Wie die Deutsche Bank anfing und was Gründer daraus lernen
Unternehmertum beginnt früh: Was Kinder brauchen, wie Unternehmen unterstützen können und welche praktischen Schritte heute Mut, wirtschaftliches Denken und Zukunftskraft fördern.Ein unscheinbarer Anfang

Als die Deutsche Bank im Frühjahr 1870 ihre ersten Schritte machte, war von Größe oder Glanz nichts zu sehen. Das Büro in der Französischen Straße 21 in Berlin war ein schlichtes, eher heruntergekommenes Gebäude. Die Ausstattung war spärlich, die Räume eng, und selbst grundlegende Dinge wie die Wasserzufuhr mussten erst geregelt werden, dokumentiert durch eine Wassergebühr von acht Talern, eines der ältesten erhaltenen Schriftstücke der Bank.
Georg von Siemens
Die Gründer, Georg von Siemens und Adelbert Delbrück, arbeiteten in dieser Anfangsphase mit wenigen Mitarbeitenden und erledigten vieles selbst. Entscheidungen wurden schnell getroffen, Aufgaben pragmatisch verteilt, und der Alltag war geprägt von Improvisation. Doch genau in dieser Mischung aus Einfachheit und Entschlossenheit lag die Kraft des Anfangs: Die Vision war groß, die Mittel klein ein Muster, das viele Gründungen bis heute kennen.

Adelbert Delbrück
Für heutige Gründer steckt darin eine zeitlose Botschaft: Man braucht kein perfektes Umfeld, um zu starten. Was zählt, ist der Mut, die ersten Schritte zu gehen, auch wenn die Rahmenbedingungen unscheinbar oder sogar widrig wirken.
Fotos: Historisches Institut der Deutschen Bank
Mind Your Own Business | Das erfolgreiche Familienunternehmen: Ein prakt...Nur 19,43 EUR | Madam C.J. Walker für Kinder: Wie Selbstvertrau...Nur 5,12 EUR |
Unternehmerischer Geist im Jahr 1870
Die Gründer der Deutschen Bank arbeiteten in einer Zeit, in der vieles im Fluss war: politische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, ein sich rasant veränderndes Finanzsystem. Doch gerade in diesem Umfeld zeigte sich der Unternehmergeist, der die Bank von Beginn an prägte. Entscheidungen wurden nicht in langen Gremienrunden getroffen, sondern direkt am Schreibtisch der Gründer.
Siemens und Delbrück setzten auf persönliche Netzwerke, internationale Kontakte und eine klare Vorstellung davon, welche Rolle eine deutsche Bank im globalen Handel spielen sollte.
Bemerkenswert ist, wie viel Eigeninitiative in diesen frühen Monaten sichtbar wird. Die Gründer übernahmen Aufgaben, die heute ganze Abteilungen beschäftigen würden: von der Organisation der Geschäftsräume über die Personalplanung bis hin zu strategischen Weichenstellungen. Sie handelten schnell, pragmatisch und mit einem ausgeprägten Sinn für Chancen.
Für heutige Gründer ist das ein starkes Signal: Unternehmertum entsteht nicht aus perfekten Strukturen, sondern aus Haltung. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und sich nicht von Unsicherheiten lähmen zu lassen, schafft die Grundlage für Wachstum damals wie heute.
Foto:Pixabay
Visionen trotz widriger Umstände
Die Gründung der Deutschen Bank fiel in eine Zeit voller Unsicherheiten. Dennoch hielten die Gründer an ihrer Idee fest, einer Bank, die deutsche Unternehmen im internationalen Handel stärkt. Diese Vision war größer als die politischen Turbulenzen ihrer Gegenwart.
An dieser Stelle drängt sich das berühmte Bonmot von Helmut Schmidt auf: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Ein Satz, der oft zitiert wird, aber selten im richtigen Licht. Denn Schmidt meinte damit keine fehlende Vorstellungskraft, sondern die Gefahr, sich in Luftschlössern zu verlieren. Die Gründer der Deutschen Bank taten das Gegenteil: Sie verbanden ihre Vision mit konkreten Schritten, klaren Zielen und pragmatischem Handeln.
Gerade darin liegt die zeitlose Lehre für heutige Gründer. Visionen sind wichtig aber sie brauchen Bodenhaftung. Wer beides verbindet, kann auch in unsicheren Zeiten etwas Dauerhaftes schaffen.
Der Blick nach vorn: Erste große Weichenstellungen
Während im Alltag der jungen Deutschen Bank noch vieles improvisiert war, dachten die Gründer bereits in größeren Linien. Nur wenige Tage nach der Wasserrechnung vom 2. Mai 1870 findet sich ein weiteres Dokument: ein Schreiben vom 3. Mai, das die Vorbereitung der Börsennotierung thematisiert. Es zeigt, wie früh Siemens und Delbrück strategische Schritte planten, die weit über den unmittelbaren Betrieb hinausgingen.
Diese frühe Kombination aus operativer Bodenhaftung und strategischem Weitblick ist bemerkenswert. Die Gründer ließen sich nicht vom provisorischen Umfeld begrenzen. Sie handelten, als wäre das Unternehmen bereits das, was es erst werden sollte. Genau darin liegt ein Prinzip, das viele erfolgreiche Gründungen teilen: Die Zukunft wird nicht abgewartet, sie wird vorbereitet.
Für heutige Gründer ist das ein wertvoller Impuls. Wer sich nur mit dem Tagesgeschäft beschäftigt, verliert leicht die Richtung. Wer aber gleichzeitig die nächsten Schritte im Blick behält Partnerschaften, Märkte, Strukturen, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Die frühen Dokumente der Deutschen Bank zeigen, wie kraftvoll dieser doppelte Fokus sein kann.
