10 Gedanken über das Leben

Das Leben von Tiziano Terzani - Erfolge als Buchautor und Journalist

Tiziano Terzani wurde 1938 in einem ärmlichen florentinischen Viertel geboren, er erzählt voller Humor, wie er an Sonntagen durch Florenz spazierte und als Junge den Reichen beim Eisessen zusah, Aus Geldmangel konnte er nicht in die Einscafes und so blieben ihm nur die Beobachtungen und die blieben immer in seinem Gedächtnis. Durch die Unterstützung seiner Lehrer konnte er ein Gymnasium besuchen und studierte in Pisa Jura. In Florenz lernte er seine spätere Frau Angela Staude kennen, Angela war die Tochter des deutschen Malers Hans-Joachim Staude. Nach Zwischenstationen in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden bekam er in den 60er Jahren ein Stipendium an der Columbia University und dort studierte er Sinologie. Ab 1971 arbeitete er als Korrespondent für den "Spiegel" in Vietnam, Kambodscha und China, wo er einige Zeit mit seiner Familie lebte und dann des Landes verwiesen wurde. Die Versetzung nach Japan stürzte ihn in eine Lebenskrise, weil er sich dort nie heimisch gefühlt hat. Nach Arbeitsaufenthalten in Bangkok, der damaligen Sowjetunion war Indien seine letzte Station als Korrespondent. Genau in dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit fernöstlicher Spiritualität. Als er mit 59 Jahren an Krebs erkrankte ging er auf Reisen, und erhoffte neben der klassischen Medizin auch mit alternativen Heilmethoden eine Genesung. Seine Beobachtungen in Europa und Amerika über "konsumgeile" und "karriereversessene" Menschen ließ ihn einen bereichernden Weg einschlagen: Durch die Beschäftigung mit Spiritualität wurde er "innerlich reich" und das ist der Weg, der uns bei der Sinnsuche hilft.

Bruno Ganz als T. Terzani in dem Film "Das Ende ist mein Anfang."

Tizianos Reise in sein Inneres - Der Tod nach einem erfüllten und sinnvollen Leben

"Der Grund, warum wir so viel Angst vor dem Sterben haben, ist doch, dass wir mit dem Tod alles verlieren  Ich habe das hinter mir." (Tiziano Terzani)

In den letzten Monaten seiner Krebserkrankung zieht er sich mit seiner Frau Angela in sein Haus in der Toskana zurück. Sein Sohn Folco hat ihn in seinen letzten Lebensmonaten interviewt. Das Interview von Folco Terzani war eine intensive Begegnung mit seinem Vater Terzani. Es wurde als Buch veröffentlicht und diente dann der Realisierung des Films mit dem  Produzenten Ulrich Limmer und dem Regisseur Jo Baier. Die Filmemacher haben sehr intensiv mit Folco Terzani zusammen gearbeitet, um das Bild seines Vaters authentisch darzustellen. Tiziano Terzani erzählt über seine interessanten Asien-Besuche, die als Kriegs-Berichterstatter lebensbedrohlich waren und seine persönliche Sichtweise zu seinem Leben und seinem bevorstehenden Tod. Nachdem er von seiner Krebserkrankung erfahren hat, verbringt er einige Jahre im Himalaya bei einem Weisen. Diese Erfahrungen, die außerhalb einer materiellen Denkweise lagen, haben ihm ermöglicht, dem Tod gelassen und im Loslassen gegenüberzutreten. Durch diesen intensiven Lebenseinschnitt im Himalaya hat er so offen über sein nahendes Ende sprechen können.

Das Thema Tod wird tabuisiert - Angst hindert uns an der Beschäftigung mit dem Tod

In unserer westlichen Welt wird der Tod verdrängt. Wir werden erst mit ihm konfrontiert, wenn wir einen nahen Angehörigen verlieren. Doch "das letzte Hemd hat keine Taschen".

Ich habe dieses Sprichwort gewählt, weil wir in unserer Gesellschaft zu sehr an Geld, der Gier nach immer mehr und materiellen Dingen haften. Diese Anhäufung von immer mehr lässt uns keinen Raum, uns auf das Wesentliche zu besinnen. Zu diesem Wesentlichen gehört eben auch die Beschäftigung mit dem Tod, denn wir wissen nicht, wann wir Abschied nehmen müssen.

In der Bibel heißt es (Mt 6, 19-21): "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz."

Die Religionen und das Paradies - Sei hilfreich und ein guter Mensch, dann kommst Du in den Himmel

Früher wurde uns im Religionsunterricht erzählt, dass man in die Hölle kommt, wenn man schlecht ist und Gott verleugnet. Im Mittelalter wurden Frauen der Hexerei bezichtigt. Durch die Verbrennung wollte man den Teufel aus ihren Körpern verbannen, damit dann die Seele zur Himmelspforte fahren konnte.
Der Hinduismus und auch der Buddhismus glauben an die Reinkarnation. Menschen, die sich in ihrem irdischen Leben menschlich und gut verhalten, bekommen ihren Lohn: Den Eintritt in das Paradies. Jeder Mensch sammelt laut hinduistischem Glauben durch sein Verhalten gutes oder schlechtes Karma an. Aus diesem Verhalten ergibt sich dann das "Stadium" der Wiedergeburt. Jeder Hinduist möchte mit einem guten Karma seine Erlösung finden.

Religion kann Angst schüren, wenn Menschen nicht nach den Geboten leben. Viele kirchliche Wandbilder des Mittelalters personifizieren die Grausamkeit der Hölle und des Fegefeuers. Aber Religion kann auch Gutes bewirken: Bei Menschen, die auf ihrer Sinnsuche sind und die Kirche als Ort der Begegnung sehen oder sich in Gruppen treffen, um die Bibel genau kennen zu lernen.

