Das Gehirn im Herzen

Die erste erstaunliche Parallele zwischen "Bauch und Herz" besteht darin, dass der Mensch nicht nur in seinem Magen-Darm-Trakt ein komplexes Nervensystem besitzt, das ähnlich funktioniert wie sein Kopfgehirn, sondern auch, wie die neue Wissenschaftsdisziplin der Neurokardiologie gezeigt hat, in seinem Herzen. Immer dann, wenn der Mensch mit einer Körperregion bzw. einem Organ auch starke Emotionen verbindet, kann man also davon ausgehen, dass diese Bereiche des Organismus auch neuronale Strukturen besitzen. Und zwar enthält das Nervensystem des Herzens etwa 40.000 Neuronen – das sind 60 Prozent der Herzzellen - die ein eigenständiges und vom Kopfgehirn und unserem autonomen Nervensystem unabhängig agierendes Netzwerk bilden. Das Nervensystems des Herzens ist damit zwar wesentlich kleiner als das Nervensystem im Magen-Darm-Trakt mit seinen mindestens hundert Millionen Nervenzellen und erscheint gegenüber dem Kopfgehirn mit seinen schätzungsweise 100 Milliarden Nervenzellen als geradezu winzig, aber aus Sicht der Wissenschaft ist es komplex genug, um als ein eigenes Gehirn bezeichnet zu werden. Und zwar ist dieses Herzgehirn fähig, zu empfinden, sich zu erinnern, zu lernen, und unabhängig vom Kopfgehirn Entscheidungen zu treffen. Das Herz ist mit anderen Worten ein äußerst komplexes, selbst-organisiertes Informationsverarbeitungszentrum mit seinem eigenen operativen Gehirn. Dass das Herz ein eigenes Gehirn besitzt, ist auch die Erklärung dafür, dass der menschliche Embryo im Mutterleib zunächst ohne Gehirn, "nur" mit Herz, existieren kann. Das heißt, dass das Herz zu schlagen beginnt, bevor sich das Gehirn im Kopf bildet, ist deshalb möglich, weil es von seinem eigenen Gehirn gesteuert wird.

Mythos Herz (Bild: geralt/Pixabay.com)

Das Herz als Symbol der Liebe (Bild: geralt/Pixabay.com)

Die Kommunikation zwischen Herzgehirn und Kopfgehirn

Auch die Kommunikation zwischen Herzgehirn und Kopfgehirn verläuft ähnlich wie die Kommunikation zwischen Bauchgehirn und Kopfgehirn. Das heißt: Ebenso wie das Bauchgehirn das Kopfgehirn über wichtige Vorgänge im Organismus informiert, empfängt und verarbeitet auch das Herzgehirn eine Fülle an Informationen und leitet sie über das vegetative Nervensystem an das Kopfgehirn weiter. Und ebenso wie das Bauchgehirn Einfluss nimmt auf unsere Wahrnehmung und unsere Emotionen, beeinflussen auch die Signale, die das Herzgehirn ununterbrochen zum Kopfgehirn sendet, die höheren Gehirnfunktionen, die mit Wahrnehmung, Kognition und der Verarbeitung von Emotionen befasst sind. Zudem scheint es, dass das Herzgehirn weit mehr Informationen an das Kopfgehirn sendet als umgekehrt. Auch hier zeigt sich eine Parallele zum Informationsaustausch zwischen Bauchgehirn und Kopfgehirn. Nach neuesten neurobiologischen Erkenntnissen hat das Gehirn im Herzen sogar trotz seiner geringen Größe eine höhere Informationsverarbeitungskapazität als das Gehirn im Kopf.

Herzmuskel (Bild: OpenClips/Pixabay.com)

Herzschlag (Bild: geralt/Pixabay.com)

Die Bedeutung des Herzgehirns für das Funktionieren des Organismus

Hinsichtlich der Bedeutung von Bauchgehirn und Herzgehirn für das Funktionieren des gesamten Organismus bestehen zwar weitere Parallelen, aber neue wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass dem Herzgehirn eine darüber hinausgehende Bedeutung zukommt, und zwar unabhängig davon, dass das Herz den Blutkreislauf des Organismus aufrechterhält. So werden zum einen im Nervensystem des Herzens genau wie im Kopfgehirn und im Bauchgehirn verschiedene Neurotransmitter (Botenstoffe) und Hormone ausgeschüttet, die Einfluss auf den ganzen Körper haben. Das heißt: Das Herzgehirn nimmt ebenso wie das Bauchgehirn über den Austausch von Signalen nicht nur Einfluss auf unsere Gehirnfunktionen – unser Denken und unsere Gefühle – sondern auch auf unseren Hormonkreislauf und weitere Funktionen unseres Körpers. Die darüberhinausgehende Bedeutung des Herzgehirns für das Funktionieren unseres Organismus zeigt sich in der Rolle, die der Herzrhythmus, die Herzkohärenz, spielt. Das heißt: Von der Herzkohärenz hängt es ab, ob die Kommunikation in unserem Körper harmonisch oder chaotisch abläuft. Die Herzkohärenz und damit ein harmonischer Herzrhythmus wirkt sich folglich positiv auf alle Körperfunktionen aus. Die Herzkohärenz ist jedoch ihrerseits abhängig vom "Gefühlshaushalt" des Menschen. So wird die Aufrechterhaltung eines harmonischen Herzrhythmus und damit der Balance im Nervensystem durch das Empfinden angenehmer, positiver Gefühle befördert, während negative Emotionen zu einer starken Störung im Herzrhythmus und im autonomen Nervensystem führen und damit auch den Rest des Körpers nachteilig beeinflussen.

