1. Mythos: Wikinger lebten nur vom Krieg

Wikinger waren zweifelsohne ein kriegerisches Volk. Dennoch waren Beutezüge im Europa der damaligen Zeit keine Besonderheit. Was den Wikingern letztendlich den Ruf der Barbaren einbrachte, war die Tatsache, dass es sich um ein heidnisches Volk handelte. Während in Europa das ungeschriebene Gesetz galt, dass bei kriegerischen Auseinandersetzungen Klöster und Kirchen möglichst nicht einbezogen werden, kümmerte das die Wikinger wenig. Im Gegenteil: Die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in diesen Gebäuden ließen sie nur umso eher zu einer leichten Beute werden.

Raubzüge waren aber nicht die einzige Einnahmequelle der Wikinger, auch wenn es den Anschein hat. Sie trieben Handel, Tauschhandel und hatten diesbezüglich weitreichende Beziehungen, die bis in den Orient reichten.

 

2. Das Geheimnis der Drachenschiffe

Wikinger gelten als geschickte Schiffsbauer. Die zur Wikingerzeit bereits schon weit entwickelten Schiffe wurden von ihnen nochmals verbessert und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Präzise und leicht war die Bauweise der Schiffe, welche häufig auch noch mit Drachenköpfen am vorderen und hinteren Ende verziert wurden. Da man auf Raubzügen erst spät erkannt werden wollte (und keine Zeit mehr für Gegenwehr bleibt), mussten die Schiffe möglichst niedrig sein, damit sie erst so spät wie möglich zu sehen waren. Dafür sorgten eine spezielle Bauweise und umlegbare Masten.

Das berühmte Gokstad-Schiff beispielsweise ragte vollbesetzt nur einen knappen Meter aus dem Wasser. Heute ist es im Wikingerschiff-Museum in Bygdøy zu sehen.

 

Alle Schiffstypen der Wikinger sind sowohl für Segel als auch für Ruderbetrieb ausgelegt. Nach ihrem Verwendungszweck unterscheidet man Langschiffe (Kriegsschiffe) und Lastschiffe. Die meisten von ihnen sind an ihren beiden Enden baugleich, damit sie in beide Richtungen navigiert werden können. Da schon alleine durch das Rudern bedingt immer eine größere Mannschaft an Bord war, war auch bei den Lastschiffen der relative Anteil der Fracht an der Gesamtkapazität ziemlich klein. Daher hatte man zusätzlich noch kleinere Boote dabei, die sich nach der Anzahl ihrer Ruderer benennen.

3. Der Mythos von der starken Wikingerfrau

Frauen spielten und spielen teilweise immer noch in einigen Kulturen eine große Rolle bei der Festigung von Macht und Einfluss. Das war auch bei den Wikingern nicht anders. Durch arrangierte Ehen kamen Mädchen bereits mit 12 Jahren in das Haus ihres Mannes. Dort waren sie die Herrin im Haus, hatten die Schlüsselgewalt über alles und die Befehlsgewalt über ihre Sklaven. Die Geschichten von der emanzipierten Wikingerfrau sind jedoch Mythen, denn für die Frauen in der Wikingerzeit galt eine klare Rollenverteilung. Sie waren für Haus und Hof zuständig, taten alle Hausarbeiten und Handarbeiten, sorgten für die Kindererziehung und bereiteten Mann und Gästen ein gemütliches Heim.

Dennoch war sie in ihrer Rolle freier als viele ihrer Geschlechtsgenossinnen in der übrigen Welt. Wikingerfrauen durften Grund besitzen, Geschäfte machen oder als Priesterin tätig sein. Diese Freiheiten gestatteten es ihr, ihren Mann während seiner Abwesenheit zu vertreten. Waffen durfte die Wikingerfrau jedoch nicht tragen und auch nicht am politischen Geschehen teilnehmen oder zu Ratsversammlungen gehen.

 

Was das Eheleben betrifft: Wikingerfrauen durften sich auch scheiden lassen. In diesem Fall hatte der Mann dann die komplette Mitgift zurückzuzahlen. Die Wikinger dürften sich angestrengt haben, um die Gunst ihrer Ehefrauen nicht zu verlieren. Dennoch durften sie sich mehrere Frauen zulegen, wobei die Hauptehefrau ihren Rang diesen gegenüber niemals einbüßte und immer die häusliche Macht behielt.

4. Der Hörnerhelm - typisch für Wikinger?

Spätestens seit "Wickie und die starken Männer" weiß jedes Kind, dass Wikinger einen Helm mit Hörner tragen. Tun sie das wirklich?

Hörnerhelme sind erstmals in der Bühnenaufführung von Richard Wagners "Ring der Nibelungen" zu sehen. Hörnerhelme waren zwar schon zur Zeit der ägyptischen Pharaonen bekannt und wurden dort von den seefahrenden Schardane getragen, aber nicht von den Wikingern.

Die Wikinger trugen Vendelhelme, oder auch Brillenhelme genannt. Eisenbänder, Scheitelbänder und Stirnreif bilden das Grundgeflecht eines Wikingerhelmes. In den Zwischenräumen sind Eisenplatten angebracht, zusätzliche Eisenteile schützen Augenbogen, Hals und Nacken.

5. Magische Runen

Runen wird oft eine magische Bedeutung zugeschrieben. Man glaubte, dass Runen (und damit die Schrift) ein Geschenk der Götter war. Betrachtet man die riesigen Runensteine an den ehemaligen Siedlungsplätzen der Wikinger, möchte man das gerne glauben. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass Runen üblicherweise zur Übermittlung von Botschaften benutzt wurde, so wie es bei anderen Schriften auch der Fall ist.

Denkbar wäre hier besonders der Einsatz als Wegweiser, denn ein reisendes Volk ist auf solche angewiesen. Außerdem fällt bei der Betrachtung der Runen auf, dass sie sich aus Strichen zusammensetzen und keinerlei Rundungen besitzen. Das deutet darauf hin, dass die Zeichen in Steine und Bäume eingekerbt wurden.

Sophie1975, am 05.03.2013
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Bildquelle:
Barbara Lechner-Chileshe (Warum gibt es unterschiedliche Haut- und Augenfarben?)
© Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund (Der schönste Milchladen der Welt: Dresdner Molkerei Gebr. Pfund)

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