Großes Flaschensammeln

Großes Flaschensammeln (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

PET-Flaschen zur Wasserentkeimung

Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Plastikmüll durch Flaschen ein großes Problem. Sie liegen überall und müllen ganze Straßen und Städte zu. In vielen Ländern gibt es praktisch keine Mülltrennung und auch keine Müllabfuhr. Dabei sind die leeren Plastikflaschen wertvolle Materialien zur Wasserentkeimung. In vielen armen Ländern steht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, was zur Folge hat, dass sich Infektionskrankheiten wie Cholera oder auch Salmonellenerkrankungen schnell verbreiten und zu ganzen Epidemien führen können, wie es zum Beispiel seit Jahren in der Demokratischen Republik Kongo der Fall ist. Seit 2001 versuchen diverse Hilfsorganisationen das SODIS-Verfahren (Abkürzung für Solar Water Desinfection) bekannt zu machen, mit Erfolg. Langjährig von dem Wasserforschungsinstitut Eawag in der Schweiz getestet und erstmals in Beirut entdeckt, hilft dieses Verfahren mit einfachsten Mitteln Wasser zu reinigen und Keime abzutöten. PET-Flaschen sind für UV-A-Licht durchlässig. Bei dem einfachen Verfahren nützt man Sonnenstrahlen, um Keime abzutöten. Man füllt zunächst eine Flasche zu etwa drei Vierteln, dann schüttelt man sie, bevor man sie ganz füllt. Dann muss man sie gut verschließen und für mindestens sechs Stunden waagrecht in die Sonne legen, an bewölkten Tagen natürlich länger, das UV-A-Licht besorgt den Rest. Nachforschungen haben ergeben, dass in den Gebieten, in denen das SODIS-Verfahren verbreitet wurde, die Anzahl der Infektionskrankheiten vor allem bei Kindern stark zurück gegangen sind.

Plastikflaschen für den Bau

Verdrahtet, bereit für den Bau (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

PET-Flaschen als Baumaterialien in Entwicklungsländern

In Sambia verwendet die Organisation Malaikha zum Bau einiger Nebengebäude für eine Blindenschule PET-Flaschen als Baumaterialien. In der nächstgelegenen Stadt Mazabuka wurden zunächst Sammelbehälter für Plastikflaschen aufgestellt, nachdem auch dort das Problem vorhanden war, dass viele Straßen von Plastikflaschen richtiggehend zugemüllt waren. Über Radio wurde die Bevölkerung informiert, dass Plastikflaschen an diversen Orten in Containern gesammelt werden. Die Flaschen werden nach Größe sortiert und auf Draht aufgefädelt. Für mehr Stabilität werden sie mit Sand gefüllt, bevor die Flaschenschlangen übereinandergelegt und nochmals vertikal verdrahtet werden. So entstehen ganze stabile Wände, die danach normal verputzt werden können.

Architekten aus Berlin und Zürich gründeten das Projekt "United Bottle", das auch 2008 auf der Biennale in Venedig vorgestellt wurde. Auch sie warben für den Einsatz für Plastikflaschen in Entwicklungsländern, sowohl zur Anwendung des SODIS-Verfahren, als auch zum Einsatz von Plastikflaschen als Baumaterialien vor allem als Notbehausungen in Krisengebieten.

Malaikha Flaschenhaus 1 (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

PET-Flaschen als Baumaterialien auch in Industrieländern

Während schon seit längerem viele Menschen weltweit mit ganzen Flaschen als Baumaterialien für die verrücktesten Häuser und auch Gewächshäusern experimentierten, hat der taiwanesische Architekt Arthur Huang eine ganz neue Art des Plastikflaschenrecyclings für den Bau von Häusern entwickelt. Huang sammelt alte PET-Flaschen und lässt sie aber von der Firma Miniwiz zu neuen, wabenförmigen, mit Luft gefüllten Hohlformen mit etwa 7 Liter Fassungsvolumen gießen. Mit diesen Hohlkörpern baut er seine energiesparenden und stabilen Gebäude inzwischen überall. Sein erstes bekanntes Gebäude war der neun Stockwerke hohe "Eco Arc Pavillion" in Taipeh, der aus etwa 1,5 Millionen recycelten Plastikflaschen besteht. Während seine Baumethode in Taiwan schon als DIE Methode der Zukunft gesehen wird, ist sie in Europa erst langsam im Kommen, obwohl Huang inzwischen auch ein Gebäude in Berlin errichtet hat.

Auch für Gewächshäuser werden Plastikflaschen immer beliebter. Das Internet bietet eine Fülle an Anleitungen für Minigewächshäusern und auch größere Modelle aus Plastikflaschen, denn die PET-Flaschen liefern wirklich die idealen Bedingungen für den Bau dieser Objekte.

Fazit

Vieles, das wir als Müll ansehen, kann durchaus noch Verwendung finden und für andere Zwecke durchaus nützlich sein. Unsere Müllberge könnten besser in Schach gehalten werden, wenn sich mehr Leute Gedanken darüber machen würden, wie man verschiedensten Abfall vielleicht noch weiterverwenden kann. Umwelt schonen und dabei Geld sparen, Literatur gibt es dazu genug:

Autor seit 5 Jahren
406 Seiten
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