Noch wird das meiste Gemüse aus Spanien importiert

Bisher besteht in der andalusischen Provinz Almería, im Süden Spaniens, Europas größte mittels Treibhäusern agraindustriell genutzte Fläche. Hier wachsen auf einer Gesamtfläche von mehr als 36.000 Hektar, Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini und viele weitere Gemüsesorten, die nach ganz Europa exportiert werden. Über das Jahr verteilt, werden hier 1,1 Millionen Tonnen Gemüse geerntet, verpackt, und per LKW in die Zielländer transportiert, ein großer Anteil nach Deutschland. Damit ist Spanien der wichtigste Versorger für europäische Handelsketten und die Lebensmittelindustrie. Diese Führungsrolle im industriearmen Süden Spaniens ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der nun bedroht scheint. Am 1. Oktober 2012 trat ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Marokko in Kraft, mit dem der Import von marokkanischen Gemüse- und Fischerei-Erzeugnissen deutlich erleichtert wurde.

Das meiste Gemüse in unseren ...

Das meiste Gemüse in unseren Supermärkten kommt aus Spanien. (Bild: Pixabay)

Spanische Tomaten haben Spitzenposition in Frankreich bereits verloren

Bereits im vergangenen Jahrzehnt machte sich der steigende Anteil marokkanischer Erzeugnisse in den Umsätzen der spanischen Gemüsebauern bemerkbar. Trotz hoher Zollgebühren konnte marokkanisches Gemüse, in erster Linie Tomaten und Paprika, immer mehr Marktanteile innerhalb der EU gewinnen. Dies begründet sich vorrangig mit den niedrigen Produktionskosten. Obwohl die Ernte in Spanien überwiegend mit Arbeitskräften aus Nordafrika und Osteuropa, zu niedrigsten Löhnen realisiert wird, kann hier nicht mit den marokkanischen Löhnen konkurriert werden. Bisher bestand der Vorteil in den hohen Einfuhrgebühren, welche aus Marokko importiertes Gemüse für den europäischen Markt zu teuer machten. Mit Inkrafttreten des Handelsabkommens ist dieser Vorteil entfallen, und bereits im Jahr 2013 machte sich dies deutlich bemerkbar. Im Nachbarland Frankreich, wo spanische Produkte unangefochtener Marktführer waren, ist der Import aus Marokko in die Höhe geschnellt, und hat, zunächst bei importierten Tomaten, die Spitzenposition übernommen, und erreicht in den Spitzenmonaten bis zu 70% Marktanteil.

Den französischen Markt für Tomaten ...

Den französischen Markt für Tomaten hat Spanien bereits verloren. (Bild: Pixabay)

Riesige Anbauflächen in Marokko geplant

Bisher konzentriert sich Marokkos Agra Industrie erst auf wenige Länder, weil noch zu wenig Gewächshausfläche für den Anbau zur Verfügung steht. Dies wird sich in den kommenden Jahren aber gewaltig ändern. Im Jahr 2013 wurden in Marokko Tomaten in Gewächshäusern auf einer Fläche von 5.500 Hektar angebaut, geplant ist aber eine zukünftige Fläche, für den Obst- und Gemüseanbau, von 700.000 Hektar, auf der mindestens 10 Millionen Tonnen Ertrag geerntet werden soll. Diese Dimension macht deutlich, dass die spanische Agra Industrie dem Markt langfristig an Marokko verlieren wird. Bereits heute werden etliche Tonnen Gemüse i Spanien vernichtet, weil sie für den europäischen Markt zu teuer geworden sind.

Der Bau riesiger Treibhausflächen ...

Der Bau riesiger Treibhausflächen ist in Marokko geplant (Bild: Pixabay)

Das Handelsabkommen traf Spanien mitten in der Krise

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko war bereits während den Verhandlungen, schwerer Kritik aus Spanien ausgesetzt, weil klar war, dass es die Wirtschaft im Süden des Landes hart treffen würde, aber auch für andere Südländer innerhalb der EU, wie z.B. Italien und Griechenland, belastend sein wird. Trotzdem wurde das Abkommen, entgegen aller Bedenken, durchgesetzt. Die Folgen sind in Spanien bereits jetzt deutlich zu beobachten. Die Arbeitslosenquote in Andalusien liegt mit 34% deutlich über der landesweiten Quote, und in der ehemals wohlhabenden Provinz Almería sogar über 35%. Die Agra Industrie in Almeria, die zum Großteil aus kleinen Familienbetrieben besteht, fühlt sich von Der EU zugunsten der großen Handelskonzerne verkauft, zumal diese jetzt schon Preise anbieten, die unter denen der Herstellung liegen.

Der einzige, der diese Entwicklung noch kippen könnte, ist der Verbraucher, und dies auch zu seinem eigenen Nutzen. Wenn dieser konsequent auf Gemüse verzichtet, das außerhalb der EU produziert wurde, kann er vielleicht verhindern, dass weitere Regionen in den krisengeschüttelten Ländern mit europäischen Steuergeldern unterstützt werden müssen.

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