Grass und seine Blümchen-Lyrik

Es wird wohl noch einige Zeit verstreichen, bis Grass über sein eigenes Gedicht gewachsen sind wird. Indes sollte sich der Beobachter über den Popanz rund um die rührend naive Gutmenschen-Lyrik, die genauso gut von einer 16-jährigen (Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren oder Menschen) stammen könnte, wundern. Der ganze Medien- und Polit-Zirkus ist lediglich Business as usual: Ein prominenter Deutscher schreibt ein paar Zeilen über Israel oder Juden im Allgemeinen, die Worte werden als provokant, verhetzend oder antisemtisch bezeichnet, und schon öffnet der Zirkus zur politischen Korrektheit seine Pforten.

Der Schreiber fühlt sich missverstanden oder zu Unrecht ins "rechte Eck" (TM) manövriert, Vertreter jüdischer Organisationen empören sich, dito die Presse, quer durch die gesellschaftlichen Lager und politischen Spektren wird diskutiert, ob man denn so etwas überhaupt sagen dürfe, und am Schluss sind sich die Beteiligten einig, dass man bei der Wahl der Worte doch in Zukunft bitte vorsichtiger sein müsse, insbesondere "auf Grund der historischen Verantwortung Deutschlands" (TM). In diesem Zusammenhang stellte der Begriff "Sturm im Wasserglas" geradezu eine Überdramatisierung dar, die eines ganz offen zeigt: In unserer auf Kuschelkurs geformten Gesellschaft sind offene Debatten gar nicht mehr möglich. Dabei handelt es sich um das Lebenselixier des Fortschritts. Wo keine Bewegung, da herrscht Stillstand.

Kompostwurfsendung der Islamisten

Bitte nicht auf den Boden legen! Das verletzt religiöse Gefühle!

Islamophob?

Als Musterbeispiel hierfür darf der hiesige Umgang mit dem Islam gelten. Übt man auch nur verhaltenste Kritik am Islamismus, hängen Wörter wie "Hetze!", "Rechtspopulistisch" und natürlich die grandios dümmliche Wortschöpfung "Islamophobie" in der Luft. Ob die Kritik berechtigt ist oder es sich um eine freie Meinungsäußerung handelt, spielt dabei keine Rolle. Der Islam hat längst den Status einer Heiligen Kuh inne, was auch insofern befremdet, dass es den Gegenentwurf einer "christophoben" Hetze nicht gibt. Wer sich über Christen lustig macht, darf sich des wohlwollenden Applauses der Öffentlichkeit gewiss sein. Fair ist das zwar nicht, dafür jedoch konsequent. Schließlich hat der Mitteleuropäer mit seiner Vergangenheit gebrochen und sieht sich als Nachfahre des personifizierten Übels, das christlich geprägt war. So strickt man sich seine neo-spießbürgerliche Welt zurecht, in der Deutsch gleich dumpf, stinkend und menschenverachtend ist und man im Bemühen, historische Verbrechen der Vorfahren wieder gut zu machen, halsbrecherische Pirouetten dreht.

In die Schlagzeilen geriet zuletzt das Verschenken von Koran-Ausgaben radikaler Islamisten. Und, ja: Diese Bezeichnung findet sogar bei den Mainstreammedien Verwendung. Vielleicht auch deshalb, weil sich die Leute hinter dieser Aktion nicht gerade in Schafffelle hüllen oder mit ihren Ansichten hinterm Berg halten:

Der Initiator der Koran-Aktion, Ibrahim Abou-Nagie, attackierte Andersgläubige in harten Worten: "Christen und Juden kommen in die Hölle, wenn sie den Islam nicht annehmen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Muslime, die die Religion der Deutschen als gleichwertig bezeichneten, nannte er Verräter. Die muslimischen Kritiker der Salafisten seien Heuchler. "Denen verspricht Allah die Hölle", sagte er.

Sicher: Das ist erfrischend offen und ehrlich und lädt zum Discours ein, der freilich ausbleibt. Allenfalls wird beschwichtigt, dass Religionsfreiheit herrsche, das Verschenken von Büchern nicht strafbar sei und man nicht überreagieren dürfe.

