Vom Trauerkleid zum Welterfolg

Über die Urheberschaft des kleinen Schwarzen streiten sich die Geister. Unumstritten ist, dass Coco Chanel in der US-Vogue 1926 das Foto eines kurzen schwarzen Chanel-Kleides veröffentlicht. Ein langer Pullover über einem schmalen Rock rücken Eleganz und Lässigkeit der Trägerin ins rechte Licht. Coco gilt als Erfinderin dieses Modells.

Doch schon 1884 macht ein schwarzes Kleid von sich reden: Der berühmte Portrait-Maler John Singer Sargent fertigt ein Porträt von Virginie Avegno Gautreau als "Madame X” an. Ohne es zu beabsichtigen löst er einen Skandal aus. Die Öffentlichkeit verabscheut die nackten Schultern der Dame und die Farbe schwarz. Schwarz gilt in der "guten Gesellschaft" als angemessene Farbe für trauernde Witwen. Doch dürfen diese sich nicht tief ausgeschnitten der Gesellschaft zeigen. Das ist unmoralisch.

Auch die amerikanische Designerin Netti Rosenstein bezeichnet sich als Erfinderin des kleinen Schwarzen. Sie kreiert bereits ab 1918 schwarze Kleider.

Coco versucht mit Mut und Kühnheit Vorurteile der Gesellschaft über das kleine Schwarze abzubauen. Es gilt in der feinen Gesellschaft lange Zeit als verrucht und nicht akzeptabel für eine anständige Frau. Jedoch sind zahlreiche Frauen von der neuen und bequemen Mode begeistert und lassen sich nicht mehr in "alte Röcke” stecken.

Das kleine Schwarze und die Filmbranche

Nach 1926 vermarktet die Filmbranche das schwarze Kleid. Beliebte Schauspielerinnen wie Rita Hayworth, Elisabeth Taylor oder Marilyn Monroe kleiden sich in Film und Fernsehen mit schwarzen Modellen. Doch Kaiserin unter den Diven ist Audrey Hepburn. Im Film "Frühstück bei Tiffany” 1961 kombiniert sie in ihrer Rolle als Holly Golightly das schwarze Kleid mit einem großen schwarzen Hut und schlichten Perlen. Damit geht sie in die Filmgeschichte ein.

Die amerikanische Zeichentrickfigur Betty Boop läuft ebenfalls im schwarzen Dress durch die Leinwand. Aus den Max-Fleischer-Cartoons stammt die niedliche Figur. Ihr Sexappeal ist ihr Markenzeichen. Sie startet 1930 in der Talkartoon-Reihe und verkörpert dort eine Mischung aus Pudel und Mensch. 1932 darf sie endlich Frau und Sexbombe sein. Für damalige gesellschaftliche Verhältnisse sehr gewagt.

 

Audrey Hepburn (Bild: skeeze / Pixabay)

Das kleine Schwarze heute

Auf der ganzen Welt kreieren Designer das kleine Schwarze immer neu. Es ist im Kleiderschrank fast jeder europäischen Frau zu finden. Trägerinnen verwenden es mit und ohne Gürtel, mit Jacke oder klassischem Schmuck. Verspielt geht auch - dann mit großen Ohrringen oder Rüschen verziert. Wichtig sind passende Schuhe. Perfekt wird der Look mit Hochsteck-Frisuren oder lässigem, offenen Haar.

An Stoffen gibt es heute für jeden Geschmack den passenden. Beliebt sind Mischgewebe, Baumwolle oder Wollkrepp. Edel sind Satin, Chiffon und Viskose. Satin ist ein Stoff mit einer glatten und besonders glänzenden Oberseite und einer matten Unterseite. Viskose ist ein Produkt aus natürlicher Cellulose. Er fällt leicht und locker und ist leichter waschbar als Baumwolle. Chiffon ist ein zartes Seidengewebe. Die Oberfläche ist fein und unregelmäßig. 

 

 

 

 

 

Hauptsache: schwarz!

 

 

 

 

Bildquelle: tookapic / Pixabay.com 

Fazit: Das kleine Schwarze verdient einen Platz im Kleiderschrank! 

 

 

 

 

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