Blick auf Zürich

Blick auf Zürich (Bild: strecosa / Pixabay)

1978 wurde der Film "Die Schweizermacher" unter der Regie von Rolf Lyssy gedreht. Er hat auch zum großen Teil das Drehbuch verfasst. Lyssy ist im Februar 2016 80 Jahre alt geworden. Die Schweiz würdigte diesen Anlass, den Film "Die Schweizermacher" wieder in seinem Fernsehprogramm SRF zwei zu zeigen. Auch auf 3sat lief er Anfang 2016 wieder.

Ein deutsches Ehepaar will in die Schweiz eingebürgert werden

In dem Spielfilm "Die Schweizermacher" geht es um die Einbürgerungsbeamten Max Bodmer (Walo Lüönd) und Moritz Fischer (Emil Steinberger. Sie sind in Zürich tätig. Dort überprüfen sie Personen, die in der Schweiz leben und die Schweizer Staatsbürgerschaft bekommen wollen.

Diese Überprüfungen dauern Wochen – mit einer einmaligen Befragung der Einbürgerungskandidaten ist es also nicht getan. Max Bodmer und Moritz Fischer befragen Nachbarn und Freunde über die Einbürgerungskandidaten. Es kann auch sein, dass sie die Einbürgerungswilligen überraschend besuchen oder sie beobachten.

Das deutsche Ehepaar Starke will die Schweizer Staatsbürgerschaft haben, weil Dr. Helmut Starke (Wolfgang Stender) eine eigene Praxis für Psychiatrie in der Schweiz eröffnen will. Deswegen sollte er Schweizer sein.

Er und seine Frau Gertrud (Hilde Ziegler) bemühen sich, den beiden Herrn Bodmer und Fischer zu gefallen. Auch wenn die erste Begegnung zwischen Dr. Starke und Herrn Bodmer nicht so abläuft, wie beide es sich vorstellten. Als Herr Bodmer nämlich im Wartezimmer der psychiatrischen Klinik sitzt, in der Herr Dr. Starke als Chefarzt arbeitet, wird er von zwei Pflegern überwältigt. Sie wollen ihn in eine Zwangsjacke stecken. Zum Glück kann Dr. Starke, der plötzlich auftaucht, das verhindern.

Er lädt Herrn Bodmer zu einem Abendessen zu sich nach Hause ein. Seine Frau kocht, und beide versuchen, Herrn Bodmer den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten.

Täglich hisst das Ehepaar Starke die Schweizer Flagge in ihrem Garten. Dabei werden sie hin und wieder von Bodmer und Fischer beobachtet, die das als positiven Punkt in ihren Akten notieren. Außerdem besucht das Ehepaar Starke am Abend einen Sprachkurs, um Schweizerdeutsch zu lernen.

Offizieller Kinotrailer des Films "Die Schweizermacher"

Ein Italiener möchte ebenfalls Schweizer werden

Der Italiener Claudio Caramaschi (Francesco Grimolli) wohnt schon lange in der Schweiz, aber ihm fehlt noch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Seine Frau (Silvia Jost) ist Schweizerin, nämlich im Tessin geboren und aufgewachsen. Die beiden haben zwei Kinder.

Herr Caramaschi arbeitet am Fließband einer Firma, die unter anderem Torten herstellt und verziert. Er und seine Familie versuchen, sich gegenüber allen Schweizern vorbildlich zu benehmen. Die Spaghetti zum Abendessen werden schnell weggeräumt, als Bodmer und Fischer zu Besuch kommen. Und am Sonntag spazieren sie im sonntäglichen Outfit an der Seepromenade Zürichs entlang. Dabei werden sie von Fischer und Bodmer beobachtet.

Eine jugoslawische Tänzerin möchte die Schweizer Staatsbürgerschaft bekommen

Milena Vakulic (Beatrice Kessler) ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind jugoslawische Einwanderer. Und gerade weil Milena schon immer in der Schweiz lebt, will sie endlich die Schweizer Staatsbürgerschaft haben.

Auch sie wird von den Herren Bodmer und Fischer befragt und beobachtet. Der konservative Einwanderungsbeamte Max Bodmer hat sie allerdings eher auf dem "Kieker", weil sie Tänzerin ist. Freiberuflerin – das ist für ihn ein triftiger Grund, sie für eine Einbürgerung in die Schweiz abzulehnen. Moritz Fischer dagegen ist schon bald fasziniert von Milena. Er verliebt sich in sie. Nach einem Auftritt in Zürich passt er sie ab, überreicht ihr einen Blumenstrauß und führt sie in ein Lokal. Daraus entsteht eine Partnerschaft, die Moritz Fischer versucht, vor Max Fischer geheim zu halten. An einem Sonntagmorgen wird Milena Vakulic durch einen unangekündigten Besuch von Max Bodmer überrascht. Moritz Fischer hat bei ihr übernachtet. Es gelingt ihm gerade noch, sich zu verstecken…

Das Schweizer Fernsehen erinnert sich zurück

Was den Film "Die Schweizermacher" ausmacht

Der Film ist nicht nur alleine sehenswert wegen der sehr guten schauspielerischen Leistungen von Walo Lüönd (der Schauspieler starb 2012), Emil Steinberger und der anderen Darsteller (Beatrice Kessler zum Beispiel). Nein, auch das Thema "Einwanderung" ist brisant und heute noch von hohem Interesse. Die Schweiz ist landschaftlich schön, man kann dort viel Geld verdienen – die Lebensqualität ist hoch. Und das sind schon immer Gründe dafür, in die Schweiz einwandern zu wollen und die Schweizerische Staatsbürgerschaft zu begehren.

