Soll wirklich der Charakter des Godelsbergs erhalten werden oder doch eher Villenviertel für die Reichen?

Doch alles von Anfang an. Der Godelsberg zählt in Aschaffenburg zu einer der begehrtesten und besten Wohnlagen. Früher eher als Villenviertel für die "oberen 10.000" verschrien, hat sich das Wohngebiet inzwischen grundlegend gewandelt. Mittlerweile sind viele Ein- und Mehrfamilienhäuser entstanden und junge (und natürlich auch ältere) Familien haben sich angesiedelt und leben mehr oder weniger einträchtig zusammen.

Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Bauvoranfrage für das Grundstück Yorckstraße/Gneisenaustraße gestellt wurde. Insgesamt 48 Wohneinheiten sollten dort entstehen. Das wiederum rief die "Interessensgemeinschaft Godelsberg" auf den Plan, die dann auch zu einer Informationsveranstaltung in der Piuskirche einlud.

Im Dezember 2019 setzte dann der Stadtrat in Aschaffenburg durch, allen voran die CSU - (zumindest Teile davon)- und die UBV, dass die Stadtplaner qualifizierte Bebauungspläne für drei Bereiche des Godelsberg aufstellen müssen, die südlich der Bismarckstraße liegen. Dazu sollten im ersten Schritt Planungsziele erarbeitet werden.

Die Verwaltung der Stadt Aschaffenburg machte ihre Hausaufgaben anschließend gründlich und stellte im Januar 2020 die neuen Planungsziele in einer Stadtratssitzung vor. Es wurde sogar ein Drohnenflug-Video gezeigt, mit dem die derzeitige Wohn- und Bausituation in dem beliebten Wohngebiet eindrucksvoll gezeigt wurde.

Die neuen Entwürfe wurden sorgfältig ausgearbeitet. Die Verwaltung orientierte sich dabei an den bereits bestehenden Immobilien und freien Flächen Dabei legte sie durchaus vertretbare Obergrenzen fest. Die Planungsziele wurden in insgesamt 12 Blöcke unterteilt, bei denen für jedes Areal eigene Bau- und Gestaltungsrichtlinien ausgearbeitet wurden.

Doch selbst diese extrem gründliche und vor allem durchdachte Ausarbeitung war einigen Stadträten immer noch nicht genug. "Ein bisschen weniger wäre gut", argumentierte Johanna Rath von der CSU, deren Fraktion sich – wie schon eingangs erwähnt – alles andere als einig ist über den Bebauungsplan. Rath dazu: "Wir wünschen uns eine maßvolle Nachverdichtung."Ähnlich sehen das auch die Stadträte der UBV und der KI. Die SPD wünscht sich eine Nachverdichtung mit Augenmaß mit hoher Transparenz. Ebenso wünschen die Sozialdemokraten eine hohe Bürgerbeteiligung.

Die CSU, die UBV und die KI legten in dieser Stadtratssitzung dann auch klare Zahlen ihrer Wünsche vor. So soll beispielsweise die Grundfläche der Gebäude 300 qm nicht übersteigen und die maximal überbaubare Fläche 30% des Grundstücks betragen.

Zudem darf nicht höher als 9 Meter gebaut werden – inklusive der Traufhöhe. Und: es soll zukünftig nur eine Wohnung pro 350 qm Grundstücksfläche gebaut werden dürfen. Das bedeutet im Klartext zukünftig eine große Einschränkung im Vergleich zu heute.

 

Konkret: Es könnten durchaus Klagen drohen

Es sind übrigens bei Weitem nicht alle Anwohner mit den Plänen einverstanden. Es gibt beispielsweise Menschen, die ihren Lebensabend am wunderschönen Godelsberg planen. Dazu soll beispielsweise ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt sechs Wohneinheiten entstehen – für alle Generationen mit bezahlbaren Mieten. Das Grundstück befindet sich schon im Besitz der Planer. Dort stehen allerdings im Moment zwei stark sanierungsbedürftige Gebäude die dann natürlich weichen. Werden die Pläne allerdings so umgesetzt, wie einige Stadträte sich das vorstellen, ist das Projekt gestorben wegen Undurchführbarkeit. Eine Umsetzung der von den Widersachern angestrebten Pläne bedeutet in etwa 25% weniger Wohnraum. Also keine Verdichtung, sondern eher eine Entdichtung.

"Der Satz mit dem Begriff "zubetonieren" gilt hier nicht. Man muss halt ein wenig um die Ecke denken. Bei Flachdächern besteht beispielsweise die Möglichkeit, diese zu begrünen. Somit tut man auch dem Artenschutz genüge (Stichwort: Bienen). Wir wollen da bei unserem Neubau genau so umsetzen", so die Aussage eine Anwohners.

Ein weiterer Knackpunkt: Zu der Veranstaltung der Interessensgemeinschaft Godelsberg wurden beispielsweise keine Menschen eingeladen, die planen, an den Godelsberg zu ziehen.

Zudem könnte es durchaus sein, dass der Stadt Aschaffenburg immense Klagen drohen, wenn der Plan - wie von einzelnen Fraktionen gewünscht - umgesetzt wird. Die deutsche Baunutzungsverordnung BauNVO besagt für reine Wohngebiete wie den Godelsberg, dass eine überbaubare Fläche 40% betragen darf und die Mehrheit der Anlieger, die davon betroffen sind, sind durchaus bereit, für ihr Recht zu kämpfen und verfügen auch über die entsprechenden Mittel.

Was übrigens einige vielleicht nicht bedenken: Bei dem ganzen Hickhack, das derzeit um den Godelsberg herrscht, werden Investoren Tür und Tor geöffnet. Denn die Grundstückspreise in dem begehrten Wohnviertel befinden sich auf Talfahrt. "Ein Investor hat durchaus Zeit zu warten, die haben wir aber nicht.," so die Aussage eines Anwohners.

Wohin das führen kann sehen wir ja an München und Frankfurt. Bezahlbarer Wohnraum ist dort Mangelware.

Die Bürgerinitiative lebendiger Godelsberg

Doch es regt sich Widerstand. Zwischenzeitlich wurde die Bürgerinitiative "Lebendiger Godelsberg" gegründet. Diese will – wie der Name schon verrät - für ein lebendiges Wohnviertel kämpfen. Doch das sind nicht die einzigen Ziele: Ebenso möchte die Bürgerinitiative einen Bebauungsplan der Mehrfamilien- und Generationenhäuser möglich macht. Der Trend geht heute eindeutig zu einer größeren Ausnutzung der Grundstücke. Auf dieses Weise wird auch die politisch gewünschte Verdichtung erreicht. Im ersten Schritt hat die Bürgerinitiative eine Online Petition gestartet. Diese finden Sie auf der Homepage, die weiter unten verlinkt ist. Mittlerweile gibt es aber auch Unterschriftenaktionen.

Die Bürgerinitiative "Lebendiger Godelsberg" stellt folgende Forderungen:

 Für einen lebendigen Godelsberg

  • Mit jungen Familien
  • Mit Generationenhäusern
  • Mit Mehrfamilienhäusern
  • Mit grünen Dächern und Gärten

Eben mit einer lebendigen Zukunft.

Zur Website der Bürgerinitiative geht es hier. Dort können Sie sich noch einmal genau über die Forderungen informieren. Außerdem gibt es interessantes Hintergrundwissen.

Autor seit 5 Jahren
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