Schwarzwurzel Scorzonera hispanica

Scorzonera hispanica, Blüte (Bild: a.sansone)

Darf ich mich vorstellen? Schwarzwurzel alias Winterspargel ist mein Name.

Scorzonera hispanica (ehemals Scorzonera latifolia sinuata), aber auch als Tragopogon hispanicum (hier gleich der Hinweis auf die Ähnlichkeit zum Bocksbart) heißt die als Gemüse bekannte Garten-Schwarzwurzel, hispanica ist natürlich der Hinweis auf das natürliche Vorkommen der Pflanze.

Lat. scorzone=eine Sippe giftiger Schlangen, gegen die die Wurzel derselbigen Pflanze helfen sollte. Es könnte aber auch als "schwarze Rinde", was zu der Außenhaut der Pfahlwurzel bestens passt, gedeutet werden. Kultivierte Arten sind der in Süd- und Zentraleuropa wild wachsenden Arten sehr ähnlich. In einem Kräuterbuch des 16. Jhdts wird die Schwarzwurzel erstmals erwähnt.

Die Blätter sind lanzettlich, breiter als beim Bocksbart, die Blütenkörbe stehen einzeln oder locker zu mehreren zusammen. Die Blüten (Zungenblüten) sind hellgelb und doppelt so lang wie die mehrreihigen Hüllblätter. Die Früchte (Samenstände) werden 7,8 mm lang.

Was kann man essen?

Die Garten-Schwarzwurzel, die man auf dem Markt kaufen kann, ist 30-40cm lang. Geschält wird die schwarze Pfahlwurzel am besten unter kaltem Wasser.
Tipp eines Schwarzwurzelessers: Ich schäle sie unter Wasser, dann klebt die Schale nicht so sehr an den Fingern. Anschließend bereite ich sie im Dampfgarer zu. 

In der Küche wird das Gemüse ähnlich zubereitet wie der Spargel. Schwarzwurzel ist durch seine Inhaltsstoffe sehr gut verträglich und eignet sich auch als Schonkost.

Auch die jungen Blätter kann man als Salatbeilage verwenden.

Weitere Bilder mit Schwarzwurzel

 

Wiesen Bocksbart

Tragopogon pratensis Blüte (Bild: a.sansone)

Ich heiße Bocksbart und bin eine nur vormittägliche Schönheit!

Tragopogon pratensis ist der am meisten bekannte Wiesen-Bockbart.

Gr. tragos= Bock, pogon=Kinn- und Backenbart, bezieht sich auf das Aussehen der zusammengeklappten Blüte, noch ehe sich die Flugschirmchen entwickelt haben. Die acht Hüllblätter um das Körbchen sind 1-reihig und alle gleichlang. Die Einzelblüten bestehen nur aus Zungenblüten, die allerdings unterschiedlich lang sind. Die Stiele unter den gelbblühenden Köpfen sind kaum verdickt (Unterscheidungsmerkmal zum Großen Bocksbart). Der Stängel hat einen weißen Milchsaft von süßem Geschmack. Lange schmale, grasähnliche Blätter umfassen den Stängel. Die Korbblüte ist bis 6 cm groß. Die Pustekugel (Früchte mit Pappus) erscheint im Juli. Jede Frucht (Samen) hat einen bis 4 cm großen Fallschirm. Der geschlossene Fruchtstand mit seinen hundert abflugbereiten Früchtchen öffnet sich nur bei Trockenheit, um seine Fallschirme zu entsenden. "Gut Flug" kann man nur wünschen.

Wenn sich die gelbe Blüte am Vormittag schließt, bilden die etwas längeren Hüllblätter als die Zungenblüten, quasi den namensgebenden Bocksbart. Die Blätter schmal, lineal. Die Pflanze wird etwa 70 cm hoch und überragt vormittags mit ihren leuchtenden Blüten die Wiesengräser.

 

Was kann man essen?

Von April bis Juni kann man die Blätter, die weichen Triebspitzen, Stängel und die Blütenknospen als Gemüse (sanft garen) verwenden. Roh kann man auch Salate damit aufbessern.

Als Spargel(ersatz) verwendeten schon unsere Mütter und Großmütter im Mai die oberen Blütentriebe mit den geschlossenen Knospen.

