Woher kommt das Wort "Kohldampf"?

"Kohldampf haben" kommt aus dem Rotwelschen, in welchem es zum ersten Mal im Jahr 1835 erwähnt wurde. Die Wendung setzt sich aus den beiden rotwelschen Wörtern "Kohler" (oder auch "Koler") und "Dampf" zusammen. Da beide Wörter so viel wie "Hunger" bedeuten, ist "Kohldampf" eine Tautologie und heißt quasi "Hungerhunger". Mit ein bisschen Humor könnte man feststellen, dass zweimal "Hunger" mehr als einfacher "Hunger" ist. Soviel zu der Bedeutung des Wortes, aber was ist überhaupt Rotwelsch?

Das Rotwelsche: Bedeutung, Entstehung und Zusammensetzung

Rotwelsch - die Gaunersprache

Da nun die Herkunft des Wortes geklärt ist, stellt sich die Frage, was genau Rotwelsch ist. Genau sagen kann man es nicht, da es ein Sammelbegriff für die Sprache einer Vielzahl von Randgruppen ist. Die Sprache basiert, wer hätte es gedacht, auf dem Deutschen. Es ist eine Art Gaunersprache, die von fahrendem Volk, Bettlern, Kriminellen und anderen mit dem Kriminellen Verbundenen gesprochen wird. Auch wenig angesehene Berufe wurden zum Teil dem Rotwelschen zugeordnet, welche seit dem 17. Jahrhundert seine Blütezeit und größte Verbreitung erlebte.

Herkunft

Erstmals aufgetaucht ist der Begriff im 13. Jahrhundert als "rotwalsch", wobei die genaue Herkunft nicht sicher ist.

  • Das mittelhochdeutsche "welsch" hat die Bedeutung "romanisch", womit es auch eine Bedeutung als "unverständlich" oder "fremdartig" erhält.
  • Besonders schön veranschaulicht sich die Wortzusammensetzung in dem Wort "Kauderwelsch". Während "welsch" wie erwähnt für "fremdartig"/"unverständlich" steht, soll das Verb "kaudern" so viel wie "Handel betreiben" oder "makeln" bedeuten. "Kauderwelsch" ist die unverständliche Sprache von (südländischen?) Zwischenhändlern.
  • Das Wort "rot" bedeutet so viel wie "Bettler"; "rotte" meint "Bande"; das mittelniederländische "rot" bedeutet "faul" und "schmutzig".

Das "Rotwalsch" ist die unverständliche Sprache der Bettler und Banden, der Faulen und Schmutzigen.

Welche Funktion das Rotwelsche hatte

Das Rotwelsche ist jedoch nicht einfach aus einer einfachen Andersartigkeit entstanden, sondern aus einem klaren Zweck. Die Sprechenden wollten Informationen untereinander austauschen können, ohne dass nicht wissende Personen dem Inhalt folgen. Neben der reinen Kommunikation diente das Rotwelsche zudem als Erkennungsmerkmal.

Hebräische und jüdische Herkunft

Rotwelsch setzt sich zu großen Anteilen aus hebräischen und jiddischen Lehnwörtern zusammen, da Juden häufig aus bürgerlichen und landwirtschaftlichen Berufen ausgeschlossen waren. Somit folgten mehrere Jahrhunderte, in denen Juden den fahrenden Hausierern angehörten. Einen weiteren Einfluss bildete das Romanes, die Sprachen der Roma.

Einige Beispiele aus dem Rotwelschen

  • baldowern: "auskundschaften"
  • Bulle: "Polizist" oder "Kriminalbeamter"
  • Polente: "Polizei"
  • Schmuh: "Profit, Pfusch"

Weitere bekannte Wörter sind: "Schlamassel", "Dufte" oder auch "Maloche".

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