Markus Braun gibt den Ahnungslosen

 

Der ehemalige CEO von Wirecard Markus Braun weist alle Vorwürfe der Anklage am 13. Prozesstag weit von sich. Er hätte nie Kenntnis über Fälschungen und Veruntreuungen gehabt und sich auch mit niemandem zu einer Bande zusammengeschlossen. Die Staatsanwaltschaft und der Kronzeuge sehen das allerdings etwas anders.

Braun betonte, dass der Zusammenbruch von Wirecard für ihn ein echter Schock gewesen sei. Er bedauere diesen Tag bis heute. Braun hat vermutlich durch die Insolvenz einen großen Teil seines Vermögens verloren, da er sein Geld in Wirecard Aktien angelegt hatte. 

Rückblick: An diesem Tag musste der Wirecard auf Druck einräumen, dass rund 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar sind. Danach folgte die Insolvenz des Unternehmens und Braun wanderte in Untersuchungshaft. Ganz im Gegensatz zu dem Ex-COO Jan Marsalek der sich ja bekanntlich absetzte, bevor der Haftbefehl gegen ihn vollstreckt werden konnte.

Markus Braun gibt allerdings zu, dass es bei Wirecard kriminelle Unternehmungen gegeben haben muss. Er hätte allerdings von den Manipulationen keine Ahnungen gehabt. (Quelle: der Spiegel). Interessante Aussage von einem Mann, der kontrollsüchtig gewesen sein soll.

Stattdessen hätte Oliver Bellenhaus Millionensummen veruntreut - gemeinsam mit Jan Marsalek. Das Drittpartnergeschäft ebenso wie das Geld hätte es außerdem gegeben. Nur sei dieses eben von dem Kronzeugen und dem flüchtigen Jan Marsalek unterschlagen worden.

Oliver Bellenhaus - der Kronzeuge

4,8 Millionen Euro - das ist der Betrag, den Oliver Bellenhaus laut eigener Aussage für Wirecard-Milliardenbetrug bekommen hat, vorbei an der Gehaltsbuchhaltung und abgezweigt aus Firmengeldern. Angelegt hatte er das Geld in einer Stiftung in Liechtenstein.

Angeboten wurde ihm diese "Einmalzahlung" angeblich von Jan Marsalek.

Bellenhaus war bis 2020 der Geschäftsführer der Wirecard Tochterfirma Cardsystems Middle East mit Sitz in Dubai. Über dieses Unternehmen lief der größte Teil der Scheingeschäfte - mit erfundenen Zahlungsdienstleistungen. Teilweise wäre der Aufwand mit den Betrügereien so groß gewesen, dass ein normales Geschäft gar nicht möglich gewesen wäre, so Bellenhaus. Aktien von Wirecard hätte er nie besessen. Diese wären ein in seinen Augen schlechtes Investment gewesen.

Er sagte zudem aus, dass Manager bei Wirecard wichtige Bilanzen schlicht erfunden hätten, um die Wirtschaftsprüfer zu täuschen. Auch das Drittpartnergeschäft hätte nie existiert - und er belastet Markus Braun, der ja alle Vorwürfe weit von sich weist. Es hätte Gespräche mit dem Ex-CEO gegeben, in denen er deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass Bellenhaus "höhere Volumina" ausweisen sollte. Braun sei die Krontroll- und Steuerungsinstanz gewesen. Während der Aussage von Bellenhaus werden auch mehrere Chatprotokolle gezeigt, die belegen sollen, dass Braun sehr wohl Bescheid wusste.

Die Rolle des Chefbuchhalters

Bellenhaus, der übrigens immer noch in Untersuchungshaft sitzt, belastet auch den ehemaligen Chefbuchhalter Stephan von Erffa schwer. Der wäre alles andere als das kleine Licht gewesen, als das er dargestellt wird. Der Chefbuchhalter sei stattdessen der heimliche CFO von Wirecard gewesen. Gemeinsam hätten die Beiden immer wieder die Wirtschaftsprüfer getäuscht. So wurden beispielsweise Schecks rückdatiert, Verträge zusammengefrickelt und ebenfalls rückdatiert.

Bellenhaus sagte auch aus, dass ein Mitarbeiter, der gegenüber den Wirtschaftsprüfern nicht gelogen, sondern korrekte Angaben gemacht hatte, danach entlassen worden wäre.

Auch EY kommt bei der Aussage des ehemaligen Leiters der Niederlassung in Dubai nicht gut weg. Bellenhaus ist der Meinung, dass die Fälschungen sehr leicht zu enttarnen gewesen wären, hätten die Wirtschaftsprüfer nur genauer hingeschaut. Mittlerweile laufen auch tausende Klagen gegen EY.

Wirecard AG

Wirecard AG (Bild: Victoria Huber / Flickr)

Redet Stephan von Erffa?

Die Rolle des ehemaligen Chefbuchhalters ist bislang unklar. Dieser hat sich bislang als einziger noch nicht geäußert.

Aussetzung des Verfahrens wurde abgelehnt

Sowohl die Verteidiger von Markus Braun als auch die Verteidiger des früheren Chefs der Buchhaltung hatten einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens gestellt, der vom Gericht aber abgelehnt wurde. Diese wurden von der vierten Strafkammer des Landgerichts München I zurückgewiesen, mit der Begründung, dass die Richter keine gravierenden Verstöße gegen das Rechtsstaatprinzip sehen. Konkret werfen die Verteidiger der Staatsanwaltschaft vor, sie nachträglich mit Akten und Dokumenten zu "überhäufen." Außerdem wären den Verteidigern wichtige Dokumente vorenthalten worden. Das sehen die Richter allerdings etwas anders. Die Verteidigung habe jederzeit Zugang zu den Beweismitteln gehabt.

Laden ...
Fehler!