Das Wort "Patient" existiert in vielen Sprachen und bedeutet "der Geduldige". An dieser Stelle soll versucht werden die Frage zu beantworten, wie viel Geduld ein Leidtragender bei Therapien aufbringen muss, um Wirkungen zu bemerken und einschätzen zu können. 

Polyarthritis Quelle: Uta Herbert Pixelio.de

Grundsätzliche Überlegungen

Einer Redensart zufolge, soll die Wirkung vieler Kuren stets am 3. Weihnachtsfeiertag nach dem 5. Schnaps eintreten. Damit ist wird ausgedrückt, dass Therapiewirkungen nur selten für konkret beurteilbar gehalten werden. Tatsache ist dagegen, dass...

1.... unser Körper in jedem Fall postwendend auf ihm von außen zugeführte Reize reagiert und, dass er unablässig bemüht ist, seine Funktionen im ständigen Gleichgewicht zu halten.

2.... deshalb nur Behandlungen sinnvoll sein können, die seine Bestrebungen die Normalität zu erhalten oder wiederherzustellen unterstützen, aber keinesfalls behindern.

3.... jede Behandlung die diese Zielsetzung erfüllt, eine sofortige und deutlich bemerkbare Verminderung bestehender Beschwerden bringt.

4.... Sie sich im Anschluss an jede richtig konzipierte Behandlung, schmerzfreier und wohler fühlen müssen. Sollte das nicht der Fall sein, sollten sich unmittelbar im Anschluss an eine Behandlung Beschwerden sogar noch zugenommen haben,

                                              dann wurden Sie falsch behandelt!

Die Erstverschlimmerung

Von manchen Therapeuten wird eine Erstverschlimmerung als Reaktion auf ihre Bemühungen erwartet und sofern sie auftritt, willkommen geheißen. Ist es das wirklich? Nein, auf keinen Fall, denn es muss durch diese Reaktion als bewiesen angesehen werden, dass der Organismus "überfahren" wurde.

Als bildhafter Vergleich dazu Deutschland nach dem letzten Krieg: Viel wurde zerstört und nach dem Krieg schöner als vorher und auch funktionell besser wieder aufgebaut. Das gelang aber nur durch Einstellung der Bombenabwürfe durch die Siegermächte und weiter mit deren finanzieller Hilfe. Folglich, welche Berechtigung haben Therapien, die (gleichsam kriegerisch) ihren Erfolg auf Erstverschlimmerungen aufbauen und sich in jeder Sitzung mit den gleichen Bombardierungen  wiederholen?

Unter der eingangs erwähnten Voraussetzung, dass der Körper auf von außen zugeführte Reize sofort regiert, lassen sich durch Beobachtung der Reaktionen während einer Behandlung Erstverschlimmerungen überwiegend nicht nur vermeiden, sondern durch Anpassung des Behandlungsprinzips ins positive Gegenteil verkehren.

Zusammenfassung: Nur "James Dean-Therapeuten" bauen auf Erstverschlimmerungen, "denn die wissen nicht, was sie tun".

Erstverschlimmerung, zweiter Teil

Häufig wird angenommen, dass Behandlungen ohne Erstverschlimmerung nicht wirksam sein können. Es wird darauf auf den Effekt der besseren Wiederherstellung nach Zerstörung gesetzt. Ergebnisse dieser Behandlungen sind von mehreren Faktoren abhängig:

Sofern die "Zerstörung" mäßig ist und der Körper genügend Kraft für den Wiederaufbau hat, wird das Behandlungsergebnis gut sein. Ist dagegen die Behandlung, das Bombardement, zu stark und oder der Organismus zu schwach, sind gravierende Zusammenbrüche möglich.

Wie viel Geduld muss sein?

Da war noch der neue Gast im Kurhotel, der auf jeden Fall Moorpackungen haben wollte: "Ich habe schon 30 Moorpackungen hinter mir aber da die bisher nicht geholfen haben, will ich damit weitermachen." Solche Ansichten sind natürlich gut für die Rendite des Hotels, ob sie aber auch für den Gast förderlich sind, steht auf einem anderen Blatt.

