Gebt den Frauen das Kommando!

In Zeiten der vom zügellosen neoliberalen Kapitalismus ausgelösten Schuldenkrisen jener erbarmungswürdigen Staaten, die von der US-Kapitalmafia mit gezückten Pistolen zur Anhäufung gigantischer Schuldenberge gezwungen wurden, ist man für fachmännischen Rat besonders dankbar. Oder vielmehr: Fachfräulichen Rat.

Juhu! Es geht aufwärts dank Frauenförderung!Österreichs FrauenministerIn Gabriele Heinisch-Hosek hat mit scharfem Blick erkannt, woran es in den Restbeständen privater Wirtschaft mangelt: An Frauenförderungen! Deshalb möchte sie Betriebe mit mehr als 100 MitarbeiterInnen höflich zur speziellen Förderung von Frauen ermuntern. Bekanntlich werden Frauen nicht in feministischen Musterstaaten wie Afghanistan, sondern in westlichen Gefilden brutal unterdrückt. Hinkünftig sollen Großbetriebe deshalb Frauenförderpläne erstellen, die keinen Cent kosten, da sie offenbar von fleißigen MitarbeiterInnen in ihren Freizeitphasen entworfen und umgesetzt werden.

Besonderes Anliegen der Frau FrauenministerIn: Der Anteil von Frauen in führenden Positionen soll erhöht werden. Zugegebenermaßen keine originelle Idee, aber alter Wein schmeckt in neuen Schläuchen wie frisch abgefüllter. Im Abstand von jeweils zwei Jahren soll es "Fortschrittsberichte" geben - gewiss können auch diese unbürokratisch und weder für die betroffenen Unternehmen, noch für den Steuerzahler mit irgendwelchen Kosten verbunden abgewickelt werden.

Selbstverständlich unterstütze ich diese Pläne zumal:

Unternehmen erfolgreicher sind, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind

Fast könnte man Mitleid mit diesen Unternehmen verspüren, die bislang weitaus weniger erfolgreich agierten, als ihnen dies möglich gewesen wäre. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass es sich um Frauen unterdrückende Männerbünde handelt, die freiwillig auf höhere Profite, Dividenden oder Prämien verzichteten, nur um ihre sadistischen Diskriminierungen auszuleben. Damit wird nun glücklicherweise dank einer Ministerin Schluss ein, die ihre Ansichten dank jahrzehntelanger Tätigkeiten im privaten Wirtschaftssektor untermauern kann.

Waren Nazis Mörder?

How Not To Be Seen Trotz dieser erfreulichen Entwicklungen gibt es immer noch weiße Flecken auf der Frauenerforschungskarte. In beschämender Weise nahm bislang etwa die Holocaust- und Nationalsozialismusforschung kaum Rücksicht auf "feministische und queere" Ansätze. Dieses Versäumnis wollen mehrere Studenten ausräumen. Erste verblüffende Forschungsergebnisse werfen ihre Schatten voraus:

So wurden etwa Menschen, welche als homosexuell, "Asoziale" oder "fremdvölkisch" erkannt und gekennzeichnet wurden zu Opfern eines mörderischen patriarchalen NS-Staates.

Der geneigte Leser wird möglicherweise bestürzt sein über diese völlig neuen Erkenntnisse: Die Nazis haben ihnen unliebsame Mitmenschen umgebracht! Ein ungeheurer Gedanke der unser Bild von den Nazis geradezu erschüttert. Dermaßen erschütternd ist diese Erkenntnis, dass der Artikelautor folgenden Absatz nicht ansatzweise versteht:

Die durch dieses Engagement entstandenen theoretischen/praktischen Zugänge bieten heute für WissenschafterInnen und AktivistInnen wichtige Instrumente im Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Vor allem intersektionale Ansätze, welche die Interdependenz verschiedener Diskriminierungs- und Unterdrückungsmechanismen sichtbar machen, ermöglichen eine breitgefächerte Kritik und eröffnen ein weites Feld möglicher disziplinäre und politischer Allianzen.

Allerdings ist er/sie/es überzeugt, dass es sich um eine sehr wichtige Forschungsarbeit handelt. Insbesondere für den Fall einer Rückkehr der Nazis aus Neuschwabenland mit anschließender Machtergreifung.

Sexobjekt Mann

Doch wenden wir uns wieder der Gegenwart zu. Die geschätzten Kolleginnen (ich glaube, in diesem Fall können wir uns die geschlechtsneutrale Formulierung sparen) der "Watchgroup gegen sexistische Werbung" gehen in die Offensive: Es reicht! Überall Sexismus! Und es gibt keine gesetzliche Handhabe dagegen! Das ist natürlich ein demokratiepolitischer Skandal allererster Sahne. Aber es gibt Hoffnung:

Langfristig, so die SPÖ-Landtagsabgeordnete Nicole Solarz gegenüber dieStandard.at, soll die Vernetzung der Watchgroups zu einem bundesgesetzlichen Verbot sexistischer Werbung führen.

