Nur nicht festnageln lassen!

Welch idyllischer Anblick...

Päpstliche Fußmassage

Ah, Ostern, die Zeit der Besinnung... den Hühnern wird Lebensmittelfarbe ins Wasser gemischt, damit sie gefärbte Eier legen, der Papst erteilt der Welt den wunderbaren Ratschlag "Urbi et Orbi" (auf Deutsch: "Kauft das neue iPhone!"), im Bundestag könnte man eine Gehirnzelle auf den Boden fallen hören und auf den Philippinen lassen sich Leute ans Kreuz nageln. In Deutschland völlig undenkbar: Zuerst würde das Gesundheitsamt einschreiten, danach die Grünen und die SPD gegen die menschenverachtende Ausgrenzung von Minderheiten ("auch Muslime und Atheisten müssen das Recht haben, sich ans Kreuz schlagen lassen zu dürfen!") aufschreien. Abschließend würde der Wirtschaftsminister die Idee hervorragend finden, weil dies den heimischen Nagelherstellern ein Umsatzplus von 4 Prozent beschere. Nur die FeministInnen wären grundsätzlich dagegen, solange es keine Frauenquote und die Ernennung von Ans-Kreuz-Schlag-BeauftragtInnen gäbe. Der Hintergrund des Spektakels ist übrigens, dass die Gläubigen an die Leiden Jesu erinnern wollten. Man korrigiere einen in Glaubensfragen nicht ganz Sattelfesten falls er irren sollte, aber erinnert nicht bereits das Kruzifix selbst irgendwie daran?

Ein bisschen entspannter geht es der Papst an. Er ist ja auch keine 30 mehr. Anstatt sich festnageln zu lassen - was gerade bei linken Politikern eine Unmöglichkeit darstellte, winden sich diese doch bei jeder Gelegenheit wie eingefettete Aale -, wusch er zwölf Priestern die Füße.

Mit dieser traditionellen Zeremonie in der Kirche Sankt Johannes im Lateran soll Demut bekundet werden, wie sie nach christlichem Glauben Jesus seinen zwölf Jüngern erwiesen haben soll

Vielleicht aber auch gab es vor zweitausend Jahren schwere Hygienemängel unter den Aposteln.

Tragischer Flirt-Unfall

Dieses Paar feiert die steinerne HochzeitWohl jeder kennt Beispiele tollpatschiger Damen oder Kleinkinder, die mit unschöner Regelmäßigkeit die Treppe hinunterstürzen. Derlei tragische Ungeschicklichkeiten ereignen sich neuerdings auch beim Flirten. Etwa in Salzburg, wo ein Einheimischer mit einer jungen Deutschen schäkerte. Dabei

[...] kam es zu einem Handgemenge, bei dem die Frau laut Polizei "durch Kraftanwendung unglücklich gegen einen Tisch geprallt" sein muss.

Die Frau wurde am Kopf und am Auge schwer verletzt. Man hüte sich davor, dem gleichaltrigen Mann einen Vorwurf zu machen. Die Liebe ist ein Spiel, und dabei kann es - das liegt in der Natur der Sache - zu unbeabsichtigten Komplikationen kommen. Wie viele Ehefrauen sind schon unglücklich gegen die zufälligerweise geballte Faust des Ehegatten gestolpert? Insofern sollte es nicht verwundern, wenn eine Kraftanwendung, möglicherweise die Schwerkraft, eine junge Frau unglücklich mit dem Kopf gegen einen Tisch prallen lässt.

Gemeinsamer Feind: Konsumgesellschaft!

Die nachfolgende Geschichte ist zwar etwas ungustiös, sollte aber dennoch die Herzen der Leser wärmen. Es gibt ja nicht viele ideologische Bereiche, bei denen sich die chinesischen Despoten und die westlichen Gutmenschenkader völlig einig sind. Hier ist eines dieser seltenen Beispiele, die den Westen und den Fernen Osten verbindet: Die Abscheu vor der Konsumgesellschaft! Leider haben die Chinesen von den Fehlern des Kapitalismus nicht gelernt, was zu dekadenten Auswüchsen, wie mehreren täglichen Mahlzeiten oder den Erwerb von Autos führte. Anstatt wie früher edelmütig zu verhungern und zu Fuß zum Brunnen zu laufen, frönen immer mehr Chinesen dem verderblichen westlichen Lebensstil.

Die Folgen sind erschreckend, aber leider nur allzu konsequent: 17-jähriger verkauft eine seiner Nieren, um sich ein iPad und ein iPhone leisten zu können. Glücklicherweise verweigert auch China seinen Untertanen das Recht auf den eigenen Körper, weshalb die Strippenzieher des Deals mit harten Strafen rechnen müssen. Die Vorstellung, eine Niere zu verkaufen, um dafür Geld zu erhalten und einem anderen Menschen gleichzeitig das Leben zu retten, ist schließlich an Menschenverachtung nicht zu übertreffen! Selbstverständlich dürfen Organe nur unentgeltlich gespendet werden und der Staat hat über die Zuweisung zu entscheiden. Das ist sozial und moralisch gerecht.

