Das Team Hoyt nichts ist unmöglich - Dick and Rick Hoyt

Die Hoyts sind eine amerikanische Familie. Man kennt sie unter dem Namen "das Team Hoyt." Judy und Dick Hoyts Erstgeborener Rick wurde 1962 geboren. Da sich seine Nabelschnur um seinen Hals gewickelt hatte, wurde der Junge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Nach der Geburt ihres Sohnes erfahren die Hoyts, dass Rick unter einer cerebralen Lähmung leidet. Die Prognose der Ärzte ist düster: Rick wird durch diese Behinderung nie ein selbständiges Leben führen können, er wird mit anderen nie so sprechen können wie gesunde Kinder und er wird immer im Rollstuhl sitzen. Die Ärzte raten den Eltern, den Jungen in ein Pflegeheim zu geben. Die Familie Hoyt denkt nicht daran, Rick wegzugeben, sondern sie engagieren sich mit allen Kräften, ihrem Sohn ein würdevolles Alltagsleben zu ermöglichen.

1964 und 1967 bekommen die Hoyts zwei gesunde Söhne: Robert und Russell. Die Hoyts nehmen ihre Elternaufgabe sehr ernst und möchten wie jede andere Familie auch viel mit ihren Kindern unternehmen. Bergsteigen, Ski laufen, schwimmen und wandern stehen auf dem Programm und der behinderte Sohn ist überall dabei. Wenn er mit dem Rollstuhl einen Berg nicht erklimmen kann, trägt ihn sein Vater auf seinen Schultern. Er lässt keine physischen Strapazen aus, die Eltern verstecken ihn nicht, nur, weil er behindert ist. Sie integrieren ihren Ältesten mit einer unbändigen Liebe und Zuwendung, die beispielhaft ist. Da Ricks Sprachvermögen durch die cerebrale Lähmung nicht ausgebildet ist, kann er lange Zeit keine Schule besuchen. Das fehlende Kommunikationsvermögen wird als mangelnde Intelligenz gesehen. An diesem Beispiel sieht man, wie schnell Menschen mit Handicaps von unserer Gesellschaft abgestempelt werden. Starke, gesunde und schöne Menschen, die vor Kraft strotzen sind unser "Gesellschaftsideal", aber für diejenigen, die etwas "anders" sind, gibt es wenig Unterstützung, Teilhabe und Mitmenschlichkeit!

Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen. Mahatma Gandhi

Dick und Rick Hoyt ein unschlagbares Team!

"Ich glaube an Dich, Rick", das war das Credo von Dick Hoyt. Vater Dick hat durch tägliche Beobachtungen und durch die intensive Beschäftigung mit seinem Sohn sehr früh erkannt, dass er trotz seiner Behinderung enorme Potenziale hat. Er beschreibt ihn trotz Handicap als humorvoll und fröhlich. Ingenieure der Tufts Universität in Neu England interessieren sich für den Jungen und so kann Vater Dick Hoyt seinen Sohn dort vorstellen. Die Wissenschaftler bemerken bei der Begegnung mit dem Jungen, dass er trotz Behinderung einen unbändigen Willen zum Leben hat. Sie möchten Rick helfen und entwickeln eine Maschine, mit der er sich verständigen kann. Endlich, als Rick 12 Jahre ist, ist die sogenannte "Hope Machine" oder zu Deutsch "Hoffnungsmaschine" fertig. Mit dieser Maschine werden dem Jungen einzelne Buchstaben gezeigt und mit einer Bewegung seines Knies kann Rick den jeweiligen Buchstaben aktivieren. Die Familie ist bei dem ersten Experiment gespannt, für welchen Satz sich ihr Sohn entscheidet. Die Familie dachte, es kommen jetzt Sätze über die Namen der Familienmitglieder, doch weit gefehlt, Rick entscheidet sich für sein Lieblings-Hockeyteam. Durch dieses erste Schlüsselerlebnis erkannte die Familie, dass sich ihr behinderter Sohn sehr für Sport interessierte. Davor konnten diese Präferenzen nie ausgesprochen werden, weil Rick sich nicht ausdrücken konnte.

Der Sprachcomputer veränderte Rick Hoyts Leben

Drei Jahre nach der Entwicklung seines individuellen Sprachcomputers durfte Rick mit 15 Jahren die Schule besuchen. In dieser Zeit nahm ihn sein Sportlehrer zu einem Basketball-Spiel mit. In  der Halbzeit machte sich eine Studentin stark für einen Charity-Lauf für einen Schüler, der seit einem Autounfall im Rollstuhl sitzt. Dieser Aufruf hat das Leben von Vater und Sohn nachhaltig verändert. Rick möchte unbedingt an diesem Wohltätigkeitslauf teilnehmen und bittet seinen Vater ihn mit dem Rollstuhl zu schieben. Dick hat keine Erfahrungen als Läufer, aber er schlägt seinem Sohn diesen Wunsch nicht ab. Sie gehen Beide an den Start und die Familie hat wenig Hoffnung, dass Dick diesen Lauf aufgrund fehlender Erfahrung durchhält. Zuschauer feuern das ungewöhnliche Läuferpaar an und Dick hält durch. Das schönste Geschenk nach diesem Lauf hat ihm wohl sein Sohn Dick gegeben: Das Lächeln eines dankbaren Sohnes und die Zuneigung seines Vaters. Dick Hoyt hat dieses Erlebnis so schnell nicht vergessen können, vor allem die Freude seines Sohnes, dass er seinem Wunsch nachgekommen ist. Er schreibt auf seiner Hoffnungsmaschine: "Dad, wenn ich laufe, fühle ich mich nicht wie ein Behinderter." Dieser wertschätzende Satz seines Sohnes Rick spornt Dick an, seine Laufperformance weiter zu verbessern. Er trainiert und nimmt mit seinem Sohn an vielen Wettbewerben teil.