Wie üblich, zelebriert die Kirche den unterwürfigsten Kotau:

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat darauf hingewiesen, dass im Islam jedes Koran-Exemplar eine große Bedeutung hat. Das Buch dürfe deshalb nach der Annahme nicht einfach auf den Boden gelegt werden, warnte ein Sprecher. "Das ist für Muslime völlig undenkbar. Das sollten die Leute wissen, die das annehmen."

Oder vereinfacht ausgedrückt: Andersgläubige haben sich gefälligst an die Sitten und Bräuche einer ihnen fremden Religion zu halten. Fast möchte ich den Ratschlag erteilen, Vertreter solcher Ansichten mögen Unzucht mit ihrem Verbindungsgelenk zwischen Ober- und Unterschenkel treiben. Andererseits ist es mir wichtig, meine bedingungslose Toleranz herauszustreichen, und handle diese noch so sehr meinen Interessen und Lebensentwürfen wider. Sollte man auch mir einen Koran anbieten, werde ich selbstverständlich dankend zugreifen. Schließlich startet ja bald die Grillsaison...

Wie sehen "Islamhasser" eigentlich aus? Ungefähr so, wie man sie sich vorstellt, traut man diesem überaus sachlichen Bericht über einen Vertreter dieser offenbar verachtenswerten Spezies:

[...] hochgradig unangenehm. Seine hasserfüllte, propagandistisch-verdrehte Sicht auf den Islam, die stierenden blauen Augen mit den winzigen Pupillen, sein wulstiger Hals unter dem haarlosen Kopf, seine aggressiven Handbewegungen, all das ruft tiefe Abneigung hervor, als zwei stern-Mitarbeiter ihn für den Artikel "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (32/2011) in einem Flughafencafé treffen.

Schade, dass man sich nicht in einer Sauna verabredete. Vielleicht hätte man auf dem Rücken des Islamhassers Hakenkreuz-Tattoos gefunden und auf seinem Schniedelwutz antisemitische Sprüche.

Den Gipfel der Unverschämtheit stellt aber dar, dass sich die im Web ihre menschenverachtenden Botschaften

Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit

verbreitenden Gleichgesinnten rund um den Hasserfülltsichtigen ungerecht behandelt fühlen. So weit kommt's noch, dass man Andersdenkenden dieselben Rechte wie allen anderen zugestehen sollte. Schließlich ist die eigene, gerechte Weltsicht die einzig Wahre.

Das Gericht wird hoffentlich feststellen, was die Staatsanwaltschaft in den Gedanken des Islam-Hassers bereits erkannt hat: stumpfe Volksverhetzung.

Wie überaus ärgerlich, dass hierzu überhaupt noch ein Prozess notwendig ist. Kann man einen Typen, der bereits äußerlich unangenehm ist, nicht einfach so in den Knast werfen? Nein? Ich sag's ja: Demokratie funktioniert einfach nicht!

Kirche goes Pop!

Um auch mal etwas Erfreuliches zu berichten: Die Katholische Kirche zeigt sich erstaunlich modern! Manch einem Mitglied mag die zeitgeistige Anbiederung zu weit gehen, ich persönlich staune nur noch über die erfrischende Öffnung der Kirche:

Die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier bietet nach Ansicht von Kardinal Marc Ouellet eine Chance, neu zum Glauben zu finden. [...] Triers Bischof Stephan Ackermann betonte, der Heilige Rock sei «seit frühesten Zeiten der Kirche als Symbol für die Einheit der Christenheit verstanden» worden.

Das ist doch mal was anderes! Nicht diese deprimierenden, langweiligen Psalmen und die eintönige Orgelmusik in den Gottesdiensten. Nachfolgend darf ich einen ersten Live-Mitschnitt aus Trier präsentieren.

Besinnliche Klänge, die zum Nachdenken anregen

Arme Frauen!

Am Essen sollt ihr sie erkennen!

Aus unserer Minirockserie "Frauen sind die besseren MenschInnen": Frauen sind auch die besseren Umweltschützer Das jedenfalls ergaben

[...] Untersuchungen von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie essen weniger Fleisch und Wurst, dafür mehr Obst und Gemüse. [...] Bei den Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, bei den Emissionen von Ammoniak (über Düngemittel) und beim notwendigen Flächenbedarf zeigte das durchschnittliche Ernährungsmuster der Frauen deutliche Vorteile. Der Grund: Sie essen weniger umweltintensiv produzierte Nahrungsmittel.