Grundsätzlich sollte von allen Therapieformen erwartet werden, dass bereits unmittelbar im Abschluss an die allererste Behandlung eine deutlich bemerkliche Verbesserung zu verzeichnen ist. Das bedeutet keineswegs, dass Sie nun "gesund" sind, sondern ist als Hinweis zu werten, auf dem richtigen Weg zu sein. Weitere Behandlungen erscheinen deshalb als sinnvoll.

Völlig anders die Situation, wenn nach einer Erstbehandlung überhaupt nichts geschehen sein sollte. Dabei könnte es sich um eine vorübergehende Reaktionsblockade des Körpers handeln und in diesen Fällen ist nichts gegen einen zweiten Behandlungsversuch einzuwenden. Sollte der jedoch ebenfalls ohne Ergebnis bleiben, dürften weitere Behandlungen wahrscheinlich ebenfalls aussichtslos sein.

Abonnemente

Vielfach werden 10 Sitzungen (Behandlungen) einer Therapie zu ermäßigtem Preis angeboten. Vergessen Sie die damit verbundenen vermeintlichen Vorteile und setzen Sie auf die Möglichkeit zu jedem Zeitpunkt eine Behandlungsserie abbrechen zu können, wenn sich Erfolge nicht einstellen. Denn, sollte sich im Verlauf des Abonnements herausstellen, dass es sich doch nicht um "Ihre" Therapie handelt, verteuert sich ein Behandlungsversuch dadurch erheblich.

Die Konsequenz in eigener Praxis

"Große Töne", mögen jetzt die Gedanken und Fragen vieler Leser sein, die sich fragen wie ich in meiner Praxis mit genau diesen, meinen hier erhobenen Forderungen umgehe. Die Antwort ist einfach: Sofern sich nach einer ersten Behandlung keine Zustandsverbesserungen ergeben, bin ich gerne bereit einen weiteren Behandlungsversuch zu wagen.

Sofern auch der ergebnislos verläuft, verweigere ich weitere Behandlungen und überlege zusammen mit meinem Patienten, welcher Fachmann (Facharzt etc.) zu Lösung beitragen könnte. 

Diätetische Therapien

Mit dem Begriff "Diätetik" ist hier keinesfalls die Reduktion des Gewichts gemeint, sondern die Anpassung der Nahrung an vorliegende Störungen. Idealerweise geschieht das in Folge internistischer oder ernährungsmedizinischer Untersuchungen, aus deren Ergebnisse sich die Notwendigkeit bestimmte Nahrungsmittel zu vermeiden, ergibt.

Darüber hinaus werden von immer mehr Menschen diätetische Produkte, wie beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate konsumiert. Das geschieht wahrscheinlich einerseits aus vorbeugenden Überlegungen heraus, aus der Auffassung Vitamine und Spurenelemente seien immer gesund, und andererseits vielleicht aus dem schlechten Gewissen heraus, sich mit Fertiggerichten und Fast Food sich nicht optimal ernährt zu haben. Werden deshalb ständig Ergänzungsmittel genommen, erscheint mir das bedenklich, denn auch die sind keineswegs absolut frei von Nebenwirkungen. 1)

Ein Versuch macht klug heißt es und dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings sollte auch hierbei nicht von vornherein von einer Dauereinrichtung ausgegangen werden. Einige wenige Tage Einnahme genügen, um die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit derartiger Mittel zu erfahren. Sofern sich danach keine Wirkung zeigt, ist es sinnvoller diese Präparate im Mülleimer zu entsorgen, statt sie weiter einzunehmen.

 

1) Aus Israel und der Schweiz wird über Leberzellschäden in Verbindung mit HERBALIFE-Produkten bei 22 Patienten berichtet. Nach meist mehrmonatiger Anwendung kommt es zu Müdigkeit, Appetit- und Gewichtsverlust, Gelbsucht beziehungsweise Hepatitis. Bei zwei Patienten wurden wegen akuter Hepatitis Lebertransplantationen erforderlich, die nur einem das Leben retten. (Quelle: http://www.arznei-telegramm.de/register/B4775BB.pdf)

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Vorsicht Orthopädie und weitere Themen

Der Link zur Behandlungsmethode für Therapeut/Innen 

Energetisch-Statische Behandlung ESB/APM

Klaus_Radloff, am 29.08.2010
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