Carl von Linné

Gehen wir mal der wichtigsten Frage nach:  Wer war Carl von Linné?

Carl Linnaeus/Carl von Linné, 1707 bis 1778, schwedischer Arzt und Botaniker, Naturforscher aus Leidenschaft suchte nach einer Ordnung in der Vielfalt des Lebens. Ihm gelang es, die in der Natur vorkommenden Arten (Species) eindeutig zu benennen (binäre Nomenklatur) und sie in einem hierarchischen System zu ordnen. In seinem Werk "Systema naturae" beschrieb er 1735 insgesamt 4.236 Tiere und mehr als 8.500 Pflanzen.

Linné eröffnete mit der binären Nomenklatur endlich eine Möglichkeit für jedes Lebewesen, ob Tier oder Pflanze, aus einer Kombination von lateinischen Gattungs- und Artnamen (zwei Begriffen) erstmals eine international eindeutige Bezeichnung einzuführen. Ein genial einfaches System.

  • Eine Art (Spezies), ob Pflanze oder Tier, wird so eindeutig erkennbar bezeichnet. Sämtliche lokalen liebevollen Volksnamen für ein und dasselbe Tier oder Blümlein können keine Verwirrung mehr stiften.
  • Beispiel: Die Gattung "Salvia" wird großgeschrieben, die Artbezeichnung (das Artepitheton) "officinalis", wird kleingeschrieben; Salvia officinalis=echter Salbei.
  • Gattung "Apis" (Bienen) wird die Honigbiene als Apis melifica (die honigmachende) bezeichnet.


Lesetipp: Botanische Bezeichnungen und was sie bedeuten

 

Die Blumenuhr von Carl von Linné

Carl von Linné war auch begeisterter Gärtner. Jede Pflanze stellte er fest, hat ihren eigenen Biorhythmus – sie öffnet und schließt ihre Blüten zu ziemlich festgelegten Tageszeiten. Das hatte Carl von Linné im 18. Jahrhundert erkannt und daraus seine berühmte Blumenuhr gestaltet. Linné soll es sogar möglich gewesen sein, die Zeit von seiner Blumenuhr in Uppsala vom Fenster aus bis auf fünf Minuten genau ab zu lesen.

In der schwedischen Stadt Uppsala im Jahre 1745 wurde nach seinen Pflanzplänen die erste Blumenuhr der Welt geschaffen.

Seine Idee, eine Blumenuhr zu pflanzen, findet auch heute noch Nachahmer. Floral Clocks - Horloge de flore - sind auch heute noch beliebt und in vielen Parks und Schlossgärten anzutreffen.

Eine solche Blumenuhr wurde auf Mainau gestaltet.

Blumen und ihre Uhrzeiten

Öffnungszeiten der Blüten:
05:00 Uhr: Kürbis
05:00 Uhr: Mohn
05:00 Uhr: Wegwarte
06:00 Uhr: Zaunwinde
07:00 Uhr: Seerose
07:00 Uhr: Huftlattich
07:00 Uhr: Frauenmantel
08:00 Uhr: Sumpfdotterblume
09:00 Uhr: Enzian
09:00 Uhr: Margerite
10:00 Uhr: Sauerklee
11:00 Uhr: Kohl-Gänsedistel
12:00 Uhr: Mittagsblume
16:00 Uhr: Wunderblume
20:00 Uhr: Nachtkerze

Im Amazon-Baustein vorgestellten Büchlein steht die Linnésche Anleitung für die Blumenuhr.

Mit uns kannst du eine Blumenuhr pflanzen

Mohn 05.00 Uhr

Schließzeiten der Blüten
14:00 Uhr: Wegwarte
15:00 Uhr: Kürbis
16:00 Uhr: Huflattich
16:00 Uhr: Sauerklee
17:00 Uhr: Seerose
18:00 Uhr: Mohn
21:00 Uhr: Sumpfdotterblume

Eine nette Bilderstrecke mit Blumen und ihren Öffnungs- und Schließzeiten finden Sie auch noch hier: http://www.mittelbayerische.de/fotos/bilderstrecken/panorama/so-ticken-die-blumen-22068-gal28004.html?article.id=1221984

Nichts bleibt in unserer heutigen Welt unerforscht. So stellte sich den Botanikern alsbald die Frage, warum von örtlichen Abweichungen abgesehen, die Blumenuhr von Linné doch so manches Mal falsch geht?

Warum geht die Blumenuhr von Linné manchmal nach?

Dieser auf den ersten Blick trivialen Frage, ging man mit einer Studie der Universität Göttingen nach.

