Was ist "Blutdruck" überhaupt?

Wer sich beim Hausarzt regelmäßig durchchecken lässt, der weiß, dass das Blutdruckmessen ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung ist. Wenn der Wert "gut" ist, dann liegt er bei
120 mmHG (Millimeter Quecksilbersäule) im oberen Bereich und 80 mmHG im unteren Bereich. Man spricht vom systolischen und diastolischen Wert. 

  • systolischer Blutdruck = oberer Wert
  • diastolischer Blutdruck = unterer Wert

Damit das Blut in alle Organe und in die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) gelangt, muss es mit Druck aus dem Herzen gepumpt werden. Das Herz zieht sich zusammen, und das Blut schießt durch die Arterien in alle Organe und Adern. Hier ist dann der systolische Blutdruck, der obere Wert beim Messen, erreicht. Wenn das Herz sich entspannt und kein Blut mehr in die Arterien pumpt, sinkt auch der Blutrdruck. Jetzt spricht man vom diastolischen Wert.

Blutdruck messen ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Untersuchung (Bild: Maik Meid / Flickr)

Der Blutdruck wird durch ein komplexes System gesteuert

In der Bundesrepublik Deutschland gilt die Hypotonie als Krankheit, im Ausland allerdings nicht, weshalb niedriger Blutdruck in anderen Ländern scherzhaft "german disease" (deutsche Krankheit) genannt wird. Allerdings kann Hypotonie auch auf eine ernsthafte Organerkrankung hindeuten wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wo der Stoffwechsel im Zeitlupentempo abläuft oder eine Herzmuskelschwäche, die dazu führt, dass das Blut nicht mit der erforderlichen Power in den Kreislauf gepumpt wird. 

Regeln bei Hypotonie: Kurz und knackig im Video erklärt

Der Blutdruck wird über verschiedene Hormone, das vegetative Nervensystem, das Gehirn, das Herz und die Nieren gesteuert sowie über die Blutgefäße, die über die von Nerven gesteuerten Muskeln verengt oder geweitet werden. Die wichtigsten Faktoren für die Steuerung des Blutdrucks sind: 

  • Herzfrequenz und Herzschlagvolumen
  • Blutvolumen
  • Gefäßdurchmesser
  • Steuerung des Kreislaufzentrums

Das Kreislaufzentrum sendet bei einem Anstieg des Blutdrucks Impulse an das vegetative Nervenzentrum, das dem Herz signalisiert, den Herzschlag zu verlangsamen. Die arteriellen Blutgefäße weiten sich, der Gefäßwiderstand wird vermindert, macht dem Blut die Bahn frei, der Blutdruck sinkt.

Ist der Blutdruck ist zu niedrig, sorgt das vegetative Nervensystem dafür, dass sich der Herzschlag beschleunigt, die Gefäße sich verengen und dadurch das Blut langsamer fließt. Dies sind die Mechanismen, die der Körper bei einem gesunden Menschen bereit hält, um den Blutdruck im Gleichgewicht zu halten.

Stresshormone und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)

Neben alltäglichen Regulationsmechanismen wird der Blutdruck auch noch durch die Ausschüttung von Stresshormonen oder über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) beeinflusst. Droht Gefahr, saust der Blutdruck in kürzester Zeit nach oben. Der Organismus muss sich für Flucht oder Angriff entscheiden. Für beide Varianten benötigt der Organismus Energie in Form von Zucker und Fetten sowie genügend Sauerstoff. Blutdruck und Puls schnellen in kürzester Zeit nach oben, um die Muskulatur ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Nervenimpulse und Stresshormone beeinflussen diesen Stoffwechselvorgang. Das Hormon Adrenalin spielt hierbei eine herausragende Rolle. Innerhalb einer Zehntelsekunde wird es aktiv und sorgt für ausreichend Power. Ist die Gefahr vorbei, normalisiert sich der Blutdruck wieder.

Sinkt der Blutdruck, wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System in Gang gesetzt. RAAS aktiviert ein miteinander korrelierendes Enzym-Hormon-System, das den Blutdruck sehr differenziert reguliert. Die einzelnen Bausteine des RAAS führen bei plötzlichem Blutdruckabfall, mangelnder Flüssigkeitszufuhr und Flüssigkeitsverlust dazu, dass das Wasser und Salze im Körper zurückgehalten werden und lösen Durstgefühl und Salzhunger aus, um das Defizit auszugleichen. Damit das RAAS nicht über das Ziel hinaus schießt, schalten sich automatisch Rückkopplungsmechanismen ein.

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinen ärztlichen Rat ersetzt. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen.

Krimifreundin, am 27.06.2015
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Bildquelle:
Sarah Blatt/pixelio.de (Langschläfer oder Frühaufsteher: wie unsere biologische Uhr tickt)

Autor seit 5 Jahren
227 Seiten
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