Kaum jemand bezahlt gerne Steuern. Ein höchst betrüblicher Umstand, ist das Bezahlen von möglichst hohen Steuern doch nicht einfach eine lästige Verpflichtung, sondern schafft so viel Gutes, dass es eigentlich keinen einzigen plausiblen Grund dafür gibt, weshalb die Steuerquote fürs gemeine Volk nicht 100% betragen sollte. Und da dem Artikelautor immer wieder anarchistische Tendenzen unterstellt werden - was dieser mit sozialistischer Empörung von sich weist -, sollen anbei einige positive Beispiele dafür aufgezeigt werden, weshalb nur der Staat für eine sozial gerechte Umverteilung finanzieller Mittel sorgen kann. Im Übrigen: Wem an unserem System etwas nicht passt, der kann ja seine Koffer packen und nach Nordkorea auswandern! So, das musste einmal gegen all diese nervigen Querulanten gesagt werden.

Rettung des Euro: Es liegt an der Jugend!

Die Rettung des Euro und der durch böse Raubtierkapitalistenschwärme aus den USA und Mordor bedrohten EU-Staaten letzte Woche, ist nur dank Ihrer Steuern, werter Leser, möglich gemacht worden. Sicher: Jüngeren Generationen mag es etwas unfair erscheinen, die Zeche für die eine oder andere fragwürdige Finanzentscheidung dieser oder fremder Regierungen bis ans Lebensende bezahlen zu müssen. Aber, liebe Generation Praktikum, dafür bekommt ihr Frieden und müsst euch nicht in Russland die Eingeweide aus dem Leib ballern lassen. Das ist ein ungeheurer zivilisatorischer Fortschritt! Diesen Frieden müsst ihr euch nun mal etwas kosten lassen. Ganz davon zu schweigen, dass es den Generationenvertrag gibt, den ihr kraft eurer Geburt in Deutschland unterfertigt habt. Und außerdem: Was würdet ihr mit eurem Geld schon anfangen, wenn ihr selbst darüber verfügen dürftet? Private Krankenversicherung, Lebensversicherung. Pensionsvorsorge - alles Humbug! Der Staat weiß, was gut für euch ist. Die Geschichte belegt dies eindrucksvoll. Deshalb: Seid fleißig und arbeitet, was das Zeug hält, damit ihr durch mehr Steuern für noch mehr Gerechtigkeit auf der Welt sorgen könnt. Ehrlich: Wenn ihr noch ein bisschen mehr abliefert, kann der Weltfriede errichtet, die Klimakatastrophe abgewendet und der Kampf gegen Terrorismus, Hunger und Krankheiten gewonnen werden. Solltet ihr aber zu wenig arbeiten und somit gerade euer Anteil fehlen, um diese hehren Ziele zu verfehlen, ist es praktisch eure Schuld, wenn die Kinder in Afrika verhungern und die Eisbären am Nordpol schmelzen. Dies soll keinesfalls moralische Erpressung, sondern nur gesunder Ansporn sein!

Merkel beliebt wie nie - aber bei wem?

Angesichts ihrer vorausschauenden Entscheidungen, knallharter Fiskalpolitik und ihres Verhandlungsgeschicks, verwundert es nicht, dass sich BundeskanzlerIn Merkel größter Beliebtheit erfreut. 66 Prozent der Deutschen sind mit ihrer aufopfernden Arbeit zufrieden. Leider konnte ich nicht herausfinden, wo diese Umfrage erstellt wurde: Ob auf der Straße oder im Bundeskanzleramt. Noch weitaus beliebter ist demnach Bundespräsident Joachim Gauck: 81 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Da der Bundespräsident ohnehin nicht vom Volk gewählt wird, spielt dies freilich keine Rolle.

Seltsam dünkt den Artikelautor allerdings eines: Wenn die Kanzlerin dermaßen beliebt ist, weshalb kennt er dann niemanden, der sie so toll findet? Oder kennen Sie, lieber Leser, zahlreiche Leute, die über Merkels Arbeit zufrieden sind? Vielleicht täusche ich mich auch und Angela Merkel ist der Dieter Bohlen der Politik: Keiner bekannte sich zu "Modern Talking", aber Millionen Leute kauften deren Platten. Deshalb starte ich meine Aktion: Wie zufrieden sind Sie mit Angela Merkels Arbeit? Stimmen Sie ab, gratis, unverbindlich und ohne Tabus!