Sollten die Mittäter an diesem organ-isierten Verbrechen schuldig gesprochen werden und im Knast landen, werden sie hoffentlich Zeit und Muße genug finden, darüber nachdenken zu können. Und sollte sich - siehe zuvor - ein tragischer Unfall beim Flirten unter der Dusche ereignen, können sie ihre schwere Schuld mittels freiwilliger Organspende abbezahlen. Gerüchteweise sollen chinesische Behörden diesbezüglich äußerst zuvorkommend sein. Natürlich nur aus sozial gerechten Gründen...

Was würden Sie für ein iPhone hinblättern?

Die Tür ins finanzielle Glück

Mit einem Türklopfer in Penisform wäre das nicht passiert!Wir bleiben bei Apple. Halb bin ich schon zum Boykott entschlossen, zeigt doch dieses Unternehmen immer wieder, wie menschenverachtend und zynisch es ist! Mal zwingt es junge Chinesen zum Organverkauf, dann wiederum bricht es alten Damen die Nase. Nein, ehrlich! In New York hat sich eine 83-jährige an der Glastür eines Apple-Store die Nase gebrochen, weil sie die auf heimtückische Weise transparente Scheibe übersah. Sie reagierte darauf, wie es jeder andere auch machen würde: Sie verklagte Apple auf eine Million Dollar. Der geneigte Leser möge davon Abstand nehmen, verständnislos den Kopf zu schütteln, und stattdessen die einleuchtende Argumentation des Anwalts der wohl ältesten Apple-Kundin der Welt lesen:

Meine Klientin ist über 80. Sie sieht gut, aber sie hat das Glas nicht gesehen. Apple möchte cool und modern sein und hat die Art von Architektur, die eine technikbegeisterte Zielgruppe anspricht. Aber die Firma muss andererseits die Gefahren in Betracht ziehen, die diese High-Tech-Architektur für manche Menschen mit sich bringt

Schließlich ist es ja nicht so, als wären Glas, Türen oder die Kombination aus diesen Elementen seit vielen Jahren weit verbreitet. Gerade Unternehmen wie Apple sind gefordert, auf die Bedürfnisse ihrer Kunden Rücksicht zu nehmen. Rollstuhl-, alters- und gehörlosengerecht muss eine solche Architektur auf jeden Fall sein. Und was ist mit Analphabeten, die verzweifelt immer wieder gegen die Tür laufen, weil sie die Öffnungszeiten nicht entziffern können? Und müssen sich Homosexuelle nicht schlimmstens diskriminiert fühlen, weil sie gezwungen werden, den Vordereingang zu benützen? Ich drücke der ehrenwerten Dame ganz fest die Daumen, auf dass sie einen Präzedenzfall schaffe. Sollte sie die Million oder eine vergleichweise hohe Summe als Entschädigung zugesprochen erhalten, werde ich jedenfalls Google Maps nach den umliegenden Apple-Stores absuchen...

Lama Del Rey

Schotten blasen einfach besser...

Jeder ist ein großes Versprechen für die Zukunft!

Aber ich sollte nicht über betagte Damen lästern, wenn mir selbst das Alter schlimmstens zusetzt. In meiner Jugend interessierte ich mich wie die meisten anderen Heranwachsenden für Musik und hatte meine Lieblinge genauso wie Hasslinge (niemand kann mich davon überzeugen, dass "Modern Talking" nicht das akustische Werkzeug des Leibhaftigen darstellten!). Das Business funktionierte damals auf folgende einleuchtende Weise: Musiker fanden sich zusammen, spielten ein paar Singles oder ein Album ein, und auf dessen Grundlage entschieden Käufer wie auch Kritiker über den Erfolg oder Misserfolg. Im Falle des Erfolgs wurden die Solokünstler oder Bands euphorisch gehypt - und waren meistens ein paar Jahre später wieder völlig vergessen (oder kann sich irgendjemand noch zB an Terence Trent D'Arby erinnern? Oder Bros?)

Offenbar war dies zu simpel gestrickt oder wies einen andersweitigen logischen Fehler auf. Denn heutzutage läuft die Sache ein bisschen anders, wie die seltsame Karriere einer gewissen Lana Del Rey beweist. Die Süddeutsche vermerkt im Artikel "Femme fatale auf Valium" unter anderem:

Lana Del Rey gilt zur Zeit als das größte Versprechen der Popmusik. Nun erscheint ihr Debütalbum.

