Muttermilch - die richtige Ernährung für das Baby

Julia (3 Monate) liegt satt und zufrieden in ihrem Kinderwagen. Noch schmatzt sie genüsslich vor sich hin, denn gerade durfte sie bei Mamma nuckeln. Muttermilch hat immer die richtige Temperatur und ist die ideale Ernährung für das Neugeborene. Stillen erspart Mutter umständliches Hantieren mit Pulver, Messlöffel, Fläschchen, Sauger sowie Desinfektionsgerät und kostet nichts. Jederzeit kann Julia ihre Nase an Mutters Brust platt drücken und aus dem Nippel das holen, was sie braucht. Dieser Drink liefert nicht nur die nötigen Nährstoffe, sondern versorgt den Säugling mit Bifidusfaktoren zum Aufbau einer gesunden Darmflora, Lactoferrin zur Hemmung von Bakterienwachstum und Immunglobulinen zum Schutz vor Infektionskrankheiten. Macht die Mutter eine Grippe durch, lassen sich in ihrer Milch vermehrt Antikörper nachweisen, die ihr Neugeborenes vor Ansteckung schützen sollen.

Grundsätzliches zum Stillen

Stillen in Deutschland - eine Bestandaufnahme

Vorteile des Stillens

Voll gestillte Säuglinge machen im ersten Lebensjahr nachweislich weniger Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen durch als Teilgestillte oder Flaschenernährte. Dem Stillen wird vielfach ein "Schutz vor Allergien" nachgesagt. Wissenschaftler konnten dies allerdings nur bei gestillten Kindern nachweisen, die ein oder beide Elternteile mit Allergien hatten. Zudem wurde bei voll gestillten Kindern eine bessere Entwicklung des Sehvermögens, positive Effekte auf den Cholesterinstoffwechsel festgestellt und es gibt Hinweise für ein vermindertes Risiko an einem insulinpflichtigen Diabetes zu erkranken. Diese Vorteile können durch keine industriell hergestellte Säuglingsnahrung vollständig imitiert werden. 

Vier bis sechs Monate Vollstillen - empfohlen trotz der Nachteile von Muttermilch

Nachteil des Stillens ist die Schadstoffbelastung der Frauenmilch. Die Brustdrüse scheidet im Blut oder Fettgewebe vorhandene Stoffe, wie Umweltschadstoffe, Nikotin, Alkohol, Coffein und viele Medikamente über die Milch aus. Gottlob sind die 1984 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gemessenden hohen Werte an Rückständen durch Umweltschutzmaßnahmen gesunken. Nahezu 99 Prozent der 1990 untersuchten Frauenmilchproben lagen unter den Richtwerten dieser Umweltschadstoffe. Heute überwiegen die Vorteile des Stillens. Die Nationale Stillkommission empfiehlt eine Stillzeit: Vier bis sechs Monaten und anschließend Stillen plus Beikost von unbeschränkter Dauer.

Hausgemachter Stress (Bild: pixabay, nemo, Public Domain CCO)

Stillen und arbeiten - geht das?

Kluge Empfehlungen sind schnell ausgesprochen. Jede Mutter muss für sich entscheiden, ob sie stillen will oder nicht. Manche fürchten um ihren schönen Busen oder schämen sich, auf einer Parkbank oder in der Umkleidekabine eines Kaufhauses ihr Kind zu stillen. Verwandte und Bekannte genieren sich und bezweifeln, dass das Kleine davon satt wird. Dabei enthält Frauenmilch mehr Fett und Kohlenhydrate als Kuhmilch. Die Brust produziert genügend Milch, wenn die Stillende ausreichend trinkt. Andere wiederum fühlen sich durch Stillen an ihr Kind angekettet und trauen sich kaum noch, zum Friseur oder zum Einkaufen zu gehen. Übrigens die herausnehmbaren Autokindersitze mit Tragegurten passen in jeden Einkaufswagen und können überall abgestellt werden. Zugeben ganztags Arbeiten wird sehr problematisch. Aber halbtags arbeiten gehen, ist während der Stillzeit durchaus möglich. Am besten morgens von der einen Brust das Baby trinken lässt und die andere Brust mit einer kleinen Milchpumpe (Apotheke) abpumpen. Die Milch in eine saubere verschließbare Flasche füllen und bei 4 Grad Celsius maximal 72 Stunden im Kühlschrank aufbewahren. Auch tiefgefrorene Muttermilch (minus 20 Grad Celsius) kann Oma, Kinderfrau oder Papa schnell auftauen und per Fläschchen den Hunger von Klein-Julia stillen, während Mama Ausgang hat. Sammlung und Aufbewahrung von Muttermilch

