Vorab: Was ist machbar?

Ich war erstaunt, dass nach mehreren seriösen Quellen tatsächlich eine beeindruckende Steigerung der Lesegeschwindigkeit machbar sein soll.

 

Und zwar:

Für einen vorher durchschnittlich schnellen Leser soll eine Verdoppelung der Lesegeschwindigkeit gut möglich sein, und zwar oft schon nach einem Tag üben!

 

Für diesen durchschnittlich schnellen Leser soll oft auch eine Verdreifachung der Lesegeschwindigkeit zu erreichen sein, oft schon nach dem 2. Tag üben.

Die aktuelle Lesegeschwindigkeit als Ausgangspunkt

Bin ich ein durchschnittlich schneller Leser?

 

Die Lesegeschwindigkeit wird in Wörtern pro Minute gemessen. Wobei noch wichtig ist, dass ein Großteil des Textes dabei auch verstanden wird.

 

Wissenschaftlich gemessene Rekorde liegen bei bis zu 4.000 Wörtern pro Minute, aber nur 1 Promille der Bevölkerung schafft über 1.000 Wörter pro Minute. 1 % der Bevölkerung liegt zwischen 800 und 1.000 Wörtern pro Minute, gute Leser kommen auf ungefähr 400 Wörter pro Minute. Nicht so schnelle Leser kommen nur auf 10 bis 100 Wörter pro Minute.

Der Durchschnitt, um den es hier vorrangig geht, schafft zwischen 200 und 240 Wörter pro Minute. Das heißt, dass sie für das Lesen einer Seite mit 240 Wörtern ungefähr eine Minute brauchen (und für ein normales 300- Seiten Buch mit ca. 100.000 Wörtern 7-8 Stunden).

 

Das kann man selber ausprobieren, indem man einen Wecker auf eine Minute stellt, in der Zeit normal schnell liest, und danach die Wörter zählt.

Ich bin bei meiner Messung des Lesens einer Minute in "Die Nadel" von Ken Follett auf 320 Wörter pro Minute gekommen, ohne besondere Schnelllesetechnik.

Wieso kann der Durchschnittsleser sein Tempo anscheinend locker auf das Doppelte steigern?

Der normale Leser guckt sich die Wörter genauer an als der Schnellleser. Dabei kann man auch den Sinn eines Satzes verstehen, wenn man nicht alle Zeichen genau angesehen hat.

 

Beispiel: Schneles lesn kan man lrnen.

 

Die meisten Leute erkennen den Sinn dieses Satzes auch ohne die fehlenden Buchstaben (Auflösung: Schnelles lesen kann man lernen). Trainiert wird also, nicht jeden Buchstaben und jedes Wort genau zu fixieren.

 

Wie funktioniert Schnelllesen genau?

Bei den Schnelllesetechniken kommt es vor allem auf die Verschnellerung der Augenbewegungen an; Vielleser haben meist automatisch schnelle Augenbewegungen.

 

Alle anderen können es extra üben:

In der Regel wird zuerst der Text bis auf jeweils eine Zeile abgedeckt, indem man z.B. mit einem Stift unter der Zeile langfährt. Die erste Zeile soll dann immer schneller erfasst werden. Bei dem Stift kann man das gut dadurch erreichen, dass man mit dem Stift immer schneller an der Zeile langfährt. Dadurch liest man automatisch schneller.

In einem zweiten Schritt werden zwei Zeilen freigelassen, indem der Stift unter der zweiten Zeile entlang gefahren wird. Dadurch wird noch mal schneller gelesen. Teilweise wird auch beschrieben, dass dann ein Sechstel der Seite angesehen wird; das kann ich mir allerdings nicht mehr so gut vorstellen.

 

Hilfreich ist auch, wenn der Text mit einem Ziel gelesen wird, dann kann man Sätze, die für einen selber nicht ganz zielführend sind, noch schneller lesen.

Wovon hängt die Lesegeschwindigkeit noch ab?

Die Lesegeschwindigkeit hängt natürlich noch ganz entscheidend von der Schwierigkeit des Textes – für den Leser – ab. Die Berichte beziehen sich wohl auf mittelschwere Fachliteratur, komplizierte Lehrbücher können nicht so schnell gelesen werden.

Quellen: Anschaulich wird die Schnelllesetechnik hier beschrieben. Überzeugend für die Wirksamkeit der Technik fand ich einen Bericht über die Teilnahme an einem Schnellleseseminar in der "Zeit": Die meisten Teilnehmer (Juristen, Schüler/Studenten, ein Bauingenieur) sind dort zuerst auf 100 – 200 Wörter pro Minute gekommen, am Ende des ersten Tages schafften fast alle 300 bis 400 Wörter, am Ende des zweiten Tages erreichten die schnellsten 600 Wörter pro Minute.

Laden ...
Fehler!