Weniger Transfettsäuren in Süßwaren und Knabberartikeln
Deutlich geringere Gehalte bis hin zum kompletten Ersatz der Transfettsäuren wird angestrebtSüßwaren und Knabberartikel
Wie Trans-Fettsäuren entstehen
Aus bestimmten Fettsäuren können auf zweierlei Weise TFA entstehen. Einerseits können Trans-Fettsäuren natürlicherweise im Pansen von Wiederkäuern entstehen, dementsprechend sind sie Bestandteil des Fetts von aus ihnen gewonnenen Lebensmitteln (ruminante trans-Fettsäuren). Auf der anderen Seite können so genannte nicht-ruminante TFA bei der industriellen Herstellung und Verarbeitung pflanzlicher Öle entstehen oder auch als Nebenprodukte sowie beim starken Erhitzen von Fetten und Ölen.
Was sind und wie wirken Trans-Fettsäuren?
Bei den Trans-Fettsäuren handelt es sich um ungesättigte Fettsäuren. Natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende ungesättigte Fettsäuren liegen normalerweise in einer so genannten cis-Konfiguration vor. Im Gegensatz dazu sind TFA durch eine trans-Konfiguration charakterisiert, was beispielsweise deren physikalische Eingenschaften, ihre Verstoffwechselung und ihre Wirkung auf den Fettstoffwechsel beeinflusst. Daher ist beispielsweise der Schmelzpunkt von Trans-Fettsäuren erhöht und sie sind bei Raumtemperatur in der Regel halbfest bis fest.
Ob ruminant oder nicht – beide Arten von Trans-Fettsäuren zeigen laut verschiedener Interventionsstudien ähnliche unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit. Daher gilt für Trans-Fettsäuren die Empfehlung der Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH), dass sie in der Ernährung des Menschen nur weniger als 1 Prozent der Nahrungsenergie (1 Energieprozent) liefern sollten. Diese Aufnahme-Grenze gilt derzeit als gesundheitlich unbedenklich. Eine hohe Zufuhr an Trans-Fettsäuren gilt derzeit als gesundheitlich bedenklich, da sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.
Bundesregierung und Industrie verfolgen gemeinsame Strategie weiter
Bereits seit einiger Zeit werden die Gehalte an Trans-Fettsäuren in Lebensmitteln durch die Lebensmittelindustrie erfolgreich reduziert. Mittlerweile ist bei den Deutschen daher die Aufnahmemenge der Trans-Fettsäuren im Durchschnitt auf unter 1 Prozent der Nahrungsenergie gesunken. Damit wird die gesundheitlich unbedenkliche Obergrenze für die Aufnahme unterschritten. Dennoch wird sie nach wie vor von einigen Bevölkerungsgruppen noch überschritten, weshalb eine weitere Minimierung der Gehalte an Trans-Fettsäuren als erforderlich angesehen wird .
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), die Lebensmittelwirtschaft und wissenschaftliche Einrichtungen starteten bereits 2010 eine Initiative. Zur Minimierung nicht-ruminanter Trans-Fettsäuren wurden in einer gemeinsam entwickelten Rahmen-Leitlinie entsprechende Schritte vereinbart und auch Produkt-Leitlinien für die relevanten Produktbereiche verabschiedet. Allerdings müssen Trans-Fettsäuren nach wie vor weder auf Rohwaren noch auf Endprodukten angegeben werden.
Empfehlungen zur Aufnahme von Trans-Fettsäuren werden eher nicht überschritten
Laut TRANSFAIR-Studie lag die Zufuhrmenge an TFA in Deutschland in den Jahren 1995 – 1996 bei 0,8 Energieprozent. 80 Prozent der TFA hatten dabei ihren Ursprung aus Wiederkäuerfett und 20 Prozent aus gehärteten Fetten.
Eine Expositionseinschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) auf Basis von Daten der Nationalen Verzehrsstudie II von 2005 bis 2006 und TFA-Gehaltsdaten aus der Lebensmittelüberwachung von 2008 bis 2009 zeigte, dass der mittlere TFA-Verzehr in Deutschland bereits zwischen 0,77 und 0,92 Prozent der Nahrungsenergie lag. Lediglich ein Drittel der Männer zwischen 14 und 34 Jahren weist Überschreitungen auf: Sie nehmen mehr als 1 Energieprozent in Form von TFA – überwiegend aus dem Verzehr teilgehärteter Fette auf. Daher erscheint es dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) weiterhin wichtig, die Gehalte an nicht-ruminanten TFA in Lebensmitteln zu reduzieren.
