Travis Waltons verhängnisvolle Begegnung mit einem UFO

Am 5. November 1975 befanden sich sieben Waldarbeiter auf dem Heimweg von ihrem Arbeitsort in Snow-flake (US-Bundesstaat Arizona). Plötzlich sahen die Männer eine helle, flache Scheibe über ihnen schweben. Der damals 18-jährige Travis Walton stieg aus dem LKW und näherte sich vorsichtig diesem Objekt, während die anderen sechs Männer im Wagen blieben. Entsetzt mussten sie mitverfolgen, wie Walton von einer Art Lichtstrahl aus dem UFO getroffen und meterweit durch die Luft geschleudert wurde.

In Panik flohen die Männer, kehrten aber später wieder zurück. Doch ihr Arbeitskollege war spurlos verschwunden. Auch das UFO konnten sie nicht mehr erblicken. Verstört fuhren sie in die nächstgelegene Stadt Heber und erstatteten der örtlichen Polizei Bericht über die ungewöhnlichen Ereignisse. In den Morgenstunden des nächsten Tages wurde eine groß angelegte Suchaktion, unter anderem mit Hubschraubern, eingeleitet. Auf Grund der Kälte eilte die Suche, da ein Verletzter im Freien nicht lange überlebt hätte.

Feuer am Himmel

Feuer am Himmel (Bild: http://pixabay.com)

Begegnung der vierten Art: Entführung durch Außerirdische

Travis Walton blieb aber verschwunden. Sein Bruder Duane brach nach Snowflake auf, nachdem er von seiner Mutter über dessen Verschwinden informiert worden war. In der Zwischenzeit unterzog die Polizei Waltons Arbeitskollegen, die sie des Mordes an ihm verdächtigten, einem Lügendetektortest, den fünf von ihnen erfolgreich abschlossen. Am 10. November, fünf Tage nach seinem Verschwinden, rief Travis Walton von einer Tankstelle aus seinen Schwiegerbruder an und bat ihn, ihn abzuholen.

Was der angeblich von Außerirdischen Entführte an Bord des UFO gesehen und erlebt haben will, brachte ihn in die Schlagzeilen. Walton berichtete von Begegnungen mit "Greys", also kleinwüchsigen Aliens mit riesigen, haarlosen Köpfen und enorm großen Augen. Im Inneren des Raumschiffes seien aber auch Menschen gewesen, von denen einige Helme trugen, andere wiederum nicht. Antworten auf seine Fragen erhielt er keine. Seine Zeit an Bord des Raumschiffs endete damit, dass eine Menschenfrau ihn betäubte. Danach fand er sich vor einer Tankstelle wieder und konnte gerade noch erkennen, wie ein UFO über der Straße schwebte, ehe es davonschoss. Der geschwächte Walton rief von eben jener Tankstelle aus seinen Schwiegerbruder an.

Interviews, Bücher und „Feuer am Himmel“

Das Medienecho auf Travis Waltons unglaubliche Geschichte war enorm. Der junge Mann führte seither zahlreiche Interviews, ist gern gesehener Gast als Redner auf UFO-Konferenzen und schrieb seine Erfahrungen 1978 in dem Buch "The Walton Experience” nieder. 1993 wurde sein Buch unter dem Titel "Fire in the Sky” (auf Deutsch als "Feuer am Himmel” erschienen) verfilmt und geriet dank der sensationellen Behauptung, auf einer wahren Begebenheit zu basieren, zu einem moderaten Kassenerfolg. Allerdings wich der mit "Terminator 2"-Bösewicht Robert Patrick in einer Hauptrolle besetzte Science-Fiction-Film in vielen Punkten von den angeblichen Ereignissen ab.

Lügendetektortests können lügen

Travis Walton unterzog sich mehreren Lügendetektortests, wobei die Resultate widersprüchlich gewesen sein sollen. Allerdings müssen derlei Tests ohnehin mit Vorsicht genossen werden: Aus gutem Grund werden die Ergebnisse von Polygraphen, so der korrekte Name der Geräte in Fachkreisen, vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen. Sie können nämlich ganz gezielt manipuliert werden.

Aber auch abseits des Einsatzes technischer Hilfsmittel konnten Waltons Behauptungen Skeptiker nicht überzeugen. Wenige Wochen vor seiner angeblichen Entführung strahlte der US-Fernsehsender NBC einen Film basierend auf dem Fall Betty und Barney Hill aus. Zwar bestritt Walton, diesen Film angeschaut zu haben. Doch einer seiner ehemaligen Arbeitskollegen gab zu, er habe ihn gesehen.

Nur ein ausgeklügelter Schwindel?

Ein starkes Indiz für einen ausgeklügelten Schwindel führte der verstorbene UFO-Forscher Philip J. Klass ins Feld:Eben jene Gruppe von Waldarbeitern sei Gefahr gelaufen, ihren Vertrag nicht erfüllen zu können, was zur Zahlung einer hohen Strafe geführt hätte. Die angebliche Entführung durch Außerirdische verhinderte dies, da es sich um einen "Act of God", vergleichbar der"Höheren Gewalt" gehandelt habe.

Und mehr noch: Der "National Enquirer" kaufte die Rechte an der Geschichte, was beträchtlichen finanziellen Gewinn mit sich brachte. Außerdem sollen zumindest Waltons Mutter und einer seiner Brüder bereits vor seiner angeblichen Entführung diverse UFO-Sichtungen gemeldet haben.

Ockhams Rasiermesser

Was ist also von Waltons Geschichte zu halten? Vielleicht hilft das als "Ockhams Rasiermesser" bekannte Prinzip weiter, das im Wesentlichen folgendes besagt: Die einfachere Erklärung ist der komplizierteren Erklärung vorzuziehen. Wendet man dieses Prinzip auf den Fall Travis Walton an, so erscheint eine Entführung durch Außerirdische als höchst exotische Erklärungsmöglichkeit. Zieht man nun noch die Vorteile für Travis Walton in Betracht – plötzlicher Ruhm, Anerkennung, Geld -, scheint ein Schwindel nicht mehr ausgeschlossen. Gerade für einen mit der Umgebung vertrauten Holzfäller sollte es möglich sein, ein paar Tage lang unterzutauchen.

Beweisen lässt sich dies natürlich genauso wenig wie Travis Waltons Story selbst. Eine definitive Antwort auf die eingangs gestellte Frage, was von den Schilderungen zu halten sei, ist deshalb auch weiterhin unmöglich zu geben. Vielleicht liegt die Antwort ja sogar in der Mitte und Walton wurde Opfer eines Regierungsexperiments, das ihn glauben lässt, er wäre von Außerirdischen entführt worden, während er sich tatsächlich an Bord eines militärischen Prototyps befand und sein Verstand manipuliert wurde, um sich im Inneren eines UFO zu wähnen. Schließlich grenzt Arizona an Nevada, wo sich die berüchtigte "Area 51" befindet …

Autor seit 6 Jahren
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