Die Kleine Eiszeit – Klimakatastrophe der Neuzeit

In der frühen Neuzeit gab es in Europa jedoch eine Zeit, wo das Wetter außergewöhnlich kalt war. Die Jahresdurchschnittstemperaturen sanken um 1,5 Grad. Die Landwirtschaft musste große Verluste hinnehmen. Die Kleine Eiszeit im 16. und 17. Jahrhundert zeichnete sich durch lange kalte und schneereiche Winter und feuchte Sommer aus. Missernten waren ebenso die Folge wie dadurch bedingte Hungerkatastrophen und Seuchen. Heute sind die Ursachen für die Wetteranomalien während der Kleinen Eiszeit weitestgehend bekannt. Die Menscher der frühen Neuzeit wussten jedoch nichts von einer Zunahme der vulkanischen Aktivität, von Sonnenflecken oder anderen naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchen. Sie sahen in der Klimaveränderung eine Strafe Gottes und ein Hexenwerk. Die Hexenverfolgungen in Europa nahmen in dieser Zeit dramatisch zu.

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Wetterhexen und Schadenszauber

Dem überwiegenden Teil der verfolgten Hexen wurde vorgeworfen, "Wetter zu machen" oder einen Schadenszauber auf Hof und Vieh zu senden. Besonders Gewitter und Hagel waren damals sehr gefürchtet, da sie großen Schaden in der Landwirtschaft anrichten konnten. Nach schweren Unwettern wurde daher gerne ein "Schuldiger" gesucht. Die großen Wellen der Hexenverfolgungen in Europa bilden erstaunliche Parallelen mit den Kälteperioden der Kleinen Eiszeit. In der Bevölkerung nährte sich der Wahn, dass Hexen für die Missernten und Unwetter verantwortlich wären. Das Bild der Hexe diente in der Bevölkerung als Sündenbock für das Elend, dass das Wetter verursachte. Der Ruf nach Vergeltung wurde laut. Tausende Unschuldige, die der "Wettermacherei" bezichtigt wurden, landeten auf den Scheiterhaufen. Mit Beginn der Aufklärung, als auch das Wetter wieder wärmer wurde, fanden die Hexenprozesse allmählich ein Ende.

Bauernregeln: Aberglaube oder naturwissenschaftliche Beobachtungen?

Die Bauern, die immer schon sehr vom Wetter abhängig waren, hatten schon früh versucht ihre Beobachtungen in Bezug auf das Wetter in Form von Reimen, den Bauernregeln, festzuhalten. Diese reichen vielfach schon auf die Zeit vor der Christianisierung zurück. Mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders kam es zu einer Verschiebung der Tage, wodurch heute einige Bauernregeln nicht mehr taggenau zutreffen. Die Bedeutung der Bauernregeln ist umstritten. Einige stellen recht genaue naturwissenschaftliche Beobachtungen dar, andere sind purer Aberglaube. Ein Zutreffen der Bauernregeln ist auch von Region zu Region verschieden. Für den Siebenschläfertag ("Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag") fand man zum Beispiel heraus, dass die Vorhersagekraft in Bayern bei 80 Prozent liegt, in Hamburg trifft die Regel dagegen kaum zu.

Die geweihte Wetterkerze soll vor Schaden schützen

Gegen Wetterzauber und bei drohendem Unwetter wurden so genannte Wetterkerzen oder Gewitterkerzen angezündet. Im Volksaberglauben dienten sie dazu Schaden von Haus, Hof, Ernte und Vieh abzuwehren. Wetterkerzen waren traditionell schwarz, damit man sie von den andern Kerzen im Haushalt unterscheiden konnte. Zumeist hatten sie Verziehrungen in Form von Banderolen, Marienbildern oder Abbildungen des Wallfahrtsortes, an dem sie gekauft wurden. Wie alle Kerzen für christliche Rituale, musste auch die Wetterkerze vor der Verwendung geweiht werden, um wirksam zu sein. Die Kerzenweihe findet auch heute noch zu Maria Lichtmess statt.

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