Wie meinen? Geriet da die Satzstellung durcheinander? Verhaspelte sich der Artikelautor? Nein, das ist schon völlig korrekt geschrieben: Eine junge Dame gilt als "Versprechen", noch ehe ihr erstes Werk erscheint. Die Plattenrezension selbst ist wie jede andere: Aufgeblasene Zeilenschinderei die ungefähr so aussagekräftig ist, als würde man eine Novelle über einen neuen Farbton schreiben. Kurzum: Ich habe nie den Sinn von Plattenkritiken verstanden - außer jenem natürlich, im Fremdwörterduden wildern und eine Zeitungsseite füllen zu können.

Sei's drum, denn darum geht es gar nicht. Vielmehr erschließt sich mir die zeitgenössische Herangehensweise an Musik nicht. Wichtig ist das Drumherum - hat der Künstler Drogen genommen? Sind seine Eltern berühmt? Hat sie sich die Haare gefärbt oder ist sie eine Naturblondine? War sie schon bei David Letterman? -, während die Kunst an sich zur Nebensächlichkeit gerät.

So gesehen sind Österreich und Deutschland Länder voller Versprechen für die Zukunft! Der Weltmeistertitel im Fußball dürfte Österreich angesichts vieler tausend Versprechen des Fußballs kaum zu nehmen sein. Und in Deutschland wird auch hinkünftig kein Mangel an GutmenschInnen herrschen. Allesamt Versprechen für eine gerechte Gesellschaft ohne Kapitalismus und bösen Konsumzwang.

Günter Grass: Ein Gedicht!

O Gott! Israelis! Bewaffnet euch mit politischer Korrektheit, rasch!

Ran an Teheran?

Eigentlich ungerecht: Jeder von uns hat während öder Unterrichtsstunden oder in der Pubertät peinliche Gedichte in Heftchen gekritzelt. Aber nur jene eines Günter Grass werden groß in der Zeitung abgedruckt und ernten auch noch Lob. Wobei: Auf das Lob aus Teheran und von den Traumtänzerlein der Friedensbewegung könnte ich dankend verzichten. Da heißt es vom iranischen Kultur(?)minister:

Mit ihrer Feder allein können Schriftsteller Tragödien eher verhindern als Armeen

Und wer wüsste das besser, als der Vertreter eines dermaßen fortschrittlichen Staates wie dem Iran! Doch womit hat Grass einen derartigen Trubel ausgelöst? Gucken wir doch in das welterschütternde Gedicht hinein:

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Ein paar Zeilen später vergisst der Gute sein eigenes Untersagen und nennt "jenes andere Land" beim Namen: Israel! Hui! Israel! Der schiere Reflex zwingt den Deutschen zum Kniefall und dem Brabbeln von Worten wie: "Ewige Schuld", "Holocaust", "Nie wieder Faschismus". Folglich überrascht es nicht, wenn Grass gebetmühlenartig von Deutschland als jenem Land "das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind" spricht. Nachwuchsautoren aufgepasst: Hier könnt ihr noch was lernen! Sobald das Wort "Israel" fällt, bitte sofort auf die Verbrechen der Vergangenheit hinweisen und bitte nicht auf die Distanzierung vom "Antisemitismus" vergessen. Gerade noch in Ordnung gehen Formulierungen wie: "in dieser vom Wahn okkupierten Region".

Putzig wird es, wenn Grass davon spricht, dass Israel "den ohnehin brüchigen Weltfrieden" gefährde. Schließlich herrscht ja seit dem Krieg Weltfrieden. Abgesehen von ein paar tausend Konflikten mit Millionen Toten in den letzten 70 Jahren. Aber, hey, wir wollen keine Erbsenzählerei betreiben! Und ich will nicht despiktierlich erscheinen: Für einen 84-jährigen ist ein solches Gedicht eine reife Leistung. Viele andere bringen in diesem Alter ohne Zäpfchen nicht einmal mehr ordentlichen Stuhlgang zustande.

Die netten Jahre sind vorbei

"Und zur Rechten, werte Gäste, sehen Sie das traditionelle Abfackeln von Autos"Abschließend eine aus dem Leben gegriffene Geschichte, deren feine Ironie man wie edlen Wein genießen sollte. Der Schauspieler Daniel Brühl würde sich gerne einen Ferrari zulegen, hat aber - zu Recht - Angst, dass man ihm diesen abfackeln könnte. Das Ironische daran: Brühl feierte einen seiner größten Erfolge mit der Mitwirkung im Film "Die fetten Jahre sind vorbei". Ein Film, der, drücken wir es vorsichtig aus, kritisch gegenüber Konsum und Kapitalismus eingestellt ist.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich sympathisiere mit Brühl und hätte auch gerne einen Ferrari. Nein, eigentlich deren zwei. Einen zum Fahren und einen zum auf der Straße stehen lassen, damit sich der arbeitsscheue Pöbel den Frust von der Seele ("scheiß Kapitalismus!") zündeln kann.

 

Zum Wochenrückblick 13/2012.

(c) der Fotos: Pixabay

Autor seit 6 Jahren
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