Herzkohärenz (Bild: OpenClips/Pixabay.com)

Das Herz und sein Gehirn (Bild: geralt/Pixabay.com)

Das Magnetfeld des Herzens

Bei einem harmonischen Zusammenspiel aller Körperfunktionen kann man auch davon sprechen, dass die unterschiedlichen im Körper erzeugten Schwingungen, also die elektromagnetischen Wellen, die von Herz, Gehirn und Atmung ausgehen, im Einklang sind. Dabei ist bemerkenswert, dass innerhalb des Organismus die elektromagnetischen Wellen des Herzens wesentlich, nämlich 500-5000 Mal, stärker sind als die des Gehirns. Auch diesbezüglich spielt also der Größenunterschied keine Rolle. Das Herz ist folglich die stärkste elektromagnetische Kraftquelle im Organismus. Daher ist das Herz beim Zusammenspiel der Körperfunktionen der Impulsgeber und gibt mit seinem Rhythmus die Richtung vor. Das heißt: Das Herz-Feld pulsiert und sendet komplexe rhythmische Muster durch den ganzen Körper, gibt also das synchronisierende Signal für den gesamten Organismus. Das vom Herzen erzeugte elektromagnetische Feld hinterlässt jedoch – und auch das ist bemerkenswert - nicht nur Spuren in allen Zellen des Organismus, sondern beeinflusst auch das Nervensystem anderer Menschen und ist noch mehrere Meter vom Körper entfernt messbar. Es wird deshalb vermutet, dass das Magnetfeld des Herzens auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation synchronisierend wirken könnte. So wurde schon mehrfach nachgewiesen, dass sich die Gehirne von Menschen während eines tiefen Gesprächs soweit synchronisieren, dass die Gehirnwellen völlig identische und deckungsgleiche Muster aufweisen. Und Experimente haben ergeben, dass dies auf das Wirken des elektromagnetischen Feldes des Herzens zurückzuführen ist. Das heißt, dass die von einer Person erzeugten elektromagnetischen Informationsmuster des Herzens in den Gehirnwellen einer zweiten Person gemessen worden sind, dass also in der Tat das elektromagnetische Feld des Herzens Informationen zwischen Menschen übertragen kann. Wenn sich eine Person auf das Herzfeld einer zweiten Person einlässt, kann folglich ein reger Informationsaustausch auf nonverbaler Ebene stattfinden. Und zwar gehen die Forscher davon aus, dass das Nervensystem dabei als eine Art "Antenne" fungiert, die auf die elektromagnetischen Felder eingestimmt ist, die von den Herzen anderer Individuen erzeugt werden, und auf diese Felder reagiert. Und sie glauben, dass diese Fähigkeit zum Austausch von energetischen Informationen angeboren ist. Das Herzgehirn spielt folglich über das Wirken seines Magnetfeldes nicht nur eine besondere, integrative Rolle im menschlichen Organismus, sondern auch in den Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt. Bleibt die Frage, ob diese "Macht" des Herzens ein Indiz dafür ist, dass die Seele im Herzen "wohnt"? Eine Antwort auf diese Frage könnte sich aus den Berichten über die merkwürdig erscheinenden Folgewirkungen von Herztransplantationen bei den Betroffenen ergeben.

"Heimat" der Seele? (Bild: geralt/Pixabay.com)

Das Herz und sein Magnetfeld (Bild: geralt/Pixabay.com)

Wird bei Herztransplantationen die Seele mit übertragen?