Der Umgang mit dem Tod hat sich verändert - Der Tod wird kommerzialisiert

Früher wurden die Menschen nicht so alt wie heute. Sie lebten in Großfamilien, die Jungen kümmerten sich um die Alten. So stand man auch dem Sterbenden in seinen letzten Stunden bei. Meine Großmutter erzählte, dass sich alle Verwandten um den Toten versammelt hatten. Ein Priester erteilte die Absolution, dem Toten war es möglich im Kreise seiner Angehörigen über Vergebung und Verzeihung zu bitten. Nach dem Eintritt des Todes wurde der Tote von den Angehörigen gewaschen und neu angekleidet. Es gab noch keine Leichenhallen und so wurde der Tote in der Familie aufgebahrt.

Viele Rituale wurden praktiziert, damit die Seele entweichen konnte: Man öffnete die Fenster oder verhängte sogar die Spiegel. Diese Rituale waren im Mittelalter üblich. Der Tote wurde zu Hause einige Tage aufgebahrt, so dass sich die Verwandten von ihm verabschieden und ihre Gebete sprechen konnten. Der Umgang mit dem Verstorbenen war etwas völlig normales.

Heute ist das völlig anders. Der Begriff "Großfamilie" ist aus unserem Lexikon so ziemlich verschwunden. Wir sind eine individualisierte Gesellschaft geworden. Die Medizin hat große Fortschritte gemacht und heute werden Menschen sehr alt. Veränderte Arbeitsbedingungen erfordern Flexibilität und häufige Wohnortwechsel. Frauen gehen arbeiten, können und möchten einen Angehörigen nicht pflegen und so sterben die meisten Menschen im Krankenhaus oder im Pflegeheim.

Der Begriff des Bestatters ist ein einträglicher Berufszweig geworden. Es gibt sogar heute eine spezielle Ausbildung für Bestatter. Bei dieser Ausbildung spielt sogar eine große Rolle, nach welchen Regeln er sich gegenüber den Trauergästen verhält. Die Auswahl des Sarges und der üppige Leichenschmaus zeigt den ökonomische Wert des Toten.

Alt, krank und nichts mehr „wert“ - Konsum, Werbebilder und Manipulation der Menschen

Heute sind alte und kranke Menschen eher ein Hindernis. Sie vegetieren in Alten- und Pflegeheimen dahin und damit sie nicht so viel Arbeit machen werden sie ruhig gestellt. Dieses Phänomen der Entmenschlichung erleben wir leider jeden Tag.

Mit Krankheiten wollen wir uns nicht auseinandersetzen. Wir lassen uns lieber von der Werbung ein Bild vermitteln, das sich nur am Konsum orientiert und gesunden und attraktiven Menschen gehört. In dieser "Marketing-Philosophie", wo der Mensch keine Bedeutung spielt, sondern nur die Gewinnmaximierung, wird gelogen und die Verbraucher werden sogar betrogen.

Viktor Frankl und die Logotherapie - Die Sinnsuche des Menschen

Viele Menschen machen sich auf die "Sinnsuche." Sie fragen sich: "Was gibt meinem Leben mehr Bereicherung und Fülle?" Lebenskrisen durchlaufen wir alle, das gehört einfach zum Leben. NUR, wenn wir aus diesen Krisen nichts gelernt haben, sind wir nicht auf dem richtigen Weg. Ein Burnout, eine Depression oder der Tod eines Menschen, der einem nahe steht, können solche Einschnitte sein. Sie sollten dann uns Menschen veranlassen, unser Leben Revue passieren zu lassen. Viele Krisen haben auch eine Chance, weil sie uns in eine andere Richtung führen.

Der Eine sieht seinen Lebenssinn in einer äußerlichen Lebensqualität. Urlaube, materieller Reichtum und der Drang nach Status und "anerkannt" zu sein. Meistens verbirgt sich hinter diesen Äußerlichkeiten eine unreife Sichtweise von der Bedeutung des Lebens. Wenn diese Statussymbole durch Lebenskrisen wegfallen, erkennen viele Menschen erst, wer sie weiter unterstützt und zu ihnen hält.

Für mich bedeutet der Sinn meines Lebens, meine Potentiale zu entfalten und Dinge zu tun, die mich mit Freude erfüllen. Nur mit einer persönlichen Begeisterung kann ich an meine Arbeiten herangehen und kann sie voll entwickeln. Eine Sinnsuche bedeutet für mich auch, anderen Menschen hilfreich zur Seite zu stehen, Eine Nachbarin bei den Einkäufen zu unterstützen, wenn sie eine Beinfraktur hat oder alte und kranke Menschen in einem Pflegeheim zu besuchen.

Ein Video erklärt das auf eine sehr beeindruckende Weise: Dr. Elisabeth Lukas, die prominente Schülerin von Viktor Frankl, dem Begründer der Logotherapie spricht in einem Interview. Die Logotherapie ist nicht zu verwechseln mit der Logopädie (Sprecherziehung).

Zusammenfassung - Seinen eigenen Weg suchen und finden!

Der Tod gehört zum Leben. Sobald wir das Licht der Welt erblicken, ist der Tod immer präsent. Die Beschäftigung mit Gott kann für einige "Sinnerfüllend" sein, für die anderen kommt sie nicht in Frage, weil sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, was für ihn in seinem Leben wichtig ist. Es gibt viele Dinge, die uns bereichern: Sinnspendend die Zeit verbringen mit anderen Menschen, sich intensiv mit einem Wissensgebiet zu beschäftigen und in jedem Tag etwas Positives zu sehen!
Ich wünsche Ihnen alles Gute!

 

sissilu, am 22.07.2012
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