Heilfasten ist eine Form des nicht religiös motivierten Fastens und soll zumeist der "Entschlackung", "Entgiftung" oder Regeneration des Körpers dienen. Oft ist damit auch der Wunsch nach einer "seelischen Reinigung" verbunden.

Heilfasten in der Klinik mit Wasser oder Saft - Buchinger und der ausgefastete Patient

Im deutschsprachigen Raum ist die Idee des Heilfastens durch den Arzt Otto Buchinger populär geworden. In seiner Fastenklinik bekamen die Patienten neben stillem Wasser und Kräutertee täglich ein Glas Obstsaft und einen Teller Gemüsebrühe. Damit sollten dem Körper alle Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden, die er brauchte. Die Fastenkuren seiner Patienten dauerten mindestens drei Wochen.

Buchinger war der Meinung, dass der Patient irgendwann "ausgefastet" sei und keinerlei Stoffwechselprodukte mehr ausscheide. Man würde das daran erkennen, dass der Atem frisch riecht, auch der Schweiß, und der Urin hell ist.

Diese Ansicht ist inzwischen widerlegt. Man kann lange fasten, bei Buchinger konnten das durchaus sechs bis sieben Wochen sein, ohne dass dieser Effekt eintritt. Der "ausgefastete Patient" ist inzwischen nicht mehr das Ziel der Fastenkliniken. Damit sind auch diese langen Fastenzeiten, wie Dr. Buchinger sie gelegentlich anordnete, nicht mehr üblich.

Moderne Fastenkliniken

Wer in eine Fastenklinik geht, ist im Regelfalle nicht gesund. Durch die Fastenkur soll der Körper von der Verdauungsarbeit entlastet werden und damit Zeit finden, sich um lange vernachlässigte Regionen zu kümmern. Die Länge des Fastens hängt also davon ab, wieviel Zeit er dazu braucht.

In modernen Fastenkliniken wird nicht mehr auf Buchingers Säfte gesetzt, sondern dem Patienten ein individuell zusammengestellter Mix aller benötigten Vitamine und Mineralien verabreicht. Dadurch ist die Unterversorgung des Patienten ausgeschlossen. Neu hinzugekommen ist stattdessen eine Gabe fettarmer Milchprodukte. Damit soll der Körper davon abgehalten werden, das eigene Eiweiß abzubauen.

Durch diese Maßnahmen könnten die modernen Fastenkuren im Prinzip länger dauern als diejenigen, die Buchinger durchgeführt hat. Dass sie es nicht tun, liegt daran, dass es vom therapeutischen Gesichtspunkt zumeist nicht nötig ist.

Heilfasten zuhause

Während kranke Menschen in eine Klinik gehören, können Gesunde auch zuhause fasten. Ich tue das seit den späten siebziger Jahren jedes Jahr, mit Ausnahme natürlich von Schwangerschaft und Stillzeit. Meiner Ansicht nach tut es gut. Beweisen kann ich das natürlich nicht - es könnte sein, dass ich auch ohne diese alljährliche Fastenzeit ein kerngesunder Mensch wäre.

Wer zuhause fasten will, sollte sich beim ersten Mal unbedingt auf die empfohlenen fünf bis zehn Fastentage beschränken. Für geübte Faster oder unter ärztlicher Aufsicht können die Fastenzeiten dann allmählich ausgedehnt werden. Auch die Modalitäten können individuell angepasst werden. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, täglich ungefähr einen Liter Saft zu mir zu nehmen, außerdem ein paar Löffel Magerquark, und dafür etwas länger, etwa drei Wochen lang zu fasten. Länger würde ich mich nicht trauen ohne Arzt, trotz meiner jahrzehntelangen Erfahrung.

Wie lange kann man fasten?

Für den einsamen Faster daheim sollte ein Fasten nicht nach Wochen, sondern nach Tagen zählen. Ohne ärztliche Aufsicht wäre alles andere unklug. Für den Faster in der Kurklinik sind drei oder vier Wochen die Regel. Wenn es das individuelle Krankheitsbild fordert, kann noch eine Woche drangehängt werden. Längere Fastenkuren sind möglich; üblich sind sie heute nicht mehr.

Kann man beim Fasten verhungern?

Hungern und Fasten sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Normalerweise braucht der Körper jeden Tag um die 1800 Kilokalorien für seine tägliche Arbeit. Wer fastet, der schaltet seinen Körper auf Sparflamme um. Dazu verhelfen die Entlastungstage vor dem eigentlichen Fasten, die Darmentleerung und die Freiwilligkeit des Nicht-Essens. Der Körper kommt dadurch mit sehr viel weniger Energiezufuhr aus.

Wer unfreiwillig hungern muss, für den gibt es diese Umstellung nicht. Kann er sich keine Nahrung beschaffen, dann wird er nach etwa sechs Wochen qualvoll sterben.

Wie lange könnte man fasten?

Es gibt Rekorde beim Fasten, so wie überall. Klug sind sie nicht, aber sie sollten doch erwähnt werden:

  • Unbestätigt ist der Bericht, ein Schotte habe 270 Tage lang gefastet. Dabei soll er nur Wasser und Vitamine zu sich genommen haben.
  • Ein englischer Arbeiter hat 168 Tage lang gefastet und dabei zwei Zentner abgenommen - die Hälfte seines Gewichtes.
  • 104 Pfund nahm eine Hausfrau aus Ulm ab, als sie 100 Tage lang fastete.

Die beiden letzten Fastenkuren fanden unter ärztlicher Aufsicht statt und sind damit bestätigt.

Hier wird aber auch ersichtlich: Man sollte etwas zuzusetzen haben. Wer sein Fasten mit mageren 60 Kilo beginnt, für den ist nach wenigen Wochen Schluss. Denn wenn der Körper sich von seinen Reserven ernährt und diese aufgebraucht hat, dann geht er zu lebenswichtigen Organen über, baut diese ab und ernährt sich davon. Und das kann auf gar keinen Fall der Sinn eines Heilfastens sein.

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Filippo Diatalevi

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