Die fleischigen Spindelwurzeln können (noch vor der Blütezeit ernten) klein geschnitten für Bratlinge/Gemüsepuffer genommen werden. Geschmack: leicht kohlartig, mild, mit Chicoree vergleichbar.

Da Tragopogon in der Naturheilkunde als harntreibendes Mittel benützt wird, sollte man die Verzehrmenge eher dosieren.

 

Lesetipp: Was essen wir eigentlich? Wurzel, Frucht oder gar die Blüte?

 

Wiese mit Bocksbart
Tragopogon pratensis Wiese

Tragopogon pratensis Wiese (Bild: https://pagewizz.com/schwar...)

Bocksbart-Weisheit: Vormittag bin ich schön, dann lass ich alles hängen.

In der Wissenschaft nennt man dieses Phänomen Heliotropismus. Der Bocksbart öffnet zwischen 09.00 und 10.00 Uhr sein Blütenkörbchen, dreht sich anschließend mit der Sonne mit (was bei einer Wiese mit vielen Bocksbärten ausnehmend hübsch aussieht) und schließt seine Blüten kurz vor 12.00 Uhr wieder.

Am Nachmittag findet man dann nur mehr bocksbärtige zauselige Blüten vor.
Tja, früher Vogel fängt den Wurm!

Bilderbuch Bocksbärte und Schwarzwurzeln

(Bild: a.sansone)

Schwarzwurzel und Bocksbart

Das haben Bocksbart und Schwarzwurzel gemeinsam!

  • Sowohl die Schwarzwurzel als auch der Bocksbart zählen zu der Familie der Korbblütler Asteraceae (früher als Compositae bekannt).
  • Innerhalb der Korbblütler gehören sie zu der Gruppe der Korbblütler, die nur aus Zungenblüten bestehen, der Unterfamilie Cichorioideae.

Hier trennen sich die Wege in zwei verschiedene Gattungen

Scorzonera

  • Scorzonera hispanica, Schwarzwurzel, Garten-Schwarzwurzel, die Gemüsepflanze
  • Scorzonera humilis kleiner als hispanica, Stängel und Hülle wollig.
  • Scorzonera austriaca die kleinste der Schwarzwurzeln, meist sind am Grund noch die braunen Fasern vom Vorjahr zu finden.
  • Scorzonera cretica, ein griechischer Endemit mit flaumigen Stängeln; die geschlossenen Köpfe sind kastanienrot, die Zungenblüten zitronig gelb.
  • Scorzonera crocifolia, mit an Krokus erinnernden schmalen Blättern mit hellem Mittelstreifen

Tragopogon

  • Tragopogon pratensis Wiesenbocksbart
  • Tragopogon dubius Großer Bocksbart, verdickter keuliger Stiel unterhalb der Blüte
  • Tragopogon porrifolius Haferwurz, purpurfarbene Blüte. Wurde bis Ende des 16. Jhdts, wie der gelbblühende Bocksbart als Gemüse angepflanzt. Wurzel noch vor der offenen Blüte ernten!
  • Tragopogon tommasini, Balkan
  • Tragopogon hybridus, Bastard-Bocksbart, rosafarbige Blütenblätter

Inhaltsstoffe Inulin, Lipide, Kohlenhydrate

Der Wiesenbocksbart, wie auch die Haferwurz, wurde früher als Gemüsepflanze angebaut, aber dann von der Schwarzwurzel verdrängt.

 

Sind Schwarzwurzel oder Bocksbart Pflanzen für den eigenen Garten?

Bei der Schwarzwurzel kann man diese Frage bejahen. Sie ist hübsch anzusehen und nahrhaft. Allerdings muss man etwas Geduld aufbringen. Kartoffeln oder Gründüngung als Vorbereitung sind sehr zu empfehen. Anbau-Tipps finden Sie hier. Aber auch als reine Zierpflanze würde ich sie setzen.

Der Bocksbart ist zwar imposant, überhaupt Tragopogon dubius. Aber wer mag schon in seinem Garten eine Pflanze, die nur vormittags blüht? Also lassen wir sie lieber auf der Wiese, gehen vormittags spazieren und freuen uns daran.

 

Quellen

  • Alte Bauerngärten neu entdeckt, Widmayr; BLV, 1985 München
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck
  • Essbare Wildpflanzen, Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger; Weltbild Verlag, 2014 Augsburg
Adele_Sansone, am 20.06.2015
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Bildquelle:
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