Novel‑Food‑Verordnung: Was sie zu Klonfleisch regelt und welche Lücken bleiben

Fleisch von geklonten Tieren ist in der EU nicht verboten, doch es fehlt eine klare Kennzeichnungspflicht. Dieser Artikel erklärt, wie Klonfleisch entsteht, welche Regeln gelten und wie Verbraucher dazu stehen.

Der internationale Handel mit Lebensmitteln hat sich durch biotechnische und gentechnische Verfahren stark verändert. Lebensmittel werden global transportiert, weshalb klare Regeln nötig sind, welche Produkte eingeführt und verkauft werden dürfen.

Die Novel-Food-Verordnung sollte ursprünglich genau das leisten. Doch schon bei ihrer Einführung wurde sie kritisiert:

  • Kennzeichnungspflichten sind lückenhaft

  • gentechnische Hinweise bleiben oft vage ("kann Spuren genetisch veränderter Organismen enthalten")

  • Regelungen zu Klonfleisch fehlten vollständig

Die Novel‑Food‑Verordnung wurde 2015 grundlegend überarbeitet und gilt seit 2018 in ihrer heutigen Form. Auch die überarbeitete Fassung schließt diese Lücke nicht. Für Fachleute ist das ein gravierendes Problem, weil Verbraucher ohne Kennzeichnungspflicht keine informierte Entscheidung treffen können.

Die Position des Deutschen LandFrauenverbandes

Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, bedauert, dass die EU keine klare Kennzeichnungspflicht für Fleisch von Klontieren eingeführt hat. Aus ihrer Sicht geht es nicht nur um gesundheitliche Fragen, sondern auch um:

  • Transparenz für Verbraucher

  • ethische Verantwortung

  • Tierschutz

  • Wahrung der genetischen Vielfalt

Der Verband sieht in Deutschland kaum gesellschaftliche Akzeptanz für Klonfleisch. Eine Notwendigkeit, solche Produkte auf den Markt zu bringen, bestehe nicht: Die Eiweißversorgung in der EU sei gesichert, und Klonfleisch sei nicht einmal günstiger.

Zudem widerspreche die Produktionsweise den Grundsätzen des Tierrechts und könne langfristig die genetische Vielfalt gefährden.

Kühe auf der Weide

Kühe auf der Weide (Bild: Pixabay)

Klonfleisch weltweit: In welchen Ländern Fleisch von geklonten Tieren bereits Alltag ist

Nach geltendem EU-Recht darf Fleisch von Klontieren ohne Kennzeichnungspflicht.importiert werden

In Ländern wie den USA oder Argentinien ist der Handel mit Produkten von Klontieren bereits etabliert. Aus deutscher Sicht macht das eine Überarbeitung der europäischen Einfuhrregeln dringend notwendig.

Würste (Bild: Pixabay)

Fleischproduktion 2025 nahezu unverändert – leichter Rückgang gegenüber 2024

Unabhängig von der Klonfleisch-Debatte verändert sich auch die konventionelle Fleischproduktion.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, haben die gewerblichen Schlachtunternehmen in Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 6,9 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Nach vorläufigen Ergebnissen entspricht das einem leichten Rückgang von 0,2  Prozent beziehungsweise 15 400 Tonnen gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt wurden 48,5 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 697,3 Millionen Hühner, Puten und Enten geschlachtet.

Damit setzt sich der Anstieg aus dem Jahr 2024 nicht fort. Im längerfristigen Vergleich liegt die Produktion weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 2016: Gegenüber damals wurden 2025 rund 17 Prozent weniger Fleisch erzeugt.

Naturkostverband: Warum Bio‑Verbände Klonfleisch strikt ablehnen

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) lehnt den Verkauf von Fleisch geklonter Tiere grundsätzlich ab. Die Mitgliedsläden verzichten auf solche Produkte und setzen stattdessen auf:

  • regionale Lebensmittel

  • biologische Landwirtschaft

  • biologisches Saatgut

Auch der BNN kritisiert, dass die Novel-Food-Verordnung zu viel Interpretationsspielraum lässt und keine klare Linie zum Umgang mit Klonfleisch vorgibt.

EU Novel Food Verordnung erklärt

Fazit: Transparenz bleibt der Schlüssel

Die Diskussion um Klonfleisch ist komplex und berührt ethische, gesundheitliche und verbraucherpolitische Fragen. Während einige Länder den Handel längst etabliert haben, fordern deutsche Verbände klare Regeln und eine eindeutige Kennzeichnung.

Für Verbraucher bleibt entscheidend, ob sie selbstbestimmt entscheiden können, welche Art von Fleisch sie kaufen möchten – und ob sie Produkte aus Klontieren akzeptieren würden.

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