Wildmeerschweinchen im Frankfurter Zoo

Wildmeerschweinchen im Frankfurter Zoo (Bild: Petra Karstedt (PetraK;www.Tiermotive.de)/ commons.wilkimedia.org)

Wildmeerschweinchen und ihre Heimat

Es gibt verschiedene Wildmeerschweinchenarten in Südamerika, zum einen die Stammart unseres Hausmeerschweinchens, dass cavia aprea tschudii. Andere wilde Meerschweinchenarten sind die Wieselmeerschweinchen, Bergmeerschweinchen und die Zwergmeerschweinchen. Eine Verpaarung von Wildmeerschweinchen und Hausmeerschweinchen ist allerdings nur von dem cavia aprea tschudii Wildmeerschweinchen bekannt. Auch wird diese Art am häufigsten als Haustiere gehalten. Einige Privatpersonen halten aber auch Wildmeerschweinchen und Bergmeerschweinchen, die größenmäßig dem cavia aprea tschudii ähneln. 

Diese Stammart der Hausmeerschweinchen, im folgenden einfach nur noch Wildmeerschweinchen genannt, ist in Südamerika zu Hause und lebt in den Ländern Peru, Südbrasilien, Bolivien, Uruguay, Paraquay, Kolumbien und Ecuador. Dort lebt es in den Trockensavannen und im Grasland und kommt auch in den Anden bis 4500 m vor.

Sie wohnen in Erdhöhlen, Felspalten und verlassenen Bauten anderer Tiere. Selber graben sie keine Bauten. Dort leben sie in kleinen Rudeln von 5 - 20 Tieren. Zu einem Rudel gehören meist ein Männchen und der Rest sind Weibchen. Männliche Jungtiere werden verbissen sobald sie die Geschlechtsreife erreichen. 

Ihre Ernährung ist eher energiearm. Sie fressen meistens frische Gräser oder auch getrocknete Gräser. Wildmeerschweinchen fressen aber auch gerne eiweißhaltige Blätter oder die Rinde von Bäumen und Sträuchern. Blüten werden ebenfalls auch gefressen. Sie sind also reine Pflanzenfresser.

Hausmeerschweinchen

Hausmeerschweinchen (Bild: Jennifer Kolling / www.pixelio.de)

Vergleich von Wildmeerschweinchen und Hausmeerschweinchen

Die Domestikation der Hausmeerschweinchen begann vermutlich schon vor 5000 bis 2000 Jahren vor Christus in Südamerika. Nach Nordamerika und Europa gelangten Meerschweinchen erst im 17. Jahrhundert und das waren dann auch schon domestizierte Meerschweinchen. Noch heute werden Meerschweinchen in Südamerika als Nutztiere von ärmeren Leuten gehalten. Sie leben teilweise frei mit im Haus auf dem Boden. Es gibt sogar auch richtige Mastmeerschweinchen, die bis zu 4 kg schwer werden können, sie sind auch in Europa unter dem Namen Cuys bekannt.

In Südamerika werden Meerschweinchen nach anderen Maßstäben gezüchtet und selektiert. Weiße Tiere werden als Nutztiere bevorzugt und schwarze Tiere werden häufig als rituelle Opfertiere verwendet. Aber es gibt im Gegensatz dazu, aber auch noch einige südamerikanische Zuchtlinien, die sehr dem Wildmeerschweinchen ähneln und auch nicht so groß und schwer werden.

In Europa und Nordamerika werden Meerschweinchen in verschiedensten Farben und Formen gezüchtet. Die Zuchtziele sind eher besonders niedlich aussehende Meerschweinchen zu züchten, die außerdem noch friedlich und gut verträglich mit Artgenossen sind. Hausmeerschweinchen sind auch etwas größer und schwerer als Wildmeerschweinchen und wiegen zwischen 600 g und 1500 g. Ihr Verdauungssytem hat sich der energiehaltigeren Nahrung angepasst und ihr Darm ist etwas kürzer als beim Wildmeerschweinchen.