Ich bin mit Merkels Arbeit ...

Die Ärmsten dieser Gesellschaft

Ohne Steuern gäbe es natürlich auch keine Finanzämter. Vielfach wird Finanzbeamten vorgeworfen, sie seien verknöchert und verstaubt. Das stimmt gar nicht, wie ein höchst unkonvenionell geführtes Finanzamt aus Berlin beweist.

So konnten die Mitarbeiter, statt zu arbeiten, in der Vergangenheit während der Dienstzeit regelmäßig an Gymnastikkursen in der Amtsbibliothek teilnehmen.

Genützt scheint diese löbliche Maßnahme nicht zu haben:

Der Krankenstand [...] soll durchschnittlich bei sechs Wochen im Jahr liegen

Vielleicht ja wegen der Gymnastikkurse?

Und was meint die zuständige Verwaltung?

"Die Berliner Finanzämter leisten gute Arbeit, auch das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen."

Sehen Sie, lieber Leser: Das ist Rückhalt, das ist Vertrauen. Und vor allem ist das Labsal auf die Seelen der Ärmsten dieser Gesellschaft: Unseren Beamten! Falls Sie mal wieder auf einem Amt angeschnauzt werden, bieten Sie dem Beamten Ihre Wurststulle an - vielleicht hat er ja nur Hunger, der Ärmste.

Bald Menschenrechte in Afghanistan?

Aber nicht nur die Armen in unserer neo-liberalen, vom Kapitalismus verseuchten Gesellschaft werden dank Steuern und sonstiger Abgaben vor dem Hungertod bewahrt. Auch viele ausländische WeltbürgerInnen profitieren von Ihrer Ehrlichkeit und Ihrem Fleiß. Etwa Afghanistan, dessen Wiederaufbau zügig voranschreitet.

Seit der US-geführten Invasion zum Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001 sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 47 und 60 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern nach Afghanistan geflossen.

Weitere Milliarden aus dem Westen folgen, wobei das Geld natürlich nicht einfach irgendwo versickert oder veruntreut wird, sondern an strenge Auflagen geknüpft ist:

So sollen im Jahr 2014 transparente und demokratische Wahlen stattfinden, die Menschenrechte und die Rechte der Frauen geachtet und die Korruption in den Behörden bekämpft werden.

Nur mal langsam mit den Pferdchen: Schon in zwei Jahren sollen Menschenrechte geachtet werden? Und das wegen ein paar läppischen Milliarden? Das müsste dem knausrigen Westen schon um Einiges mehr wert sein! Und bis es so weit ist, kann man den Ernstfall der Achtung von Frauenrechten üben. Am meisten lernt man ja bekanntlich aus Fehlern, weshalb ein kleines Zeichen dafür gesetzt wurde, wie man sich nicht verhalten sollte: Angebliche Ehebrecherin auf offener Straße hingerichtet.

Die Reaktionen auf diesen - natürlich kulturell zu wertenden - Fauxpas:

Die afghanische Abgeordnete Fawsia Koofi bezeichnete den Vorfall als riesigen Schritt rückwärts. Zugleich fragte sie sich, wie es in dieser Menschenmenge so weit kommen konnte.

Ja, das ist wirklich völlig rätselhaft! Keinesfalls kann es am radikalen Islam und jahrzehntelanger Indoktrination liegen. Wahrscheinlich ist der Klimawandel schuld. Nein, halt, der neo-liberale Kapitalismus!

Putzig:

Die Taliban waren zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das ist ungefähr so, als wollte man von der Mafia eine offizielle Erklärung für einen Auftragsmord einholen.

Sie sehen: Ihr Steuergeld ist in Afghanistan bestens investiert!

 

Unserem geliebten Terroristen zu Ehren!

Gerüchteweise soll Jassir Arafat vergiftet worden sein. Interessanter jedoch:

Zur Zeit ist sein Grabmal wieder eingerüstet und für Pilger nicht zugänglich. Die Umbauten wurden zeitweilig mit EU-Geldern finanziert.