Keinesfalls könnte dies etwa damit zusammenhängen, dass Männer im Durchschnitt körperlich anstregendere Arbeiten erledigen und ein Bergbauarbeiter vielleicht einen höheren Kalorienbedarf als, sagen wir mal, eine Teilzeitbeschäftigte im klimatisierten Büro haben könnte.

 

Zeig mir, wo du surfst, und ich sage dir, was du bist

Leider gibt es Frauen, die das völlig korrekte Bild der unterdrückten, sexuell erniedrigten, gedemütigten und schlecht - wenn überhaupt - bezahlten Frau verzerren und den Frauenhassern in die Hände spielen. Etwa eine Verdächtige der so genannten Zwickauer Terrorzelle. Irgendwann wird sich vermutlich herausstellen, dass sie quasi in Notwehr gegen das frauenverachtende Patriarchat handelte und lediglich ein Opfer der Gesellschaft sei. Derweil haben Fahnder ihren Computer inspiziert und ein erstaunliches Surfverhalten festgestellt: Anstatt sich täglich Hitler-Reden anzuhören und auf Nazi-Seiten zu surfen,

[...] informierte sie sich unter anderem über das Brandenburger Traumstrand-Biotop "Tropical Island", die Eintrittspreise von Disneyland Paris, Zeltplätze an der Ostseeküste oder argentinisches Essen. Zschäpe erkundigte sich ebenfalls über Hartz IV, den Rapper Bushido und die TV-Show Big Brother.

Und zuletzt:

[...] Websites von Greenpeace, der Tierschutzaktion "Gegen Pelze" sowie "Biobauern Zwickau".

Interessantes Bewegungsprofil, würde ich meinen. Offenbar plante die werte Dame nach Erringung der Weltherrschaft einen Besuch im Pariser Disneyland und danach Urlaub an der Ostsee mit argentinischen Nazionalgerichten im Picknickkorb.

 

Nur jede zehnte Frau für Frauenrechte?

Abseits dieser unschönen Episode wirrer Emanzipation, muss an das nach wie vor schwere Los der Frauen erinnert werden. Nein, nicht die Frauen in islamisch dominierten Staaten, sondern hier im frauenverachtenden Westen! Da erinnern die hiesigen Grünen an das Frauenvolksbegehren vor 15 Jahren. Leider wurden die damaligen Forderungen so gut wie gar nicht umgesetzt, weshalb wir uns mit drängenden Problemen herumschlagen müssen:

[...] Einkommensdifferenzen bis zu 40 Prozent seien eine Tatsache, erklärte Glawischnig (Anmerkung: Bundessprecherin der öst. GrünInnen [...] sie halte gar nichts davon, diesen Wert um Faktoren wie etwa Teilzeitarbeit zu bereinigen. Das Herausrechnen der Teilzeit bedeute im Endeffekt nur "das Ausblenden von unbezahlter Arbeit". Denn Frauen gingen vor allem deswegen in Teilzeit, um familiäre Aufgaben zu übernehmen. [...]

Ich weiß wirklich nicht, wo ich den Hebel an dieser kruden Konstruktion ansetzen soll. Etwa bei der ewigen Mär von der "unbezahlten Arbeit im Haushalt"? Brauchen wir einen Stundenlohn für die Betreuung der eigenen Kinder? Mit gesetzlichem Urlaubsanspruch? Und warum wehren sich die armen Frauen gegen diese Ungerechtigkeiten nicht, indem sie Vollzeit arbeiten gehen und den Mann die Hausarbeit erledigen lassen? Ach ja, ich vergaß: Die Männer sind allesamt böse Unterdrücker! Alleine der bloße Gedanke, dass viele Frauen zufrieden mit ihrer Situation sein könnten und lieber Teilzeit arbeiten gehen und dafür mehr Zeit für die Kinder haben, ist purer Rechtspopulismus. Jeder weiß doch, dass die meisten Frauen geistig minderbemittelt sind und deshalb sorgsam ins durchsgegenderte Paradies geführt werden müssen.

Wenn hier etwas ausgeblendet wird, dann die simple Faktenlage. Frauen verdienen im Durchschnitt deshalb weniger, weil sie oft Teilzeitjobs verrichten, in schlechter bezahlten Berufen arbeiten oder auf hochbezahlte Karrieren verzichten.

