Das alte Werk

Das alte Werk

Kunst aus sprödem Material. Aus harten Werkstoff, aus Eisen in nobler Schlichtheit. Die Hirzenhainer Tradition hat indessen ihre Wurzeln im ehemaligen östlichen Deutschland. Es hatte bereits 1798 im oberschlesischen Gleiwitz, in der "Königlichen Hütte" begonnen. Hier wurde nach künstlerischen Methoden Eisen abgegossen, zu Ofenplatten, zu Plaketten, Figuren und Reliefs. Dabei standen natürlich die verzierten Ofenplatten am Anfang der Entwicklung. Die stilistische Ausprägung des bald weit verzweigten Eisenkunstgusses war zunächst vor allem von Karl Friedrich Schinkel geprägt. Insgesamt kam es zur Ausprägung zweier Dekortypen: die eine griff die Ornamentik der antiken Architektur auf, und die andere folgte den Formen der Gotik. Mit anderen Worten: Vasen, Zierteller, Leuchter, Schreibutensilien wurden häufig in klassizistischer und in gotischer Form produziert.

Alte Tradition im hessischen Hirzenhain

Mit dem Zusammenbruch Deutschlands zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der Abtrennung Oberschlesiens begann dann die eigentliche Blüte des Buderus-Werkes Hirzenhain, das zwischen 1946 und 1950 entstand, zeitweise 2000 Mitarbeiter zählte und prädestiniert war, die alte Tradition des Eisenkunstgusses fortzuführen. Denn hier gab es schon seit 1375 eine Waldschmiede, die sich auch schon früher auf die Kunst des Eisenkunstguss verstanden hatte. Fortan wurden hier im hessischen Buderus-Werk Nachgüsse von Herd- und Kaminplatten aus fünf Jahrhunderten, Plastiken, Reliefs, Erinnerungstafeln, Wappenteller und Plaketten deutscher Städte und Länder gefertigt.

Bildhauer und Sammler Peter Lipp

Es war und ist eine besonders reizvolle Aufgabe zuvorderst für Bildhauer, zusammen mit Kunsthandwerkern – die sich auf die alte Gießkunst verstanden und verstehen – das flüssige Eisen im Sandbett zur Form werden zu lassen. Besonderes Verdienst kam da – zuerst in Gleiwitz, nach dem Weltkrieg in Hirzenhain - dem Bildhauer und Modellier Peter Lipp zu. Der in 1902 in Berlin geborene Bildhauer wurde nach dem Studium an der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Charlottenburg schon in jungen Jahren, 1924, an die Gleiwitzer Hütte berufen. Und nach Kriegsende holte ihn Buderus, jetzt mit Stammsitz in Wetzlar, nach Oberhessen.

Seiner künstlerischen Tätigkeit und dann auch seiner Sammlerleidenschaft ist es zu verdanken, dass heute das Buderus-Museum in Hirzenhain eine der reichhaltigsten Eisenkunstguss-Sammlungen in der Bundesrepublik besitzt. Das jedenfalls ist zum Glück erhalten geblieben.

 

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