Das Team Hoyt beim Boston Marathon!

In 1981 möchten die Beiden am Boston Marathon teilnehmen. Die Organisatoren für diesen Marathon haben den Start der Beiden abgelehnt, weil es noch nie einen Lauf eines Vaters gab, der seinen Sohn mit dem Rollstuhl vor sich herschiebt. Trotz fehlender Starterlaubnis mogeln sich die Beiden in den Startblock und nehmen an diesem bekannten Marathon in Boston teil. Um sich auf den Marathon vorzubereiten, übt Dick mit Zementsäcken, mit denen er den Rollstuhl belädt und er bereitet sich mit einer unermüdlichen Ausdauer auf diesen Marathon vor. Sie schaffen diesen Marathon mit einem Traumergebnis von 3:11 h. Der Sohn war so stolz, wie die Zuschauer das Team angefeuert haben und der Vater raffte sich weiter auf, obwohl er nach einiger Zeit seine Beine nicht mehr spürte, was Marathonläufer die berühmte "Wand" nennen. Auch 1982 wurden sie für diesen Marathon abgelehnt, haben aber wieder inoffiziell teilgenommen, sogar mit einer besseren Zeit als im Jahr zuvor.

Das Team Hoyt in den Medien!

Durch diese außergewöhnliche Leistung ist der Medienrummel für diese außergewöhnlichen Menschen groß. Journalisten werden auf die Beiden aufmerksam und bitten um Interviews. Die Frage, ob Dick auch ohne seinen Sohn einen Marathon laufen würde, verneinte er stets. Entweder wir laufen zusammen, oder ich laufe gar nicht, sagte er stets. Damit wollte er in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Gesellschaft mehr für behinderte Menschen tun sollte. Er wollte durch die Marathons mit seinem Sohn zeigen, dass Behinderte entsprechend ihren Fähigkeiten in die Gesellschaft integriert werden sollen.

Das Team Hoyt beim Probelauf in Washington!

Das Jahr darauf laufen sie wieder inoffiziell und die Vereinigung der Marathonläufer in Boston ist bereit ihnen eine offizielle Starterlaubnis unter einer Bedingung zu gewähren. Der nächste Testmarathon muss mit einem Ergebnis von 2.50 h gelaufen werden. Diese Zeit richtet sich nicht nach Dicks Alter, sondern nach dem Alter seines behinderten Sohnes. Sie entscheiden sich für den Marine Corps Marathon in Washington D.C. Diese Zeit stellt nicht nur den Läufer unter ganz schwierige Bedingungen, sondern es müssen viele Umstände stimmen: Der Rollstuhl muss funktionstüchtig sein, es kann nicht regnen und Rick muss in einer guten Verfassung sein. Sie erreichen das Ziel mit 2:45 h und können sich offiziell das nächste Jahr für den Boston Marathon qualifizieren. Was für eine tolle Leistung!

Es folgen weitere Marathons und dann geschieht das Unglaubliche: Die Teilnahme an einem Triathlon in der Nähe von Boston. Die Disziplinen Schwimmen mit 1,6 km, 64 Kilometer Radfahren und 16 Kilometer Laufen. Ein enormes Pensum für einen Vater, der diese Strecken nicht alleine macht, sondern die richtigen Vorkehrungen treffen muss, damit seinem behinderten Sohn auch nichts passiert. Beim Schwimmen legt er Rick in ein Schlauchboot und mit Hilfe eines Brustgurts zieht er ihn beim Schwimmen hinter sich her. Der Rollstuhl ist hinter dem Rad befestigt. Die Radstrecke ist besonders schwierig für die Beiden. Der Radfahrer muss sehr gut aufpassen, dass der Rollstuhl bei einer Kurve nicht umkippt. Auch diesen Triathlon haben die Beiden gemeistert. Es folgten weitere Herausforderungen, der Ironman in Kanada, in Deutschland und der Ironman in Hawai.

Ausdauer und Liebe führen zum Ziel

Diese ungewöhnlichen Männer haben bewiesen, was mit Ausdauer, Liebe alles zu erreichen ist. Sie haben Vorurteile gegen Behinderte angeprangert und sich gegenseitig motiviert und unterstützt. Der Vater hat sich vor der Geburt seines behinderten Sohnes als ein "Couch potato" bezeichnet, aber die Liebe zu seinem Sohn hat seine Leistungskurve auf ein Maximum steigen lassen. Rick hat 1993 seinen Abschluss an der Boston University gemacht und arbeitet dort in der Computer-Abteilung bei der Entwicklung neuer Computer für behinderte Menschen. Sie haben unzähligen Menschen gezeigt, dass mit der Kraft der Liebe und mit dem Glauben an seine Ziele enorme Potenziale in unserem Körper freigesetzt werden können. Rick Hoyt antwortete auf die Frage, was er tun würde, wenn er gesund wäre: "Vielleicht würde ich Basketball spielen oder Hockey,  aber am liebsten würde ich meinen Vater in einem Rollstuhl schieben." Ist das nicht die schönste und dankbarste Liebeserklärung, die ein Vater bekommen kann?

sissilu, am 19.08.2012
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Bildquelle:
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