Irgendwie ist es ohnehin müßig, auf die ewig gleichen Pseudo-Argumente einzugehen, etwa jenem, dass die Angleichung der Pensionsantrittsalter von Frauen an jenes der Männer abzulehnen sei, solange es keine Gleichstellung gäbe. Werte weibliche Leserinnen: So es Ihnen von Ihren zweifellos unterdrückenden, ausbeuterischen Ehegatten oder Freunden gestattet ist, diesen Artikel zu lesen, bitte ich Sie, mir ein einziges konkretes Beispiel hierfür zu nennen, wo Sie als Frau in bösartiger Absicht vom Gesetzgeber diskriminiert werden. Ich warte.

Ich warte.

Warte.

Warte.

Ach, wissen Sie was? Ehe ein böser Mann noch behauptet, Frauen würden im Gegenteil bevorzugte Behandlung erfahren, lassen wir das einfach. Wir wollen die FeminstInnen nicht mit dem Blick auf die Reailtät abseits wirrer Opferdarstellungen verwirren:

Immer noch ein frommer Wunsch sei allerdings die damalige Forderung nach einem Rechtsanspruch auf (ganztätige) Kinderbetreuung. Glawischnig drängte weiters auf die Koppelung von öffentlichen Auftragsvergaben sowie von Wirtschaftsförderung an die Existenz von Frauenförderplänen in den jeweiligen Unternehmen.

Bla, bla, bla, ich fordere!, bla, bla, bla, wir armen Frauen!, bla, bla, bla, böse Männer!, bla, bla, bla.

Übrigens: Interessiert es Sie zu erfahren, von wie vielen Wahlberechtigten das Frauenvolksbegehren damals unterschrieben wurde? Doch gewisslich von mindestens 50%? Oder gar 60 bis 70%, so es gutmenschliche Männer in diesem Lande gibt? Nicht ganz. Es waren elf Prozent, davon 3/4 Frauen. Oder zusammengefasst: Nicht einmal jede zehnte wahlberechtigte Frau unterschrieb dieses Volksbegehren. Das lässt sich nur mit ganz, ganz schlimmer Unterdrückung erklären, oder?

Wasser sparen kommt ziemlich teuer!

Doch wenden wir uns der Wirtschaftskompetenz unserer Herrscher zu. Sind Sie Berliner? Haben Sie fleißig Wasser gespart, wie es uns die Ökommunisten seit Jahren einschärfen? Ja? Tja, dann haben Sie Ihre Bestrafung in Form einer Nachzahlung verdient!

Darüber hinaus droht eine Nachzahlung in Höhe von insgesamt 74 Millionen Euro. Denn nach internen Unterlagen des Unternehmens waren die Tarife in den vergangenen Jahren zu niedrig angesetzt, weil die Berliner weniger Wasser verbrauchten als vom Unternehmen prognostiziert.

Keine Angst: Das hat schon alles seine Ordnung so! Der Berilner Senat hatte die Wasserbetriebe teilprivatisiert und dabei vertraglich Folgendes festgesetzt:

Nach dem Berliner Betriebegesetz können die Eigentümer sechs Jahre lang rückwirkend Nachzahlungen beantragen, um ihre vertraglich garantierten Gewinne zu erzielen

Lassen Sie mich die Situation kurz rekapitulieren: Zunächst werden Unternehmen mit abgepressten Steuergeldern aufgebaut. Dann werden sie teilprivatisiert, wobei die Erlöse natürlich nicht den rechtmäßigen Eigentümern zurückerstattet werden, und vertraglich werden den neuen Hausherren Gewinne garantiert, die wiederum der Steuerzahler aufbringen darf. Unerhört! Deshalb verhandelt das Land auch über den Rückkauf der veräußerten Anteile. Das hieße: Der Steuerzahler bezahlt den Rückkauf von Unternehmen, die er einst finanzieren musste, an deren Verkaufserlösen er nicht beteiligt wurde, und deren vertraglich garantierte Gewinne für die neuen Eigentümer er auch noch blechen musste. Ja, das ist etatistische Logik und der Wohlfühlsinn für Gerechtigkeit! Weil: Wer so blöd ist und für sein Geld arbeitet, kann ruhig doppelt und dreifach dafür Kohle abdrücken. Und was meinen einige der Verantwortlichen für dieses großartige Lehrstück in Sachen WIrtschaftskompetenz? Ich würde meinen, die Reaktionen fielen erwartungsgemäß aus:

Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), der die Kaufverhandlungen für das Land führt, wollte sich am Mittwoch nicht zu der drohenden Nachzahlung äußern. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) ist nach Angaben ihrer Verwaltung im Urlaub und war am Mittwoch nicht zu erreichen.

