Auf den Spuren eines verschwundenen Regierungsviertels

Hier, zwischen Pariser Platz und Leipziger Straße, kann man deutsche Geschichte regelrecht "erlaufen" : die Wilhelmstraße ist DER Ort, an dem man die meisten Erinnerungen an die Regierungen des Kaiserreiches, der Weimarer Republik und des Dritten Reiches findet. Leider sind die meisten historischen Gebäude von der Geschichte "verschluckt" worden, so die alte Reichskanzlei, das Reichspräsidentenpalais und das Auswärtige Amt.

Weltweit sprach man im 19. Jahrhundet von "The Wilhelmstrasse", wenn man von der deutschen Politik sprach, so wie man heute "Das weiße Haus" oder "Der Kreml" sagt und damit die jeweilige Regierung meint.

Internationalen Konferenzen in der Wilhelmstraße "verdanken" wir immer noch Probleme, mit denen wir uns heute herumschlagen müssen, z.B. Grenzverläufe in Afrika und aktuelle Probleme im ehemaligen Jugoslawien.

Gegen Ende des Dritten Reiches war die Wilhelmstraße ein heiß umkämpftes Pflaster - jeder kennt die Geschichte der letzten Kriegstage in Hitlers Reichskanzlei! Standen die meisten Gebäude noch als Ruinen (außer der Reichskanzlei, die auf alliierten Beschluß abgetragen werden mußte), so wurden sie dann im Vorfeld des Mauerbaus nach und nach beseitigt. 1961 stand auf der ehemaligen "Reichsseite" (westliche Seite) nichts mehr, auf der östlichen Seite, der sogenannten "Preußenseite" nur noch vereinzelte Gebäude.

1988 baute die DDR das Gelände mit Plattenbauten zu - vielleicht war der mögliche Blick ihrer Bürger auf die unverstellte Mauer zu gefährlich. Zwischen den Plattenbauten findet man heute die Stelen der Stiftung "Topographie des Terrors", die auf die Geschichte der einzelnen Gebäude verweisen. Interessante (nicht immer sympatische) Personen der Zeitgeschichte stehen hier vor uns auf : Bethel Strousberg, der Eisenbahnkönig, der das alte Palais errichtet hat, in dem sich später die Britische Botschaft befand (Hausnummer 70), Ebert und Hindenburg in der Hausnummer 73 - hier saßen die Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Alfred Rosenberg im ehemaligen Landwirtschaftsministerium;  von Ribbentropp, Stresemann und Bismarck im Auswärtigen Amt.

Auf der anderen Straßenseite, am letzten dort erhaltenen alten Gebäude, Konrad Adenauer, Otto Braun und Rudolf Heß, dort weiter Goebbels - in den Resten des alten Reichspropagandaministeriums, gegenüber an der Reichkanzlei Bismarck, die Kanzler der Weimarer Republik und Hitler.

Hinter der Kreuzung Leipziger Straße dann das alte Reichsluftfahrtministerium - der Bau geht auf Initiative von Hermann Göring zurück. Allein schon dieses Gebäude repräsentiert deutsche Geschichte in allen Facetten : Göring und die Nazis, Sowjetische Militäradministration in der Ostzone, Regierung der DDR (im damaligen "Haus der Ministerien"), Teuhandanstalt und Bundesfinanzministerium. Auf dem Vorplatz wird am an die Geschichte des 17. Juni 1953 erinnert, auf die hier stattgefundene legendäre Pressekonferenz mit Ulbricht ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!") weisen Bildschirme hin. Und den Wandfries von Prof. Max Lingner sollte man sich genau anschauen : so stellte sich die DDR in den 50er Jahren Deutschland und die Welt vor!

Die historischen Ministerien der Wilhelmstraße - heute

Ehemaliges Reichspropagandaministerium

China Restaurant am historischen Ort der Reichskanzlei

http://www.peking-ente-berlin.de/

Besonders wichtig ist der Abschnitt zwischen Unter den Linden und Leipziger Straße

Führungen zur Geschichte der Wilhelmstraße

Stadtführungen in Berlin, Besuch im Reichstag

Autor seit 6 Jahren
32 Seiten
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