  • Die Blumen öffnen und schließen sich zu bestimmten Tageszeiten. So weit, so gut.
  • Allerdings hat Carl von Linné etwas außer Acht gelassen: die Blumenschließzeit funktioniert nur, wenn die Blüten auch von Insekten bestäubt werden.
  • Ohne Bestäubung bleiben die Blüten offen. Die Blüten warten auf das bestäubende Insekt. Bleibt dieses in der fraglichen Zeit aus, halten die Blüten, wie ein kleiner Laden, eben über die Schließzeit hinaus, ihr Geschäft offen. Nach dem Motto: Der Kunde wird schon noch kommen.

Das Experiment im Blütenkäfig

Mit einem Experiment konnten die Agrarökologen von Göttingen zeigen, dass für das Schließen der Blüten tatsächlich die Bestäubung ausschlaggebend ist und nicht die jeweilige Tageszeit und das Licht.

Dazu wurden Pflanzen in abgeschlossenen Käfigen angepflanzt und beobachtet. Zur Blütezeit wurden sie per Hand bestäubt. Und siehe da - bereits nach ein bis zwei Stunden begannen sie sich zu schließen. Die Schließzeit war eindeutig nicht von der Tageszeit abhängig, sondern von dem kleinen Lebewesen, dem die Blüte als Nahrung dient.

Jochen Fründ von der Abteilung Agrarökologie: "Die Bedeutung der Wechselwirkungen mit anderen Lebewesen für viele grundlegende biologische Mechanismen wird häufig nicht beachtet. Nur so ist es zu erklären, dass der Einfluss der Bestäubung auf das botanische Phänomen der Blumenuhr offenbar seit Jahrhunderten übersehen wurde."

Aus der Studie - die Blumen aus dem isolierten Käfig und die Projekt-Wiese

Bestäubung Gegenkontrolle, (Bild: Fotonachweis: J. Fründ, Uni Göttingen)

Bestäubung Gegenkontrolle:

  • grüner Faden: Bestäubte Blüte geschlossen,
  • weißer Faden: unbestäubte noch immer geöffnet.

 

Die Projekt- Wiese innerhalb eines Tages:

  • Vormittags bestimmen die geöffneten Blütenköpfchen des Bitterkrauts das Bild.
  • Bis mittags haben sich fast alle Blütenköpfchen geschlossen.

 

Das Ökosystem Wiese

Für die Blumenuhr bedeutet das, falls die Bienen auslassen, dass die Uhr nachgeht. Aber für das Ökosystem Wiese hat das ganz andere wichtige Auswirkungen. In einer Wiese mit vielen Korbblütlern, die schon morgens bestäubt werden und die sich deshalb mittag schließen, siehe Bocksbart, stehen die anderen Blütenpflanzen bereit, die Nachmittagsstunden als Pollen- und Nektarspender zu übernehmen. So finden sowohl die Insekten den ganzen Tag über ihre Nahrung, andererseits finden auch die anderen später offenen Blüten auch ihre bereitwilligen Helfer zur Vermehrung. Sollten sich allerdings die Bienen nur auf Korbblütler spezialisiert haben, gehen die anderen Blüten leer aus.

Deshalb sind variationsreiche Blumenwiesen besser als Bienenweide geeignet, als Monokulturen.

"Mit dieser umfangreichen Untersuchung konnte erstmals nachgewiesen werden, dass ein Rückgang der Bienen zu verspätetem Blütenschluss und damit auch zu starken, bisher nicht beachteten Verschiebungen bei den Pflanzen-Bestäuber-Nahrungsnetzen führt", Prof. Dr. Teja Tscharntke (Universität Göttingen).

Quelle: Jochen Fründ et al. Linné's floral clock is slow without pollinators – flower closure and plant-pollinator interaction webs. Ecology Letters. DOI:10.1111/j.1461-0248.2011.01654.x (13. Juli 2011).

Blumenuhren der etwas anderen Art

Heute spricht man aber auch von Blumenuhren, wenn ein Beet dekorativ in Uhrform in einem Park aufgepflanzt ist. Nicht so originell, wie die Uhr von Linné, aber hübsch sind sie auf jeden Fall.

(Bild: sirigel / Pixabay)

Hast du Töne - die Blumenuhr in Musik gesetzt

Die Idee von Linnaeus/Linné vom Öffnen und Schleßen der verschiedenen Blüten zu gewissen Tageszeiten wurde vom französischen Komponisten Jean Francaix aufgegriffen und in Töne umgesetzt: "L'horloge de flore (The Flower Clock)", ein Konzert für Solo Oboe und Orchester.

 

Adele_Sansone, am 19.09.2015
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