Es ist inzwischen vielfach dokumentiert, dass Menschen, die ein neues Herz erhalten haben, Gewohnheiten und Vorlieben des Spenders übernehmen, sich in ihrer Persönlichkeit verändern oder sich an Details aus dem Leben des Herzspenders erinnern, obwohl sie diesen naturgemäß nicht kennen. Viele Empfänger eines Herzens haben zudem, wie Studien zeigen, das seltsame Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Gelegentlich entwickeln Patienten sogar die "Fantasie eines geteilten Körpers", also die Vorstellung, "dass noch jemand in ihrem Körper steckt". In dem wohl bisher spektakulärsten Fall, über den in diesem Zusammenhang berichtet worden ist, hatte ein zehnjähriges Mädchen das Herz einer Achtjährigen erhalten. Seit der Operation litt die Organempfängerin an so schweren Albträumen, dass ihre Eltern sie psychologisch behandeln ließen. In den Sitzungen berichtete das Kind detailliert darüber, umgebracht zu werden. Das schien so realistisch, dass die Psychologin die Polizei alarmierte. Die Experten waren fassungslos: Die Informationen, die die Träume enthielten, waren in allen Details so konkret und genau, dass der Mörder des achtjährigen Mädchens, von dem das Herz stammte, identifiziert und verurteilt werden konnte. Beim Zustandekommen solcher Phänomene scheint aus Sicht der Wissenschaft das starke Magnetfeld des Herzens eine entscheidende Rolle zu spielen. Das heißt: Dadurch dass die von dem Magnetfeld ausgehende Energie durch den Körper zirkuliert und dabei mit Hilfe von Neurotransmittern Informationen weiterleitet, wird die - oben geschilderte - direkte Kommunikation zwischen Herz und Hirn hergestellt, die zur Folge hat, dass Gedanken, Gefühle, Ängste und Träume nicht nur im Gehirn, sondern auch im Herzen stattfinden, wo sie codemäßig gespeichert und an alle Zellen weitergegeben werden. Und dieses "zelluläre Erinnerungsvermögen" wandert mit einem Spenderherzen in den Körper des Empfängers. Folglich könnten Signale, die ein solches Spenderherz auch nach seiner Transplantation ausstrahlt, Informationen enthalten, die dem früheren Besitzer "am Herzen lagen" und die nun auch den neuen Besitzer "umtreiben".

Erinnerungen (Bild: geralt/Pixabay.com)

Das Geheimnis des Herzens (Bild: geralt/Pixabay.com)

Eine neue Sicht auf Nahtoderlebnisse

Die Erkenntnis, dass das Herz ein eigenes Gehirn besitzt und dass infolgedessen mentale Erlebnisse nicht nur im Kopfgehirn, sondern auch im Herzgehirn stattfinden, könnte meines Erachtens auch zu einem neuen Ansatzpunkt bei der Erklärung von sogenannten Nahtoderlebnissen führen, also von angeblichen Jenseitserfahrungen, über die Menschen berichten, die einen vorübergehendem Herzstillstand erlitten hatten. Bisher wurde von Experten, die diese Berichte für glaubhaft halten - wie ich in meinem Artikel über die Vorgänge im Gehirn bei Nahtoderlebnissen gezeigt habe - immer argumentiert, dass diese Berichte starke Indizien seien für die Existenz einer unsterblichen Seele, die ihre "irdische Basis" im Kopfgehirn habe und dieses beim Tod verlasse. Wenn man nun davon ausgeht, dass das Herz ein eigenes komplexes Gehirn besitzt, wäre es meiner Meinung nach genauso plausibel, Nahtoderlebnisse auf die Existenz einer unsterblichen Seele zurückzuführen, die während des irdischen Daseins des Menschen im Herzen "wohnt. Ich möchte hier anknüpfen an die Überlegungen des renommierten Nahtodforschers und Kardiologen Pim van Lommel, der - wie ich in dem eben genannten Artikel gezeigt habe – in Anlehnung an die Quantenphysik unterscheidet zwischen dem Teilchen-Aspekt und dem Wellencharakter eines unsterblichen "Bewusstseins". Danach entspricht jener Teil des menschlichen Bewusstseins, der an das Gehirn gebunden ist, dem Teilchen-Aspekt, und beim Tod nimmt das Bewusstsein wieder Wellencharakter an. Van Lommel folgert daraus, und das finde ich höchst bemerkenswert, dass das Bewusstsein nichts anderes ist als ein "Informations-Feld" elektromagnetischer Wellen und dass das Gehirn gleichsam der "Empfänger" dieser Wellen ist. Da, wie gezeigt, das Magnetfeld des Herzens die stärkste elektromagnetische Kraft im Organismus ist, drängt sich meines Erachtens - wenn man der Argumentation van Lommels folgt - die Überlegung auf, dass dieses Kraftfeld, das vom Herzen ausgeht, identisch ist mit dem unsterblichen Bewusstsein/der unsterblichen Seele. Danach würde die Kraft, die vom Magnetfeld des Herzens ausgeht, über den Tod hinaus weiterexistieren.

Fazit

Vieles spricht dafür, dass das Herz, wie es in uralten Mythen behauptet wird, tatsächlich die Seele des Menschen beherbergt und dass diese Seele unsterblich ist.

Bildnachweis

Alle Bilder: Pixabay.com

Autor seit 3 Jahren
105 Seiten
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