Geheimnisvolles Dunkel liegt über seiner Wortherkunft

Googeln Sie einmal den Begriff "Nerd", da werden Sie ihre blauen Wunder erleben. Man wird förmlich von der Flut an ernst- oder auch nicht ernst zu nehmenden Antworten platt gewalzt. Ob Wikipedia, Online-Lexica, Spiegel-online - alles ernsthaft, bis zu Stupidedia oder blafasel - kultverdächtiger Unsinn, überall findet man den Begriff "Nerd".

Nun mal ernsthaft: Die Bezeichnung kommt aus dem Britischen, mit der Bedeutung für Schwachkopf, Streber, Langweiler, Sonderling, Computerfreak, Außenseiter, Tüftler, Fachidioten. Das amerikanische Pendant dafür ist die Bezeichnung "geek".

Weitere Hinweise lauten; "Vom englischen "drunk"= betrunken abgeleitet - rückwärts gelesen entsteht "knurd" (ausgesprochen wird es zu nerd). Diese Bezeichnung wurde erst als Synonym für betrunkene Studenten verwendet und später verächtlich im Sinne von 'Streber' gebraucht." (Meyers Enzyklopädie)

Weitere Interpretationen gefällig? "N.E.R.D." ist die Abkürzung für "Non Emotionally Responding Dude" (Nicht emotional antwortender Typ).

Der Ur-Nerd - anno dazumal

Der Nerd ist ein Soziotypus der Informationsgesellschaft, meist männlich, der über herausragende Videospiel- und Computerkenntnisse verfügt. Durch die soziale Isolation und das spezielle Wissen prädestiniert als Klischee des einsamen Außenseiters. (Duden)

Oder weniger ernsthaft formuliert: "Ein lichtscheues Wesen, das bei der Berührung mit Sonnenlicht sofort explodiert. Die einzige Ausnahme ist das PC-Monitorlicht; dieses zieht es magisch an. Nerds neigen dazu, Online-Spiele (vor allem Counter Strike, Dota und World of Warcraft) zu spielen und behaupten gerne, dass sie in der Lage sind, zu hacken." (Stupidedia)

Der Ur-Nerd jedenfalls stammt aus den 1970er Jahren - es war der einsame, bebrillte, nachlässig gekleidete CB-Funker.

Wer heute Nerd genannt wird, fühlt sich geadelt

So ändern sich die Zeiten. Einst verschmähter Zeitgenosse und heute reißen sich die Mädels um ihn, den nächsten "Bill Gates" oder "Mark Zuckerberg."

Einst der Sonderling vom Typ Fachidiot, hat sich die verächtlich gemeinte Spottbezeichnung zu einer Art Auszeichnung in Richtung Computerfreak gewandelt. Im Jahre Schnee war er der alte "Computer-Heini", die New-Generation heute nennt sich Nerd oder Geek. Was so ein bisschen soziale Vernetzung per Mausklick, verquickt mit Ironie und Intelligenz nicht ausmacht?

Der moderne Geek ist von persönlicher Freiheit besessen wie seine Vorgängergenerationen.

"Die Rache der Eierköpfe" (Revenge of the Nerds), lautete die 1984 gedrehte Komödie. Was damals noch dem Reich der Fantasie angehörte, hat inzwischen stattgefunden: Nerds und Geeks sind heute gesellschaftlich rehabilitiert. Oder sogar von den Behörden verfolgt; siehe Wikileaks Gründer Julian Assange oder Edward Snowden.

Hörbuch-Tipp: Becoming Steve Jobbs

 

Woran erkennt man einen echten Nerd?

Keine Angst, die Frage ist nicht ganz ernst gemeint. Die Charakterisierung des Klischees lautet in etwa so:

"Die Spezies Nerd ist von außen erkennbar an der Blässe, der dicken Brille (=Nerdbrille), der gekrümmten Körperhaltung, den zu kurzen Hosen, der Sprache, die einem Computerlaien völlig

unverständlich ist. Homo nerdicus und wer sich stolz dazu zählt, redet nicht, sondern kommuniziert per PC. Er bloggt, er chattet, er twittert oder was auch immer. Wenn es irgendwie möglich wäre, eine Pizza oder die obligatorischen Chips online über den Drucker serviert zu bekommen, so würde er dies dem Austausch mit realen Menschen vorziehen." So jedenfalls sieht sein Klischeebild aus.

Wichtig: sein Äußeres ist dem Nerd so was von schnuppe. Möchten Sie als Nerd gelten, dann besorgen Sie sich die passende "unpassende" Jeans. So "out" wie möglich und so schlottrig wie es nur geht. Welche Jeanshose das ist? Hier finden sie den richtigen Tipp.

WNT - Für jeden Unsinn einen Tag

Es gibt - tatata - einen Welt-Nerd-Tag (WNT)! Es gibt sogar Nerd-Nites!

Holla. Wie passt das zum Klischee des lonesome PC-Cowboys? Der 29. Juli 2011 wurde erstmals von Facebook zum Welt-Nerd-Tag ausgerufen. Wollte man dem Lonesome-Cowboy endlich mal ein bisschen frische Luft gönnen? Oder Kontakt, in Real-Life-Format zu anderen Außerirdischen?