 

Wildmeerschweinchen haben dagegen einen schlankeren Körper und wiegen auch nur zwischen 500 und 600 g. Ihre Gesichtform ist spitzer und sie können im Gegensatz zum Hausmeerschweinchen sehr gut springen, 60 bis 80 cm hoch sind da keine Seltenheit. In einer Gefahrensituation versuchen sie sich auch eher durch springen in Sicherheit zu begeben, die Hausmeerschweinchen suchen eher nach Versteckmöglichkeiten.

Die Lautäußerungen von Hausmeerschweinchen sind auch bei weitem nicht mehr so vielfältig.

In Gruppenhaltung sind Wildmeerschweinchen agressiver als Hausmeerschweinchen. Männliche Tiere können sich gegenseitig auch totbeißen, wenn sie auf zu engem Raum mit Weibchen gehalten werden.

Trotzdem ist eine Verpaarung zwischen Hausmeerschweinchen und Wildmeerschweinchen möglich. In der ersten Generation, man nennt sie auch F1 Generation haben sie meistens wildfarbig und ähneln vom Verhalten her auch mehr den Wildmeerschweinchen. Es wurde oft beobachtet, dass sich nur ein Wildmeerschweinchenbock mit einem Hausmeerschweinchenweibchen paarte und nicht umgekehrt.

Wildmeerschweinchen als Haustiere

Erst wurden Wildmeerschweinchen nur in europäischen Zoos gehalten. In Münster gibt es aber auch eine Forschergruppe an der dortigen Universität, die das Verhalten von Meerschweinchen verforschen und zu diesem Zwecke halten und züchten sie auch Wildmeerschweinchen. Nach und nach gelangten immer mehr Wildmeerschweinchen in private Hände und werden und wurden dort auch gezüchtet.

Allerdings ist die Haltung von Wildmeerschweinchen anspruchsvoller als die von Hausmeerschweinchen. Wildmeerschweinchen brauchen ein sehr viel größeres Gehege. Am besten eignet sich ein Außengehege mit vielen Versteckmöglichkeiten, dabei sollte man 2 qm pro Tier einplanen. Als Versteckmöglichkeiten am besten Röhren und Höhlen mit mehreren Ausgängen verwenden. In Außenhaltung, aber auch in Innenhaltung, muss das Gehege nach oben hin geschlossen sein, da sie sehr hoch springen können und auch wie ein Hamster am Gitter hochklettern können.

Gruppenhaltung ist auch für Wildmeerschweinchen ein absolutes Muss. Allerdings ist die Gruppe bei ihnen wesentlich instabiler. Auch die Weibchen können untereinander sehr agressiv werden. Es empfiehlt sich nur einen kastrierten Bock und mehrere Weibchen zu halten, aber auch reine Bockgruppen sind bei frühkastrierten Böckchen möglich. Die Vergesellschaftung älterer Tiere, auch von Weibchen, ist schwieriger und dauert länger. Es ist auch mit Bissverletzungen zu rechnen. Die Gruppenhaltung von Wildmeerschweinchen bedarf deshalb der genaueren Beobachtung, um rechtzeitig eingreifen zu können, damit schwerere Verletzungen vermieden werden.

Die Ernährung der Wildmeerschweinchen sollte größtenteils aus Gräsern, frisch oder getrocknet bestehen. Außerdem fressen sie gerne Blüten, Blätter, Kräuter und Rinde. Es muss darauf geachtet werden, dass sie ihren Vitamin C Bedarf über die Ernährung decken können, deshalb dürfen gerne auch vitamin c haltige Obst und Gemüsesorten gegeben werden, wie Erdbeeren und Fenchel.

Auch eine Haltung von gemeinsam mit Hausmeerschweinchen ist möglich. Allerdings gelten dann auch die Haltungsregeln der Wildmeerschweinchen. 

Als unerfahrener Kleintierhalter sollte man auf gar keinen Fall Wildmeerschweinchen halten. Da ist es besser mit einer kleinen Gruppe Hausmeerschweinchen, am besten drei Tieren zu beginnen. Das können zwei Weibchen und ein Männchen oder auch alles Böckchen sein. In einem ausreichend großen Gehege artgerecht eingerichtet, zeigen diese dann auch mehr Verhaltensweisen der Wildfrom, als nicht artgerecht gehaltende Hausmeerschweinchen.

Autor seit 4 Jahren
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