Was moderne Gründer aus 150 Jahren Geschichte lernen könnten
Die frühen Dokumente der Deutschen Bank zeigen ein Muster, das bis heute gilt: Große Entwicklungen beginnen im Kleinen. Nicht mit perfekten Bedingungen, sondern mit Mut, Klarheit und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Klein anfangen ist kein Makel es ist ein Prinzip
Die ersten Räume der Bank waren schlicht. Trotzdem entstand dort eine Idee, die weit über die Gegenwart hinausreichte. Wer gründet, muss nicht groß starten, sondern entschlossen.
Entscheidungen schlagen Perfektion
Siemens und Delbrück warteten nicht auf ideale Umstände. Sie handelten. Sie probierten aus. Sie korrigierten. Genau das unterscheidet Gründer von Zauderern.
Vision braucht Bodenhaftung
Die Gründer hatten ein Ziel aber sie verbanden es mit konkreten Schritten. Das ist der Unterschied zwischen einer Vision und einer Illusion. Oder, um Helmut Schmidt zu bemühen: Visionen sind nur dann gefährlich, wenn sie nicht geerdet sind.
Unsicherheit ist normal
1870 war ein unruhiges Jahr. Trotzdem wurde gegründet. Wer heute wartet, bis alles stabil ist, wartet oft zu lange. Chancen entstehen selten in ruhigen Zeiten.
Zukunft entsteht aus Weitblick
Während der Alltag noch improvisiert war, planten die Gründer bereits die Börsennotierung. Wer früh an morgen denkt, schafft Strukturen, die tragen.
Netzwerke sind Gold wert
Die Gründer nutzten persönliche Kontakte, internationale Beziehungen und Vertrauen. Auch heute gilt: Kein Unternehmen wächst von alleine.
Foto:Pixabay
Doch eines hat sich seit 1870 verändert:
Die Hürden für Gründer sind heute andere. Viele scheitern nicht an ihrer Idee, sondern an Formularen, Auflagen und bürokratischen Anforderungen, die in Deutschland oft komplex und zeitintensiv sind.
In anderen Ländern, Spanien wird häufig genannt, geht eine Gründung deutlich schneller. Hinzu kommt etwas, das man in keiner Statistik findet: Die strengen Bestimmungen lassen wenig Raum für kreativen Spaß, für spielerisches Ausprobieren, für jene Leichtigkeit, aus der oft die besten Lösungen entstehen. Dazu kommen steuerliche Belastungen und der ständige, finanziell begründete Spagat zwischen Arbeit und Familie. Gründe, die viele Unternehmungen schon im Ansatz verhindert.
Und noch etwas gehört zum Unternehmergeist, über das selten gesprochen wird:
Er entsteht nicht erst im Erwachsenenalter, sondern viel früher. Kinder brauchen Gelegenheiten, wirtschaftliches Denken spielerisch zu erleben zum Beispiel Tauschgeschäfte, kleine Entscheidungen, erste Erfahrungen mit Mengen, Werten und Mathematik. Doch das heutige Schulsystem bietet dafür kaum Raum. Viele junge Erwachsene sind finanziell abhängig, ohne je gelernt zu haben, wie man mit Geld gesund umgeht oder wie man Gewinn und Verlust einschätzt. Dabei prägen genau diese frühen Vorstellungen später, wie jemand ein Unternehmen führt, Risiken bewertet oder Chancen erkennt. Unternehmertum beginnt im Vorschulalter nicht mit einem Businessplan. Vielleicht spüren wir gerade deshalb so deutlich, wie wichtig ein verlässliches Umfeld für junge Menschen ist in einer Zeit, in der viele Erwachsene mit Resignation und Angst ringen.
Bevor der Blick zurück ins Jahr 1870 endgültig in die Gegenwart übergeht, lohnt ein Gedanke an die Rolle der Unternehmen heute: Gerade in Regionen mit vielen Fachschulen und Betrieben können Unternehmen jungen Menschen Räume öffnen, in denen Unternehmergeist wachsen kann. Kleine Projekte, echte Einblicke, Verantwortung auf Probe all das hilft Jugendlichen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und eigene Ideen zu entwickeln. Wer früh erlebt, dass Kreativität willkommen ist und Fehler zum Lernen gehören, entwickelt Mut und Selbstvertrauen. Unternehmen, die solche Erfahrungen ermöglichen, fördern nicht nur Talente, sondern stärken ihre gesamte Region.
Fotos:Pixabay
Gerade deshalb lohnt der Blick zurück
Die Geschichte von 1870 erinnert daran, dass Unternehmertum immer ein Ringen ist damals gegen Unsicherheit, heute gegen Bürokratie und Zeitdruck.
Doch der Kern bleibt unverändert: Mut, Klarheit und der Wille, den ersten Schritt zu gehen. Wer sich davon leiten lässt, kann auch unter schwierigen Bedingungen etwas aufbauen, das Bestand hat.
Fazit
Die frühen Dokumente der Deutschen Bank zeigen, wie wenig Perfektion ein Anfang braucht. Ein schlichtes Büro, eine Wasserrechnung, zwei entschlossene Gründer mehr war es nicht.
Heute sind die Herausforderungen andere: komplexe Unterlagen, lange Verfahren, strenge Bestimmungen, die oft wenig Raum für kreativen Spaß lassen. Genau dieser spielerische Zugang, das Ausprobieren ohne Angst vor Fehlern, ist jedoch die Quelle vieler guter Ideen. Dazu kommen steuerliche Belastungen und der ständige Spagat zwischen Arbeit und Familie, der viele Unternehmungen schon im Ansatz ausbremst.
Bildquelle:
Oekom-Verlag
(Rezension: Eat. Sleep. Work. Die? Wirtschaft neu verstehen)