"Wenn alle Nerds gleichzeitig ans Sonnenlicht gehen, wird es eine Menge an Explosionen geben, geistige natürlich." Achtung: Satire! Behauptet stupipedia und die müssen es ja wohl wissen. Da sitzen genügend Nerds.

Der Computer und Internet-Freak, natürlich hochintelligent, mit maximalem Wissen über PC, Tablet und Online-Welten, aber sozial inkontinent - trifft sich - außerhalb seiner vier Wände? Öffentlich? Was macht er da? Und das noch dazu in Großstädten, wie Berlin oder München?

Die geheimnisvolle Aura der Nerd-Nites

Verkehrt Homo nerdicus, das Tageslicht scheunde Wesen tatsächlich mit anderen? In echt? Nicht nur virtuell? Ach so, er trifft sich mit anderen Nerds, aber immerhin! Glücklicherweise trifft er sich nachts, also keine Gefahr durch plötzlichen Kontakt mit Sonnenlicht.

Spätabends in einer Münchener Bar. Auf der Bühne steht ein DJ der besonderen Art. Statt Hip-Hop gibt es Powerpoint-Folien. Das Thema rockt: "Die Physik von Star Trek – Science oder Fiktion?" DJ Mario Kuduz, seines Zeichens promovierter Physiker (Universität Göttingen) ist in seinem Element.

Eingeladen wird, wie passend, via Facebook und Twitter. Studenten, ein paar Interessierte aus der Nachbarschaft, mehrheitlich Männer.

Apropos: Wie nennt man eigentlich den weiblichen Nerd? Nerdine? Eine einzige Antwort im weltweiten Web: Nerd: Fachidiot ist asexuell! Na danke.

Zurück zur Nerd Nite: Das ist eine Veranstaltungsreihe, bei der zwei oder drei Referenten ein nerdiges (also sehr spezielles) Thema präsentieren. Das Veranstaltungsformat startete 2003 in Boston, existiert seit 2006 in New York. Zuerst startete Berlin und München, doch die Liste der deutschen Städte mit Nerd-Nites wird stetig erweitert. Nerdy boomt.

Das Motto heißt: "It's like Discovery Channel with beer”. Der Eintritt ist frei. Wie nerdy muss man sein, um sich das anzusehen? Ausprobieren! Aber Achtung: Kann sogar Spaß machen!

Der Homo Nerdicus in der Literatur

Fast genauso spaßig, oder besser spacig, sind die Buchtitel, die sich um seine Person drehen.

So lautet etwa ein Buchtitel: "Wie werde ich Bill Gates? Aufzucht und Lebensweise des gemeinen Nerd" von Max de Bruijn. Fischer tb Verlag, Frankfurt 2000. Satire pur.

Oder Buchtipp 2: Das Nerdikon - Die fabelhafte Welt der Nerds und Geeks. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 2013. 

Eine ganze Jugendbuchreihe von Michael Buckley,

die Helden sind die N.E.R.D.S (Nachrichten-Erkennungs-Rettungs-Dienstliche Sonderkommando) spielt erfolgreich mit den Klischees von Computerfuzzis, Brillenschlangen, Sportnieten und Loser aller Couleur. Verlag: Knesebeck 2010.

Auch die Mode mischt mit: Nerd Style oder Geek Chic

Das Spielen mit Nerd-Utensilien, wie eben der Nerd-Brille: oversized, Horngestell, Ray Ban Horngestell ohne Sonnenglas, ist immer wieder in. Jedermann/ oder Frau kann sich damit einen Hauch von Intellektualität verpassen.

 

 

  • Die richtige "unperfekte" Jeans dazu.
  • Der total im Trend liegende Pullunder, Loafer und Aktentasche dazu. Hot, hot, hot!

Die Nerds der Musik-Szene

N..E.R.D. oder N*E*R*D (Kurzform für No-one Ever Really Dies) ist eine US-amerikanische Hip-Hop/Rock Band, die sicher nicht zufällig die Ähnlichkeit des Begriffes gewählt hat. 

Aber auch Nerd-Academy oder Nerd-Alert haben nicht zufällig ihren Namen gewählt, sondern spielen eben mit dem Image vom Außenseiter und Computerfreak.

Einer, der schon von Beginn an mit dem Klischeebild Nerd geliebäugelt hat, ist der Sänger und Songwriter Moby. Seine Plattencover, und wie er auf ihnen dargestellt wird - blass, bebrillt, Anzug, bieder - zeigen den Prototyp, wie er leibt und lebt.

The Big Bang Theory - eine Sitcom

Zum Abschluss die Lieblingssendung Vieler. Die Serie Big Bang Theory hat im Mittelpunkt vier dieser liebenswerten Spinner, die Physiker Dr. Leonard Leakey Hofstadter, Dr. Dr. Sheldon Lee Cooper, Dr. Rajesh Ramayan Koothrappali und M.Eng. Howard Joel Wolowitz und ihre attraktive Nachbarin Penny. Ihr Leben und ihre Probleme mit dem Alltag werden kräftig durch den Kakao gezogen und kein Klischee aus der Welt der Nerds wird ausgelassen. Sehr publikumswirksam und sehr erfolgreich. Auch bei Nerds? Kaum, denn die schauen sich so etwas sicher nicht an.

 

Adele_Sansone, am 12.09.2013
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