Griechen zocken zu wenig

Nun könnte man als Nichtdeutscher über derlei für den deutschen Steuerzahler teure Absurditäten lachen, wäre man nicht ausgerechnet Österreicher. Hier schafft es sogar der staatliche Glücksspielbetreiber, bei den Auslandsgeschäften riesige Verluste zu schreiben. Einen beträchtlichen Teil Mitschuld tragen natürlich die Griechen, die mittlerweile an allem Übel die Schuld zu tragen scheinen:

Die Griechen gehen wegen der Schuldenkrise kaum mehr ins Casino

Wie man's nimmt. Deren Politiker jedenfalls haben kräftig gezockt. Und wie im Casino gilt auch hierbei: Die Bank gewinnt!

Raubritter an den Tankstellen

Derweil lässt sich der hiesige Wirtschaftsminister in Punkto Problemlösungskompetenz und wirtschaftlichem Scharfblick nicht lumpen! Er

[...] habe bemerkt, dass die großen Ölkonzerne überhaupt keine Sensibilität für die Stimmungslage in der Bevölkerung haben." Anstatt der Versuchung hoher Preise zu widerstehen und damit zur Beruhigung beizutragen, habe man die Feiertage nachweislich für Preisspitzen genützt.

Ein gesellschaftspolitischer Skandal erster Güte: Unternehmen trachten danach, ihre Profite zu erhöhen! Gott sei Dank wurde dieser unfassbare Missstand glaskal erkannt und soll ausgeräumt werden:

"Wir prüfen alle Möglichkeiten bis hin zu gesetzlichen Änderungen, um dem entgegenzutreten", so der Minister. Konkret denke man "in Richtung von Bandbreitenmodellen". Dabei sollen anhand objektiv nachvollziehbarer Fakten "gewichtete Preise" ermittelt werden. Diese dürfen dann in bestimmten Zeiträumen - etwa über verlängerte Wochenenden - nicht mehr verändert werden.

So, so: "Objektiv nachvollziehbare Fakten". Dass die Steuern mehr als die Hälfte des Benzinpreises ausmachen, wird dabei natürlich geflissentlich übersehen. Oder dass niemand zum Tanken gezwungen wird. Das sind auch Nebensächlichkeiten, mit denen man sich nicht beschäftigen möchte, wenn man sich doch in der Zustimmung der so schlimm von den bösen Kapitalisten ausgebeuteten Bevölkerung sonnen kann!

Misstöne bei Miss-Wahl

Abschließend noch wie immer eine erfreuliche Story: Die als Mann geborene Jenna Talackova, die sich vor vier Jahren einer Geschlechtsumwandlung unterzog, darf nach einer Reihe von Protesten nun doch an der Wahl zur Miss Universe Kanada teilnehmen! Eine nette Geste der Organisatoren. Dennoch verbleibt ein Wermutstropfen.

"Die Mitteilung streicht aber nicht die Regel, die besagt, dass nur Frauen, die von", zitierte das Magazin "People" Talackovas Anwältin. Ihre Mandantin erwäge nun rechtliche Schritte.

Anwältin? Mandantin? Rechtliche Schritte?

Verzeihung, ich vergaß ja ganz, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden, wo man bei den geringsten Uneinigkeiten vor Gericht zieht, jeder einen Anwalt zur Hand hat und jeder Mensch auf dieser Welt ganz, ganz schrecklich benachteiligt und diskriminiert wird!

Etwas Gutes hat die Angelegenheit trotzdem: Sollte Jenna den Bewerb gewinnen - und die Chance hierfür steht wohl gut, da die Organisatoren bestimmt "politisch korrekt" sein und ihre Toleranz beweisen möchten -, werden FeministInnen nicht mehr ein und aus wissen. Denn einerseits hätte eine Transsexuelle gewonnen, andererseits war sie einmal ein Mann. Bedeutete dies nicht, dass sich die bösen Männer letzten Endes sogar bei Miss-Wahlen rücksichtslos gegenüber Frauen verhielten? Müsste man eine Frauenquote bei Miss-Wahlen einführen?

Ach, es ist halt einfach alles so kompliziert...

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