Fläschchen - Väter sind gefragt

Väter von Flaschenkindern haben es leichter als Väter von Still-Babys. Sie dürfen von Anfang an bei der Ernährung ihrer Wonneproppen mitmischen. Flaschenmilch ist zwar nur die zweitbeste Lösung, hat aber inzwischen einen hohen Standard in punkto Annäherung an die Muttermilch erreicht. Nur leider stiften die Werbebroschüren der Hersteller und Packungsaufschriften eher Verwirrung als Aufklärung. Manche verantwortungsbewusste Mutter entzieht sich diesem Wirrwarr und mixt das Fläschchen selber. Davon rät das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund allerdings ab. Es erfordert hygienische Sorgfalt und genaues Abwiegen der Zutaten. Trotzdem kann nie die notwendige Nährstoffzusammensetzung, die Industrieprodukte gewährleisten, erreicht werden. Wie auch immer, der gesunde Säugling hat nach fünf bis sechs Monaten sein Geburtsgewicht verdoppelt.

Baby Fläschchen (Bild: pixabay, beeki, Public Domain CCO)

Brei und Fertiggläschen im 1. Jahr

Damit Omas Liebling sein Gewicht bis zum ersten Geburtstag verdreifachen kann, braucht er ab dem fünften Monat anstelle einer Milchmahlzeit Brei. Der erste Brei kann entweder ein selbstzubereitetes Karotten-Kartoffel-Fleisch-Mus oder ein bequemes Fertiggläschen sein. Vorteil des Fast Food für Babys: Nur durch Verzicht auf den Einsatz von Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmitteln sind die hohen, gesetzlich festgelegten Qualitätsansprüche von Babykost zu erfüllen. Da kommen Karotten aus dem Supermarkt nicht mit. Im sechsten Monat wird eine weitere Milchmahlzeit durch einen Vollmilch-Getreide-Brei ersetzt und im Siebten versucht  Julia einen leckeren Getreide-Obst-Brei in ihr Mündchen zu löffeln. Breiessen ist toll, was lässt sich besser auf Wangen, Lätzchen, Tisch und Tapeten verschmieren als Brei! Etwa im zehnten Monat hat das Krabbelkind meist so viele Zähne, dass es mit der Familie seine Scheibe Brot mümmeln kann. Mit einem Jahr darf man es laut Gesetz nicht mehr Säugling nennen, nun heißt es Kleinkind. Jetzt sitzt der Sprössling am Familientisch und kann alles mitessen. In diesem Alter verfügen Kinder über einen unverdorbenen Geschmack und sind noch nicht wie die Erwachsenen von zu viel Salz, Zucker oder Fett geschädigt. Das sollte auch solange wie möglich bleiben, um späteren möglichen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Karies und Übergewicht vorzubeugen.  Überraschungseier, Milchschnitten und Fruchtzwerge starten früh genug ihre Angriffe auf  die Milchzähne. Da sind gesunde Grundlagen wichtig. Doch bis zum Kindergarten hat Martha noch eine Menge Zeit, obwohl sie durch ihre großen Schwestern Nora und Hanna bestimmt schnell auf den Schokoladengeschmack kommt.

Stillen und Zufüttern - Abwechslung beim selbstgemachten Brei

  • Statt Kartoffeln sorgen Nudeln oder Reis für einen anderen Geschmack.
  • Geringe Mengen Fleisch sorgen für eine gute Versorgung mit dem Spurenelement Eisen (Blutbildung).
  • Bei vegetarischer Ernährung sollte Vollkorngetreide (reich an Eisen, aber schlecht ausnutzbar) kombiniert mit Vitamin-C-reichem Gemüse oder Orangensaft gegeben werden. Dadurch wird Eisen besser vom Körper verwertet.
  • Anstelle von Fleisch kann Eigelb im Gemüse-Kartoffel-Brei sein. Achtung, wegen Salmonellengefahr den Brei zusammen mit dem Eigelb nochmals aufkochen.
  • Der Brei soll dem Baby schmecken, nicht den Eltern. Deshalb auf keinen Fall salzen und zuckern nach eigenem Geschmacksempfinden.
  • Süßungsmittel, wie Saccharose, Maltose, Maltodextrin, Glucose, Glucosesirup, Fructose, Honig und Apfel-, Birnendicksaft, schmecken alle süß und fördern bis auf Maltodextrin Karies.
  • Auf Geschmackszutaten wie Nüsse, Kakao, Schokolade, Gewürze oder Aromen sollte in einem Baby-Brei aus Gründen der Allergievorsorge verzichtet werden.
  • Rohmilch ist wegen des unvollständigen Immunsystems des Babys nicht ratsam. Zu empfehlen ist pasteurisierte Vollmilch mit 3,5 % Fett oder H-Milch.
  • Stilles und "für die Herstellung von Säuglingsnahrung geeignetes" Mineralwasser, ungesüßte Tees mit Teebeutel oder aus losem Trockentee aufgebrüht, sind empfehlenswerte Getränke für Säuglinge und Kleinkinder.
Autor seit 3 Jahren
37 Seiten
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