Zum Mitschreiben: Das Grabmal eines Terroristen wurde teilweise durch die EU finanziert. Freilich sollte dies nicht verwundern. So hat sich Arafat einst an EU-Geldern für die Palästinensische Autonomiebehörde bedient, wie er überhaupt ein Musterbeispiel für Korruption darstellte. Aber was soll's: So war er halt, der Arafat! Böse konnte man ihm nicht sein, so schlimm wie er von den Jud..., äh, der israelischen Regierung unterdrückt wurde. Und er lächelte doch immer so lieb! Kein Wunder, dass tausende Deutsche mit dem Palituch ihre Solidarität mit den Palästinensern bekundeten und immer noch bekunden. In Europa ist immer der Deutsche an allem Schuld, im Nahen Osten der Ju..., äh, israelische Staat.

Die Verheerungen des Kapitalismus!

Zum Abschluss noch ein Musterbeispiel dafür, weshalb der Kapitalismus grundböse ist und wir den Staat brauchen, um den vielgerühmten kleinen Mann von der Straße vor den Verheerungen ungezügelter Neo-Liberalität zu schützen. Stromkunden sollen künftig noch schlimmer abgezockt werden. Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee halten sich an Stromkunden schadlos, wenn ihre Netze nicht funktionieren und sie dadurch Verluste erleiden. Sehen Sie? Freie Marktwirtschaft funktioniert nicht! Nächstes Thema...

Pardon, ich höre gerade, dass das Ganze mit Freier Marktwirtschaft nicht allzu viel am Hut hat. Ich ergänze deshalb:

Sollte das Netz nicht funktionsfähig sein, haben die Windparkbetreiber Anspruch auf Entschädigung für den Verlust an Gewinn und Vermögen. Sie beträgt ab dem 11. Tag unterbrochener Einspeisung 90 Prozent der vom Gesetzgeber versprochenen Einspeisegebühr von bis zu 190 Euro je Megawattstunde laut Erneuerbare-Energien-Gesetz. Für betriebsbedingte Netzwartungszeiten gibt es einen pauschalen Schadensersatz. Diese Kosten werden auf die Stromkunden abgewälzt.

Das, äh, hat schon seine Richtigkeit. Schließlich hängen Arbeitsplätze daran... und... nun ja, die Gesetzgeber werden schon ihre Gründe dafür haben! Schließlich steht unser aller Wohl im Vordergrund sämtlicher Überlegungen. Denken Sie daran, wenn die Stromrechnung mal ein paar lächerliche Euro höher ausfallen sollte. Wäre es Ihnen etwa lieber, wenn der Markt tatsächlich frei wäre? Oder wenn zum Beispiel Ihr Nachbar Strom erzeugen und Ihnen verkaufen dürfte? Eben!

Nadja Auermanns späte Erkenntnisse

Supermodel Najda Auermann lässt mit einem "Bild"-Interview aufhorchen, in dem sie schonungslos mit unserer oberflächlichen Gesellschaft und den perversen Schönheitsidealen abrechnet. Das fällt ihr Jahre später auf, nachdem sie vermutlich ein bisschen mehr als die Butter aufs Brot mit ihren Modeljobs verdient hat. Und wie es sich für eine Frau des 21. Jahrhunderts gehört, weiß sie, was politisch und feministisch korrekt ist:

"Ich glaube, dass ältere Frauen sehr, sehr schön sein können"

Absolut! Warum startet eigentlich nicht der "Playboy" den Versuch, sein Heft nicht mit diesen hässlichen jungen Frauen, sondern schönen alten 70-Jährigen zu füllen? Die Antwort gibt Frau Auermann selbst:

"Leider grassiert in großen Teilen unserer Gesellschaft der Jugendwahn."

Ich bin kein Psychologe, aber könnte das eventuell damit zusammenhängen, dass jüngere Menschen einfach als, och, attraktiver angesehen werden? Und wie hätte Frau Supermodel wohl reagiert, wenn man ihr als 20-Jähriger laufend Absagen erteilt hätte, weil man runzelige, dicke Frauenkörper nicht benachteiligen wolle? Aber so ist das eben: Wenn man nicht mehr jung und knackig ist, schüttelt man über die Jugend und den "Jugend- und Schönheitswahn" den Kopf.

Davon weiß ich in die Jahre geratener Ex-Adonis ein traurig' Lied zu trällern...

Und wenn Sie mir was Gutes tun wollen ...
Filmriss - 19 SF-Filme für die Tonne
Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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