Die ersten Ghettos der Welt und woher der Name stammt

Im Prinzip ist ein Ghetto nach der ursprünglichen Bedeutung ein abgesondertes Wohnviertel. Ghettos gab es schon, bevor sich der Name "Ghetto" für sie einbürgerte. Seit der Antike wurden Juden in eigenen Vierteln einquartiert. Das erste bekannte Viertel dieser Art entstand 1084 in Altspeyer. Judenviertel fand man dann vor allem Anfang des 13. Jahrhundert wirklich überall in Europa. Es waren keine Armenviertel, aber dennoch waren die Wohnzustände nicht immer besonders freundlich, weil teilweise einfach zu viele Juden auf engem Raum zusammen leben mussten. Nach und nach im Laufe der folgenden Jahrhunderte bildeten sich um alle Hauptstädte herum Judenviertel, die fest vermauert waren und über Nacht sogar abgesperrt. Nicht selten mussten sich Juden kennzeichnen, wenn sie außerhalb ihres Viertel unterwegs waren. Ein bekanntes Judenviertel befand sich in Venedig, auf einer Insel im Sestiere Cannaregio, genannt Gettore, nach der dort befindlichen Gießerei (getto bedeutet Guss). Dieses bekannte Ghetto war der Namensgeber für alle weiteren Ghettos und so entstand der Name. 

WARSAW GHETTO, POLAND ---JEWISH GHETTO POLICE ARM BAND EARLY 1940's (Bild: woody1778a / Flickr)

Im 19. Jahrhundert wurden zunächst die meisten Ghettos aufgelöst, dank der verschiedenen liberalen Bewegungen, die sich durchsetzten. Während des Nationalsozialismus wurden sie bekannter Weise wieder eröffnet, in Form von Sammelstellen und Lager für die jüdische Bevölkerung, vor allem in Osteuropa. Ein bekanntes Beispiel dafür fand man in Warschau. 

Die Zustände in den Ghettos waren zu dieser Zeit unerträglich und der Alltag war geprägt von Hunger, mangelnder Hygiene, Seuchen und Krankheit und daraus folgend Tod. Zudem waren die Lager überbevölkert und die SS begann nach und nach die jüdische Bevölkerung auf verschiedenste grausamste Weisen zu eliminieren.

Neuere Ghettos und Ghettos heute

Im deutschsprachigen Raum setzte sich der Begriff Ghetto eigentlich erst später durch. Er tauchte in den Medien in Verbindung mit Amerika vor allem in den 70er und 80er Jahren auf. Die bekanntesten Ghettos in Amerika, wie Harlem oder Bronx in New York, die Skid Rows in Los Angeles und auch die anderen Ghettos der größeren Städte sorgten immer wieder für Medienaufmerksamkeit wegen zahlreicher Gewaltverbrechen.

Inzwischen hat sich die Situation in den meisten Ghettos weltweit etwas verbessert, dennoch sind viele Viertel immer noch von Armut geprägt, was zwangsweise auch dazu führt, dass Kinder unregelmäßig die Schule besuchen. Mangelnde Bildung und eher minderwertige Lebensbedingungen führen natürlich zu hohen Kriminalitätsraten in den Ghettos.

Viele Kids nützen Musik, um sich mit den sozialen Missständen auseinander zu setzen und sehen es auch als Weg, um aus dem Ghetto herauszukommen. Viele bekannte Musiker stammen aus Ghettos und viele typische Musikrichtungen entstanden in den Vierteln. So entstand zum Beispiel der Hip Hop in den 70er Jahren oder später der Gangsta Rap. Trotz kritischer Musiktexte wurde das Ghettoleben durch die Musik etwas romantisiert und Leute, die ursprünglich aus dem Ghetto stammen, den Sprung heraus aber geschafft haben, sind meist stolz über ihre Herkunft.

Ist ein Ghetto mehr heruntergekommen, mit baufälligen Gebäuden, mangelnden hygienischen Verhältnissen und komplett geprägt von Armut, so spricht man nicht mehr von Ghetto, sondern von einem Slum. Nach wie vor gibt es Slums in Amerika, ansonsten findet man sie eher in den Dritte Welt - Ländern. In Afrika zum Beispiel findet man Slums bei fast allen größeren Städten. Die kleinen Häuschen haben keinen Strom und sind meist provisorisch und illegal aus Müll zusammen gebaut. Modernere Ghettos, mit Häusern mit Strom, die mehr den amerikanischen Ghettos gleichen, werden in Afrika Compounds genannt. 

Slum in Südafrika (Bild: Barbara Lechner-Chileshe)

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