Sonnensymbole

Die Sonne wurde immer schon von Mythen umrankt. Da es anfangs mit den Worten noch haperte, griff man zu Bildern. Vor der Sprache kam das Bild. Nach und nach schliffen sich Bilder zu Zeichen ab.

Was kennen wir an bildlichen Sonnendarstellungen?

Naheliegende Verbildlichungen waren die Sonnenscheibe, ihre Strahlen und die goldene Farbe der Sonne. In allen erdenklichen Formen und Varianten. Die Sinne erfuhren die Sonne als wärmende Strahlen und goldgleissendes Licht. Ihre Sinneserfahrungen versuchten die Menschen im Bild zu fixieren, sich zugänglicher zu machen, sie zu begreifen und festzuhalten. Am weitesten verbreitet war die Spirale.

Was genau sich die Menschen, die auf Vasen, Figurinen, Grabstätten, Götterdarstellungen und so weiter Spiralen hinterliessen, dabei gedacht haben, ist Gegenstand von Spekulation. An dieser Spekulation beteiligen sich Paläontologen, Archäologen, Mythologen, Soziologen und Psychologen mit unterschiedlich überzeugenden Ergebnissen.

"Swastika" nannten die vedischen Inder die Spiraldarstellung in Form eines vierarmigen Drehkreuzes. Die war bereits 5.000 v.Chr. im östlichen Donauraum allgegenwärtig. In Darstellungen und Schriftzeichen der Vinca-Kultur. Das Sonnensymbol, dessen vedischer Name "alles wird gut" bedeutet, fand sich bald in ganz Europa und Asien. Sogar in Amerika.

Die Sonne als Schlange

Bei den frühen Menschen war die Sonne weiblich. Wie auch anders? Die Rolle des Mannes bei der Fortpflanzung war noch nicht durchschaut und dementsprechend war alles Schöpferische weiblich. Die Strahlen der Sonne wurden mit Schlangen verglichen. Später machten die Strahlen sogar als eigenständige Schlangengottheiten Karriere.

Ausser in der bereits erwähnten Vinca-Kultur auch auf Kreta und bei den Ubaiden zwischen Euphrat und Tigris. Medusa und ihr Haupt von Schlangen war ein für alle frühen Menschen problemlos verständliches Sonnensymbol. Als man später die Götter erfand, wurde das Sonnensymbol zur Sonnengöttin. Der Transfer gelang reibungslos.

Erst nachdem die Männer begriffen hatten, dass sie am Fortbestand der menschlichen Rasse nicht ganz unbeteiligt waren, änderte sich die Situation. Die Männer drängten mit Macht ans Ruder und setzten für dieses Ziel alle mythographischen Hebel in Bewegung. Frauen und Mütter wurden Stufe um Stufe nach unten geschubst, bis sie bei den drei K gelandet waren: Küche, Kinder und Kirche. Die dabei im Wege stehenden alten Muttergottheiten wurden kurzerhand zu männlichen Gottheiten gemacht oder zu Dämonen verunglimpft.

Mutter Sonne wurde zum Sonnengott. Ihr uraltes Symbol mit dem Schlangenkopf zur dämonischen Medusa, deren Anblick jeden Mann zu Stein erstarren liess.

"Alles wird gut"???

Im 19. Jahrhundert bemächtigte sich die deutsche Thule-Gesellschaft der speziellen Darstellung des Sonnenrades. Diese von krankhaften Rassenideen geplagte Gesellschaft und ihr Umfeld waren der üppige Nährboden, auf dem der Nationalsozialismus sich entwickeln sollte.

Der Thule-Gesellschaft ist es letztlich zu verdanken, dass Adolf Hitler und seine Gefolgsleute das uralte Sonnensymbol "alles wird gut" der skrupellosesten Massenvernichtung der Menschheitsgeschichte vorantrugen. Das uralte Symbol für die Mutter Sonne wurde zum Banner einer Bewegung von entarteten Männern. Die Swastika geriet auf unabsehbare Zeit in Misskredit.

Ein Beispiel dafür, wie leicht Mythographen Mythen und Symbole für ihre Zwecke umdeuten und missbrauchen können.

 

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