Die alte Tradition des Bierstachelns

Früher wurde das Bier ganzjährig in Eiskellern gelagert. Was im Sommer herrlich erfrischend war, sorgte an einem kalten Wintertag für unterkühlte Stimmung. In eben so einer Stimmung muss ein findiger Kopf einst auf die Idee gekommen sein, das Bier mithilfe eines glühenden Eisens auf Trinktemperatur zu bringen. Was Genaues weiß man nicht, wie es in Bayern so schön heißt: Manche sagen, das Bierstacheln sei eine alte Schmiedetradition. Andere führen seine Ursprünge auf die Glashütten im Bayerischen Wald zurück. Und wieder andere auf die Böttcher (Fassmacher). Praktiziert wurde es in all diesen Berufen – und am Ende ist ja eh immer egal, wer angefangen hat. Jedenfalls berichten manche Alten, sie hätten das Bierstacheln noch live im Gasthaus erlebt.

Was ist ein Bierstachel?

Dort nahm man einfach einen Schürhaken. Davon lagen oft gleich mehrere im Kaminofen bereit, die bei Bedarf glühend in das Bier getaucht wurden. Heute greift man auf handlichere Eisen zurück: Der typische im Handel erhältliche Bierstachel ist ein ca. 20-40 cm langer Edelstahlstab. Zum Erhitzen dienen neben dem traditionellen Holzofen unter anderem Bunsenbrenner, Lötlampen mit Gaskartusche und Grillglut.

Wie funktioniert das Bierstacheln?

Das Bierstacheln ist an sich recht einfach: Der Bierstachel wird zum Glühen gebracht – dabei erhitzt er sich auf bis zu 600 Grad. Anschließend wird er senkrecht in das Bierglas (am Besten 0,33l Bier im Halbliterglas) getaucht und in schraubenförmigen Bewegungen wieder entnommen. Unter leichtem Zischen und Blubbern steigt der Schaumpegel nach oben. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden.

Wichtig: Den Stachel reinigen, bevor er das nächste Mal erhitzt wird. Somit vermeidet man unerwünschte Brandaromen. Und Bierstacheln sollte man nicht im fortgeschrittenen Partymodus. Der Umgang mit dem Bierstachel erfordert Konzentration und Vorsicht – weder das Glas noch brennbare Oberflächen oder gar Menschen dürfen in Kontakt mit dem glühenden Eisenstab kommen.

Welches Bier eignet sich zum Stachelbier?

Für das Bierstacheln eignen sich dunkle Biere, da diese viel Restzucker enthalten – dieser ist wichtig, um einen geschmacklichen Effekt zu erzielen. Am Besten nimmt man also normales dunkles Bier, Bockbier oder einen Weizenbock. Aber auch Märzenbier ist geeignet. Das Bier sollte auf jeden Fall schön kalt sein, da es sich beim Stacheln um ein 1-3 Grad erwärmt.

Wie wirkt sich das Bierstacheln auf den Geschmack aus?

Der Schaum wird warm und schön cremig, das Bier erhält durch das Karamellisieren des Restzuckers eine lakritzartige Note. Der Geschmack wird weicher und gleichzeitig intensiver. Das Aroma kann sich voll entfalten. Allerdings geht beim Bierstacheln auch einiges an Kohlensäure verloren – was der eine als süffig empfindet, erscheint dem anderen als ein wenig lack. Geschmäcker sind eben verschieden, und so gehen auch beim Stachelbier die Meinungen auseinander.

Fest steht: Der Stachel holt eine andere Seite des Bieres hervor. Und wenn das kalte Bier durch seine warme Krone in die Kehle rinnt, ist das ein ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. Vor allem erfahrene Bierverkoster und neugierige Gerstensaftgourmets sind deshalb meist begeistert von der neu belebten Tradition.

Wo kann ich einen Bierstachel kaufen?

Wer Stachelbier auch außerhalb der Weihnachtszeit genießen und seine Freunde damit verköstigen will, der kann improvisieren oder einen Bierstachel mit etwas Geschick selber bauen. Oder er kauft einen solchen über das Internet. Dort werden Bierstachel – einzeln oder im Set – auf einigen Seiten für Bierzubehör und von Brauereien angeboten. Oft sind diese allerdings überteuert: Wer einen Bierstachel kaufen will, sollte also etwas Zeit zum Stöbern investieren. Angebote finden sich beispielsweise hier und hier. Wer keinen Holzofen hat, braucht obendrein einen geeigneten Brenner.

Stachelbier selber machen – ein Erlebnis

Das Bierstacheln ist eine tolle Sache für einen Abend mit Freunden. Das vorsichtige Hantieren mit dem heißen Eisen, die Verwandlung des Bieres und das gemeinsame Verkosten sorgen garantiert für viele Ohs und Ahs. Keine Angst – das Stachelbier sticht nicht, es besticht allenfalls durch seinen Geschmack. Zum Wohle!

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