Tiere versorgen, sie füttern und ihnen über den Winter helfen ist eine wunderschöne Aufgabe. Doch so viele Argumente es dafür gibt, ebenso viele gibt es auch dagegen. Oft wird beispielsweise behauptet, Vögel suchten und fänden kein eigenes Futter mehr, wenn man ihnen dauerhaft welches anbietet. Andere meinen, jeder Eingriff in die Natur (also auch das Füttern) sei gegen die Natur und somit schädlich. Wieder andere argumentieren mit dem Wohl der Tiere, das bei falscher Fütterung leide. Wir sehen uns diese Argumente einmal näher an:

Der Eingriff ins Ökosystem

Gegner der Zufütterung unserer Wildtiere und Vögel argumentieren, dass Zufüttern einen Eingriff in die Natur darstellt und dass durch diese Hilfe der natürliche Selektionsprozess d.h. das Überleben des Stärkeren vor dem Schwächeren außer Kraft gesetzt wird. 

Allerdings wird oft übersehen, dass durch den Menschen bereits vorher ein Eingriff in die Natur erfolgte und zwar dahingehend, dass der natürliche Lebensraum der Tiere immer weiter zerstört und damit die Überlebenschancen der Tiere verringert wurden.

Natürlich stellt das Füttern einen Eingriff in die Natur dar. Dieser ist aber bei Weitem nicht so negativ wie diverse andere Eingriffe, die der Mensch zu verantworten hat:

  • Herbizide vernichten Pflanzen und somit Nahrungsquellen für die Tiere
  • Artenvielfalt ist durch verstärkten Anbau von Monokulturen nicht mehr so gegeben wie früher
  • Der Trend geht zu exotischen Gewächsen im Garten, einheimische Pflanzen/Nahrungsquellen müssen weichen
  • Einheimische Futterpflanzen werden oft als Unkraut entfernt
  • Zuviel Düngung führt zu weniger nahrhaften Wildpflanzen
  • Saurer Regen ist das Ergebnis menschlicher Eingriffe in die Natur
  • Rückzugsorte (brachliegende Flächen) werden besiedelt und zerstören Lebensraum

Da ihr Lebensraum für die Vögel und die anderen Tiere kein für sie optimales Ökosystem mehr ist, ist es wohl legitim, zumindest die durch Menschen verursachten verschlechterten Lebensbedingungen durch Futterhilfe abzupuffern. Das Zufüttern ist zwar auch ein Eingriff in die Natur, aber in dieser Definition wohl eher ein positiver, wenn nicht gar notwendiger.

Wird die Vogelpopulation durch Zufüttern zu groß?

Ist es reiches Futterangebot vorhanden, vermehren sich die Tiere. Soweit richtig. 

Allerdings müssen die Reviere der Vögel genügend Futter abwerfen, um das Überleben der Vogelfamilie zu sichern. Ist zu wenig Nahrung da, vergrößern sie notgedrungen ihr Revier. Daraus folgt dann aber, dass in absoluten Zahlen weniger Vögel da sind. Bei Zufütterung an einigen Stellen entsteht weniger Konkurrenzkampf ums Futter, die Vögel müssen weniger große Strecken für die Futtersuche zurücklegen und die Reviere können auch von anderen Vögeln und auch anderen Vogelarten bewohnt werden. Das hat einen positiven Effekt auf die zu beobachtende Artenvielfalt.

Ohne die Hilfe des Menschen könnten sich nicht so viele Wildvögel ansiedeln, wie es früher ohne den schädlichen Eingriff des Menschen möglich gewesen wäre. Das führt uns wieder zurück zu Argument 1.

Verlernen Wildvögel durch Winterfütterung bzw. Ganzjahresfütterung ihre natürliche Ernährung?

Forschungen der vergangenen Jahrzehnte bestätigen, dass Vögel das vom Menschen angebotene Futter gerne als Zusatzfutter annehmen. Besteht kein Futtermangel oder sind die Tiere in der Lage, eigenes Futter zu suchen, bevorzugen sie dieses auch – sogar im Winter sind sie auf der Suche. Sie verlernen daher ihre Fähigkeiten zur selbständigen Futtersuche nicht. Sie werden dadurch auch keinesfalls bequem, fett und träge. Wenn sie sich eine Fettschicht zulegen, dann geschieht das nicht aus Trägheit, sondern als Schutzpolster gegen Frost und Kälte. Sogar wenn die Vögel mit einem kleinen Polster ins Frühjahr starten, ist das nur vorteilhaft. Ein ausgezehrtes und halbverhungertes Weibchen könnte keine Eier mit kräftigen Schalen produzieren, geschweige denn ein Gelege wärmen. Ein ebensolches Männchen könnte sein Revier nicht verteidigen.

Gefahr durch falsche Nahrung

Wenn zugefüttert wird, sollte das selbstverständlich auch richtig gemacht werden. Falsche Nahrung kann Krankheiten auslösen oder gar zum Tode führen. Jede Vogelart hat spezielle Bedürfnisse und Vorlieben, was das Futter angeht. Einige sind recht eigen, andere hingegen wahre Allesfresser. Generell kann man mit einer ausgewogenen Mischung aus Fettfutter, Nüssen und Sämereien kaum etwas falsch machen und erreicht auch viele Geschmäcker.

Sonja, am 15.12.2016
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Bildquelle:
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