Der Film "Die Schweizermacher" behandelt vier Personen, die genau diesen Wunsch haben. Einfach gemacht wird es ihnen nicht, Schweizer zu werden. Immer wieder werden sie beobachtet und müssen damit rechnen, unangemeldet Besuch der Schweizer Einwanderungsbeamten Bodmer und Fischer zu bekommen. Der Schluss des Films gefällt mir – so wie der ganze Film. Er ist für mich nachvollziehbar. Die Fragen "Wer wird Schweizer – und gibt es Personen, die abgelehnt werden?" werden beantwortet.

Wer sich mit der Einbürgerungspraxis der Schweiz beschäftigt, wird merken, dass der Film zwar an vielen Stellen übertrieben ist – aber dennoch viel Wahrheit in der Filmhandlung steckt. Der folgende Dokumentarfilm aus dem Schweizer Fernsehen soll das verdeutlichen.

Über die Schweizermacher heutzutage berichtet folgende Dokumentation aus dem Jahre 2015:

Schweizermacher haben immer noch eine wichtige Funktion

In dieser Dokumentation aus dem Schweizer Fernsehen vom Februar 2015 geht es nicht um die Einbürgerung von Kriegsflüchtlingen. Es geht um Personen aus Deutschland, aus den USA, aus dem Kosovo und anderen Ländern, die in der Schweiz leben und arbeiten. Sie möchten aus der Schweiz nicht mehr wegziehen, weil sie schon einige Jahre dort leben und weil es ihnen dort gefällt. Sie fühlen sich schon lange als Schweizer - aber sie möchten noch eine Einbürgerungsurkunde haben, damit ihr Glück perfekt ist.

Um Schweizer zu werden – also eine "Niederlassungsbewiliigung" zu erhalten -, sollte man seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz leben und gut integriert sein. Was "gut integriert" bedeutet, entscheidet jeder Kanton und jede Gemeinde selbst.

Es genügt also nicht, in der Schweiz geboren zu sein. Wenn die Eltern die gerade erwähnte "Niederlassungsbewilligung" für die Schweiz nicht haben, sind ihre Kinder ebenfalls keine Schweizer, auch wenn sie in der Schweiz geboren sind. "Gut integriert" zu sein, bedeutet, dass man einen Job in der Schweiz hat oder eine Schule dort besucht. Viele Einbürgerungswillige haben außerdem Schweizerdeutsch gelernt und praktizieren diesen Dialekt auch.

Wer also gut integriert ist und mindestens zehn Jahre in der Schweiz lebt, muss sich zuerst einmal einem Einbürgerungs- und Sprachtest unterziehen. Wer diese Tests besteht, bekommt die Schweizer Staatsbürgerschaft jedoch immer noch nicht. Die Gemeinde, in der die Einbürgerungswilligen leben, entscheiden in einer Versammlung, ob diese Personen dort weiterhin wohnen bleiben dürfen oder nicht.

Wer von einer Schweizer Gemeinde als Einwohner akzeptiert wurde, muss dann noch auf die Entscheidung des Kantons warten, ob sie/er die Schweizer Staatsbürgerschaft bekommt oder nicht. Hier gibt es unterschiedliche Kriterien. Der Kanton Bern beispielsweise besteht darauf, dass man den Sprach- und Einbürgerungstest bestanden hat. Um vom Kanton Basel die Staatsbürgerschaft zu bekommen, ist es nicht notwendig, diese Tests bestanden zu haben. 

Was lernen wir daraus?

Wer die Schweizer Staatsbürgerschaft haben will, muss geduldig sein. Wer gut integriert ist und schon zehn Jahre und länger in der Schweiz lebt, kann – trotz bestandenem Einbürgerungs- und Sprachtests – immer noch abgelehnt werden.

Vergleicht man den Film "Die Schweizermacher" und die Dokumentation aus dem Schweizer Fernsehen von 2015, bemerkt man, dass sich zwischen 1978 und 2015 nicht viel geändert hat. Auch 2016 haben diese Bestimmungen Gültigkeit - nachzulesen ist das auf der Internetseite ch.ch - einer Dienstleistungsseite des Bundes, der Kantone und Gemeinden in der Schweiz. Die Schweizer sind unverändert streng bei der Antwort auf die Frage, wer dauerhaft in ihrem Land wohnen darf und wer nicht.

Man wird zwar nicht unablässig von Schweizer Einwanderungsbeamten beobachtet, wie es im Film "Die Schweizermacher" der Fall ist. Aber man muss damit rechnen, dass sein Schicksal in der Schweiz von vielen "Schweizermachern" entschieden wird. Also Menschen, die in Gemeinden und Kantonen darüber bestimmen können, wer Schweizer wird und wer nicht.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings. Wer einmal abgelehnt wurde, kann erneut versuchen, die Schweizer Staatsbürgerschaft zu bekommen. Es gibt Menschen, die mehrere Versuche benötigten, bis sie endlich Schweizer Staatsbürger wurden.

(Quellen: Schweizer Fernsehen und de.wikipedia.org)

Ein weiterer empfehlenswerter Artikel zum Thema "Schweiz" ist:

https://pagewizz.com/warum-ist-es-in-der-schweiz-so-teuer-35434/

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