das noch nicht genug wäre, dezimierte die Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Bevölkerung Europas um ein Drittel. Die Pandemie war ebenfalls eine Folge der Kleinen Eiszeit. Sich schnell reproduzierende Lebewesen wie die Ratten konnten sich den Klimaveränderungen schneller anpassen und sich dementsprechend verbreiten. Auf Handelsschiffen gelangten sie von China nach Europa und nahmen im Gepäck ihre mit Pesterregern verseuchten Flöhe mit.

Der Untergang von Kulturen in der Kleinen Eiszeit

Die Wikinger besiedelten Grönland in der Warmperiode des Mittelalters. Die Bedeutung des Namens, grünes Land, weist schon daraufhin hin, dass auf der Insel Ackerbau und Viehzucht möglich war. Als um das Jahr 1303 die Temperaturen weltweit sanken, wurde auch Grönland immer kälter. Die Wikinger überlebten zunächst noch mit Viehzucht, später mit Fischfang. Als die Vereisung der Meere auch diese Nahrungsquelle verschloss, mussten die Siedlungen 1355 aufgegeben werden. Hätte es die Kleine Eiszeit nicht gegeben, wären vielleicht Wikinger die ersten europäischen Siedler in Amerika geworden, denn erste Reisen nach Neufundland haben nachweislich stattgefunden.

Die Folgen der Kleinen Eiszeit auf die menschliche Gesellschaft

Die Menschen fanden in ihrem Elend keinen Beistand durch die höheren Gesellschaftsschichten, die genauso hilflos waren wie sie. Die Zweifel an der Kompetenz der Führer war die Ausgangsbasis für das Zeitalter der Renaissance. Freiheit in der Wissenschaft, der Kunst und in der Gesellschaft gewannen immer mehr an Bedeutung. Der Humanismus löste die engen, christlich geprägten Vorstellungen des Mittelalters ab.

Die Unzufriedenheit der Bevölkerung fand ihr Ventil in Aufständen und Bauernkriegen, die Mitte des 14. bis Ende des 18. Jahrhunderts stattfanden, zum Beispiel der Deutsche Bauernkrieg von 1524 bis 1526. Besonders bahnbrechend waren der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg in der Neuen Welt, der 1776 zur Bildung der Vereinigten Staaten führte, und die Französische Revolution 1789. Aus der allgemein herrschenden Unsicherheit könnten sich auch die Hexenverfolgungen während dieser Jahrhunderte erklären. Die Kleine Eiszeit spielte damit eine entscheidende Rolle beim Wandel der Gesellschaftsstrukturen.

Was kommt nach der Kleinen Eiszeit?

Ende des 19. Jahrhunderts, etwa zwischen 1875 und 1900, setzte eine Warmphase ein, die bis heute andauert. Ob diese Erwärmung durch die Menschheit verursacht wird, ist nicht sicher geklärt. Unter Wissenschaftlern wird das Thema sehr kontrovers diskutiert. Einige von ihnen halten die Erderwärmung für einen natürlichen Prozess und bestreiten einen Treibhauseffekt. Andere Experten sind von einem Zusammenhang von CO2-Emissionen und Klimaerwärmung überzeugt.

Was wäre, wenn es demnächst wieder zu gewaltigen Vulkanausbrüchen kommt? Hätte das wieder eine Abkühlung der globalen Durchschnittstemperatur zu Folge, so dass dem Treibhauseffekt die Luft ausgeht? Sollten wir uns also den Ausbruch eines Super-Vulkans wünschen? Diese Fragen bleiben so lange spekulativ, bis die tatsächliche Ursache der globalen Erwärmung vollständig geklärt ist.

Quellen u. a.:

Die mittelalterliche Warmzeit und die kleine Eiszeit

Hungersnöte, Seuchen und Tausende Tote

Vulkanausbrüche schoben die Kleine Eiszeit um 1300 an

Bildquelle: dagmar schmidt / pixelio.de

 

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