Dabei sollte man sich hüten, nur das Offensichtliche zu sehen, wie beispielsweise tiefe Dekolletés. Frauenverachtender Sexismus kommt oft dermaßen subtil daher, dass ihn nur das geschulte anti-sexistische Gehirn noch als das wahrnimmt, was er ist: Empörend diskriminierend! Etwa im Fall einer gezeichneten Frau, die mit ihren Skiern vor einem Skilift posiert.

[D]er Schi könnte auch eine Striptease Stange darstellen. Würde der Schi eine Striptease Stange sein und die gleiche Person in ein Bordell retouchiert werden, würde dies ebenso passen.

Leider scheinen die Watchgroupies das Augenscheinlichste zu übersehen: Der Ski ist aus meiner Sicht als ganz klares Penissymbol (länglich, silberfarben, mit Bindung versehen) zu identifizieren, der sich der wehrlosen Frau in eindeutiger Ansicht aufdrängt.

Übrigens stellt die Website in ihren FAQs die Absichten und lauteren Ziele des Vereins klar.

Es geht nicht um den Geschmack von Einzelnen, sondern um den Respekt für Frauen. Jede und jeder entscheidet selbst, was ihr oder ihm gefällt.

Nur ein Zyniker würde einen eklatanten Widerspruch zwischen den beiden Sätzen erkennen. Ein zynischer Mann. Zynischer, frauenverachtender Mann, um genau zu sein. Schließlich sind auch wir Männer Opfer sexistischer Werbung:

Männer kommen durch die Werbung genauso unter Druck, wenn sie dem Sixpack nicht entsprechen, den der Coca Cola–Light Mann stolz herzeigt.

Weibliche Kühlerfigur... Kommentar überflüssig!Bestimmt stelle ich keinen Einzelfall dar wenn ich gestehe, dass auch ich tagtäglich Opfer dieser bösartigen Werbungen werde. Auf der Straße lachen mich Frauen aus, weil ich keinen Sixpack habe, tätscheln meinen Po oder machen mir unseriöse Angebote. Auch auf Grund dieser Erniedrigungen, die ich selbst dank meines skiförmigen Geschlechtteils nicht zu kompensieren vermag, hoffe ich auf ein Verbot sexistischer Werbung. Ich will meine männliche Würde zurück!

Heilung von der Islamophobie

Man könnte aber auch die Scharia einführen. Oder haben Sie schon einmal von sexistischen Werbekampagnen in Teheran oder Somalia gelesen? Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, glaubt jedenfalls, dass die Scharia mit unseren demokratischen Grundsätzen vereinbar ist. In dem überaus sympathischen Interview macht er deutlich, dass:

[...] der Islam mit friedlichen Absichten kommt und die Menschen keine Angst vor ihm haben brauchen.

 

Tatsächlich zeigt ein Blick auf moslemisch geprägte Staaten, dass diese für Wohlstand, technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt sowie Toleranz gegenüber Anders- oder Ungläubigen garantieren. Ob Indonesien, Pakistan, Iran, Somalia, Nigeria, Bangladesch oder die arabischen Staaten: Überall zeigt der Islam, dass wir nicht die geringste Angst vor ihm haben müssen. Und auch vor der Scharia, die beispielsweise in London bereits praktiziert wird, müssen wir Ewiggestrigen keinerlei Angst haben:

[...] da gibt es große Missverständnisse, die wir aufarbeiten müssen. Scharia ist eine Art muslimischer Katechismus, welcher göttliche unveränderliche Vorschriften wie z.B. die fünf Säulen und insbesondere Dinge des beinhaltet. Ein großer Teil der Scharia besteht aus veränderlichen Richtlinien, die die Gelehrten im Laufe der Zeit durch theologische Gutachten abgeleitet haben, welche demnach disponibel sind. Oft wird Scharia fälschlich mit drakonischem Strafgericht gleich gesetzt oder Kritiker schreiben für ihre polemischen Zuspitzungen der Scharia die Rolle eines Antisystems zur Demokratie zu. Beides trifft nicht zu und hat mit der eigentlichen Bedeutung nichts gemein.

Schee, so a Moschee...Ich hoffe, der geneigte Leser ist genauso zuversichtlich wie ich, dass ein System, das auf "göttlichen Vorschriften" und "theologischen Gutachten" durch "Gelehrte" beruht, gerechte Urteile sprechen wird. Jedenfalls sehe ich der Zukunft nunmehr hoffnungsfroher entgegen, da alle meine lächerlich Bedenken nunmehr ausgeräumt sind.

In diesem Sinne (und in vorauseilendem Gehorsam): Allahu akbar! Außerdem distanziere ich mich von den islamophoben Äußerungen des Herrn Henryk M. Broder, den ich bislang - offenbar in geistig verwirrtem Zustande - verehrte. Aber hören und sehen Sie selbst.

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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