Weitere Minimierung von Trans-Fettsäuren in Lebensmitteln
In der EU sind derzeit nur Höchstgehalte an TFA für Säuglingsnahrung und für Olivenöl festgelegt. In Deutschland werden seit fast 20 Jahren freiwillige Maßnahmen zur kontinuierlichen Reduzierung der TFA-Gehalte in Lebensmitteln umgesetzt. Solche Maßnahmen sind beispielsweise der Austausch von teilgehärteten Fetten gegen ungehärtete oder vollständig gehärtete Fette, da TFA ausschließlich bei der Teilhärtung entstehen. Hinzu kommen die Verbesserung der Härtungsbedingungen und Anpassungen der Rezeptur. Besonderen Erfolg bei der Minimierung der TFA-Gehalte hatte man bisher bei
-
Haushaltsmargarinen
-
süßen Brotaufstrichen, wie Nuss-Nougat-, Erdnuss- oder Milchschokokrem
-
feinen Backwaren und
-
Knabberartikeln, wie z.B. Kartoffelchips
Bezogen auf den Gesamtfettgehalt liegen die TFA-Gehalte hier unter 1 Prozent.
Die Rahmen-Leitlinie
Die Rahmen-Leitlinie der gemeinsamen Initiative definiert folgende Ziele:
-
Teilgehärtete Fette in Lebensmitteln sollen soweit wie möglich durch Alternativen ersetzt werden
-
Aufgrund produktspezifischer Besonderheiten gilt die Vorgabe, TFA-Gehalte so weit wie in vernünftiger Weise erreichbar, sinnvoll und technisch machbar zu reduzieren.
-
Alle – insbesondere die handwerklichen – Lebensmittelhersteller, aber auch die Produzenten von Fetten und Ölen zur Weiterverarbeitung in Lebensmitteln sowie Anbieter und Handel sollen verstärkt über die TFA-Diskussion aufgeklärt und über Möglichkeiten der TFA-Minimierung informiert werden.
Durch die Bestimmung des TFA-Gehalts in Lebensmitteln ist es möglich, die Umsetzung der Leitlinie in die Praxis zu beurteilen und das Ergebnis der Initiative zu bewerten.
Spezifische Produkt-Leitlinien
Spezifische Produkt-Leitlinien wurden von den Verbänden der Lebensmittelwirtschaft ergänzend zur Rahmen-Leitlinie erstellt. Hier werden die technologischen und sensorischen Bedingungen berücksichtigt und mögliche Alternativen benannt. Dies betrifft beispielsweise die Produktbereiche Knabberartikel und Feine Backwaren.
Die Produkt-Leitlinie für Feine Backwaren verfolgt das Ziel, in aller Regel keine teilgehärteten Fette und Öle zu verwenden, höchstens jedoch einen TFA-Gehalt von 2 Prozent im Gesamtfett. Viele Produkte enthalten bereits nicht gehärtete Fette statt teilgehärteter Fette – und dies größtenteils ohne Qualitätsverlust. Für so genannte Ziehmargarine – für die Herstellung von Blätterteiggebäck wichtige Fette mit einem höheren Schmelzpunkt – ist es derzeit noch notwendig, geeignete Alternativen zu finden. Teilweise wird jedoch bei einzelnen Produkten bereits jetzt vollständig auf teilgehärtete Fette verzichtet.
Bei den Knabberartikeln – hier insbesondere bei den frittierten Produkten – sollen per Festlegung in der Leitlinie keine teilgehärteten Fette und Öle eingesetzt werden. Dies gehört bereits jetzt zur gängigen Praxis. Als Alternative werden in der Regel hitzestabile Sonnenblumenöle mit erhöhtem Ölsäuregehalt eingesetzt. Auch hier liegen die TFA-Gehalte bereits jetzt durchschnittlich bei 1 Prozent und darunter.
Fazit und Ausblick
Die Rahmen-Leitlinie und auch die Produkt-Leitlinien werden durch die Verbände der Lebensmittelwirtschaft befürwortet und unterstützt. Die Umsetzung der Leitlinien ist jedoch nicht immer einfach. Zu den wesentlichen Herausforderungen gehören zum Beispiel die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Kennzeichnung der Lebensmittel.
Die neue Lebensmittelinformations-Verordnung gibt vor, dass der TFA-Gehalt weder auf Lebensmitteln für den Endverbraucher noch auf Rohwaren für die industrielle Herstellung freiwillig gekennzeichnet werden darf. Dies gilt entsprechend der Verordnung (EG) 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben auch für Hinweise auf einen niedrigen TFA-Gehalt. Ersetzen Hersteller beispielsweise ein teilgehärtetes Fett durch ein vollständig gehärtetes, ist derzeit nicht erkennbar, dass der TFA-Gehalt dadurch minimiert werden konnte. Denn sowohl teil- als auch vollständig gehärtete Fette werden in der Zutatenliste als "gehärtete Fette" aufgeführt. Mit der neuen Lebensmittelinformations-Verordnung (EU)1169/2011 ändert sich dies, denn hier ist geregelt, dass der Hinweis auf ein gehärtetes Öl ggf. mit dem Ausdruck "ganz gehärtet" oder "teilweise gehärtet" versehen sein muss. Diese Verordnung gilt ab Dezember 2014.
Aufgrund dieser unbefriedigenden derzeitigen Kennzeichnungsvorschrift fordert die Initiative eine Änderung der aktuellen Gesetzgebung mit der Möglichkeit einer freiwilligen Angabe der TFA-Gehalte.